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Thomas Strobl, CDUDieser Wahlkampf bietet viele Widersprüche. Journalisten bekritteln die müde Vorwahlzeit. Thomas Strobl aber bemerkt, dass im Jahr der Krise die Menschen interessiert sind „wie lange nicht mehr“. Er erzählt von deutlich besser besuchten Veranstaltungen als in früheren Jahren.
Von Jugend an ist er ausgesprochen politisch. Eine nette Fußnote ist dabei, wie ein sozialdemokratischer Lehrer den 16-jährigen Gymnasiasten so sehr zum Widerspruch reizte, dass dieser mit Gleichgesinnten den Arbeitskreis Demokratischer Schüler (ADS) gründete. Die Junge Union wurde auf ihn aufmerksam. Thomas Strobls Weg in die Politik begann. Was der Generalsekretär der Landes-CDU heutzutage auf den Weg bringt, kann sich schnell mal als politische Idee der Bundespolitik wiederfinden.
Nummer zwei ist die schlechte Meinung, die die Wähler anscheinend von „denen da oben“ haben. Die meisten Menschen, denen Strobl nicht nur in diesen Tagen begegnet, da er 16, 17 Stunden als Wahlkämpfer unterwegs ist, erscheinen ihm weder politikverdrossen noch sprechen sie abschätzig über Politik und Politiker.
Ein Thema dominiert bei all den Veranstaltungen - egal ob Info-Stände, Gasthaus-Diskussionen oder die große Kundgebung, zu der Thomas Strobl seine Bundesvorsitzende Angela Merkel begleitet: Wie geht es weiter in und - hoffentlich bald - nach der Krise?
„Die Ernsthaftigkeit der Menschen hebt sich wohltuend von den medialen Inszenierungen ab“, ist Strobl eine weitere Diskrepanz aufgefallen. Im Gegensatz zum „Seichten der Talkshows“ stellten die Wähler „die richtigen Fragen“. Strobl selbst formuliert ebenfalls Fragen. Mit dreien misst er die Rahmenbedingungen der Zukunft, die die Politik festlegen muss: „Was schafft eher Arbeitsplätze, was schafft eher Wachstum - und was eher Staatsverschuldung?“ Thomas Strobls Antworten drehen sich um den einen Satz: „Wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum.“
Was dem dient, hat seine Priorität: Investitionen in Bildung und Forschung, „denn wir haben nur einen Rohstoff: die Köpfe“, Investitionen in die Infrastruktur von Straßen, Schienen und Wasserwegen, auch, um der Wirtschaft willen. Die jetzt im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse hält er für „die Zeitenwende“ schlechthin.
Was von dem unten ankommt, was oben beschlossen wurde, das kann der Bundespolitiker Strobl beim Stadtrat Strobl überprüfen. „Die Kommunalpolitik gibt mir Bodenhaftung“, erzählt er: „Mögliche Webfehler Berliner Beschlüsse bekomme ich sofort aufs Butterbrot geschmiert.“ Also wünschte er sich, mehr Abgeordnete wären Kommunalpolitiker. Er lacht: „Damit bleibt man ein bisschen normaler.
Josip Juratovic, SPDAls 15-Jähriger kommt der gebürtige Kroate (1959) nach Gundelsheim, wo er bis heute mit seiner Ehefrau Christine lebt. Das Ehepaar hat drei Kinder. Die Söhne Stephan (24) und Michael (23) arbeiten wie er früher bei Audi, Tochter Katharina (16) geht noch aufs Gymnasium. Das SPD-Parteibuch besitzt der gelernte Kfz-Mechaniker und später freigestellte Audi-Betriebsrat seit 1983, dem SPD-Landesvorstand Baden-Württemberg gehört Josip Juratovic seit 1997 an.
Chaos auf dem Schreibtisch. Die randlose Brille sitzt ganz vorne auf der Nasenspitze. Knitz blitzen seine Augen hervor und strahlen: „Ich bin in Berlin angekommen“, sagt Josip Juratovic stolz. Er, ein Migrant und Arbeiter. Der gebürtige Kroate hat es geschafft, binnen fünf Jahren in der Bundeshauptstadt ein Netzwerk aufzubauen, das ihm in der SPD-Fraktion Ansehen verschafft hat: „Ich bin kein großer Redner, und ich melde mich auch nicht in jeder Sitzung zu Wort, doch wenn, dann ist Ruhe“, weiß er um seine Anerkennung.
