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„Kniehohe Flammen“ bei Waldbrand in Bretzfeld: Polizei vermutet Brandstiftung

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Tausende Quadratmeter Waldboden sind am Dienstagabend in Bretzfeld verbrannt. Die Polizei hat den Verdacht, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde.


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Ein Waldbrand im März? „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt Torsten Rönisch, Kreisbrandmeister des Hohenlohekreises. Auch die Feuerwehr Bretzfeld glaubte bei dem Alarm am Dienstagabend, 24. März, noch nicht recht daran, dass sie ein größeres Feuer bekämpfen muss.

Gemeldet worden war ein Flächenbrand im Wald zwischen Hölzern (Eberstadt) und Schwabbach (Bretzfeld). Einsatzleiter Nico Feghelm ging davon aus, dass am Grillplatz am Steinernen Tisch mal wieder ein Lagerfeuer etwas ausgeufert ist. Das ist Routine. Es kam jedoch vollkommen anders. 

Großer Flächenbrand in Bretzfeld: „Es gab kniehohe Flammen“

„Tatsächlich hat es ein ganzes Stück weg vom Grillplatz stark gebrannt. Es gab kniehohe Flammen“, berichtet er gegenüber der Heilbronner Stimme. Der Brand hänge also nicht mit der Feuerstelle zusammen. Deshalb ermittelt auch die Polizei. Die hat wohl Hinweise gefunden, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. „Es könnte Brandstiftung gewesen sein“, teilt das Polizeipräsidium Heilbronn am Samstag auf Nachfrage mit. Warum die Ermittler davon ausgehen, bleibt jedoch vorerst geheim. Angaben zum Sachschaden können noch nicht gemacht werden.


Als Nico Feghelm die Flammen im Wald sah, schaltete der erfahrene Feuerwehrmann sofort in den Krisenmodus und kümmerte sich zuerst um das Wichtigste: Wasser. „Weitere wasserführende Fahrzeuge wurden alarmiert.“ Auch Landwirte standen mit Wasser in Güllefässern schnell parat.  

Einsatzkräfte aus Bretzfeld, Künzelsau, Öhringen, Neckarsulm und Eberstadt bekämpfen Waldbrand

Insgesamt waren 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren Bretzfeld, Künzelsau, Öhringen, Neckarsulm und Eberstadt im Einsatz, berichtet Torsten Rönisch. Das Feuer wurde von zwei Seiten bekämpft – von der Schwabbacher Seite und von Hölzern aus, von wo die Feuerwehr einfacher an den Brandherd kam. „Wir mussten durch ziemlich unwegsames Gelände“, erläutert Nico Feghelm. Die Kameraden mussten viele Meter Schlauch durch das Unterholz ziehen, bergauf und bergab.

Die Feuerwehr Öhringen verschaffte den Feuerwehrmännern und -frauen mit einer Drohne Überblick über das Ausmaß des Brandes. „Sie haben später auch verbliebene Glutnester aufgezeigt“, sagt Rönisch. Bis etwa 22 Uhr seien Kameraden aus Bretzfeld im Einsatz gewesen, um sicher zu sein, dass das Feuer wirklich aus war.

Bretzfelder Feuerwehr hat zuvor noch nie so einen großen Waldbrand erlebt 

Ein Waldbrand in diesem Ausmaß ist bei der Feuerwehr Bretzfeld kein Alltagsgeschäft – auch im Sommer nicht. „Wir haben im Sommer zwar viele Flächenbrände auf Stoppelfeldern, aber im Wald in der Größenordnung hatten wir sowas noch nie“, sagt Kommandant Tobias Bechle. Gut, dass die Bretzfelder Wehr trotzdem außergewöhnlich gut vorbereitet ist. Bei ihr ist nämlich eine eigens ausgebildete Fachgruppe Forst angesiedelt. Diese umfasst 80 Spezialisten für Waldbrand.

Nach Waldbrand in Bretzfeld: Polizei vermutet Brandstiftung
Nach Waldbrand in Bretzfeld: Polizei vermutet Brandstiftung  Foto: Feuerwehr Bretzfeld

Im aktuellen Fall haben keine Bäume gebrannt, sondern das trockene Laub am Boden. „Es ist ein Laubwald“, erläutert Tobias Bechle. In einem Nadelwald wäre der Brand vielleicht anders abgelaufen. Denn die Äste der Nadelbäume, so der Feuerwehrmann, reichten oft bis zum Boden und würden deshalb schneller Feuer fangen als Laubbäume. Zumal Nadeln ätherische Öle enthielten. Glück sei es auch gewesen, dass der Boden derzeit feucht sei. „Ich will nicht wissen, wie es im Juni ausgesehen hätte.“ 

Im Hochsommer hätte der Brand aufgrund von Trockenheit anders ablaufen können 

Dieser Fall zeige aber trotzdem eindrücklich, wie schnell sich ein Feuer im Wald ausbreiten könne – auch bei der aktuellen Witterung. Das unterschätzten viele Menschen. „Da gibt es Leute, die im Hochsommer Möbel im Wald verbrennen“, schildert Tobias Bechle.  

Der Einsatz am Dienstag sei trotz vieler Herausforderungen gut gelaufen, betont Torsten Rönisch. „Es wurde schnell eine stabile Wasserversorgung aufgebaut, und der Brand war schnell unter Kontrolle.“ Durch das unwegsame Gelände und die weiten Entfernungen war es jedoch ein sehr anstrengender Einsatz für seine Mannschaft, betont Nico Feghelm. Es wurden sehr viele Einsatzkräfte gebraucht, da ein erster Trupp irgendwann ausgepowert gewesen sei. Auch für das Nachlöschen habe er noch Personal benötigt, um alle Glutnester zu finden.   

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