Josip Juratovic, einer der wenigen klassischen Arbeitnehmervertreter im Bundestag, hat seine Rolle in Berlin gefunden: „Ich verstehe mich als Brückenbauer und Teamplayer.“ Seinen Platz hat der Analytiker und Stratege aber auch in seinem Wahlkreis Heilbronn gefunden. Vergessen ist das Jahr 2005, als sich der politische Nobody bei der Nominierungsversammlung überraschend gegen den damaligen GEW-Landesvorsitzenden Rainer Dahlem durchsetzte. Heute hat der Sozialdemokrat aus Gundelsheim beste Beziehungen sowohl zur Gewerkschafts- als auch zur Unternehmerseite. „Meine Arbeit wird geschätzt, weil ich Werte und Tugenden anspreche, ohne die keine Gesellschaft auskommt“, zieht er zufrieden Bilanz. Anstand, betont er, müsse sich wieder lohnen.
Als „Maschinist auf dem Tanker Deutschland“, wie er sich charakterisiert, hat er für seine Heimatregion an etlichen politischen Erfolgen mitgewirkt. Er zählt auf: Ausbau der Neckarschleusen, Containerterminal und Modernisierung des Hauptbahnhofes Heilbronn. Weiter kämpfen wird der Gundelsheimer Stadtrat und Neu-Kreisrat um die Frankenbahn. Sein Appell an die Abgeordneten der Region: „Gemeinsam sind wir besser.“
Eine große Leidenschaft des „europäischen Schwaben“ ist die Arbeit mit jungen Menschen. Einmal im Monat geht er in Schulen der Region und erteilt Gemeinschaftskundeunterricht. Er war es, der die Initiative „Hauptschülern eine Chance geben“ ins Leben gerufen hat.
Wer einen Blick in den Terminkalender von Josip Juratovic wirft, der glaubt kaum, dass der Mann auch Urlaub machen kann. Doch er kann. Angeln mit Freunden an der Drau oder relaxen in den Weiten Ungarns.
Aber ein Termin ist fix: In der Karwoche geht der dreifache Familienvater ins Kapuzinerkloster Stühlingen im Südschwarzwald. Hier reifen in ihm Erkenntnisse wie die, „dass man sich nicht bei jedem Thema produzieren muss“ oder „dass man auch als Politiker zugeben kann, von manchen Themen keine Ahnung zu haben“. Die Menschen schätzten, wenn man ehrlich mit ihnen umgehe, sagt Josip Juratovic und erhebt sich. Ein Termin mit seinen Wahlhelfern steht.
Michael Link, FDPIn seiner Schulzeit, das bekennt Michael Link ganz offen, ist er noch „mit Helmut-Schmidt-Aufkleber rumgelaufen“. Es waren aber bekanntlich nicht die Sozialdemokraten, für die er vor vier Jahren zum ersten Mal ins Berliner Parlament einzog, sondern die Liberalen: Erstmals nach der Wahl 1957 war die Heilbronner FDP wieder mit einem eigenen Mann im Bundestag vertreten.
Michael Link erinnert sich noch gut an den Tag. „Ich bin morgens aufgestanden nach einem als gut empfundenen Wahlkampf und hatte gehofft, mindestens erster Nachrücker zu sein.“ Am Abend ist dann bereits bei den ersten Hochrechnungen klar, dass er in Berlin nicht mehr nur Mitarbeiter, sondern Angehöriger der FDP-Fraktion ist.
Den Liberalen hatte sich der politisch interessierte junge Mann Mitte der 80er Jahre zugewandt, nachdem die SPD ihn enttäuscht hatte: „Die Art und Weise, wie sie Helmut Schmidt damals behandelt haben, war für mich eine Bremse“, erinnert sich Link. Seine politische Heimat fand er bei der FDP, „weil ich für einen bescheidenen und zurückhaltenden Staat eintrete, der sich möglichst wenig in die Angelegenheiten der Bürger einmischt“.
Zu seinen Erfolgen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode rechnet der 46-Jährige, „dass es in Berlin gelungen ist, die Regionalinteressen stärker erklingen zu lassen“, und dass in Heilbronn dank vieler neuer Mitglieder, „gerade aus den Reihen der Migranten“, eine „Verjüngung und Erneuerung der FDP“ geglückt sei. Internationales und Finanzen sind die Themen, denen sich Michael Link verschrieben hat: Er arbeitet im Europa- und Haushaltsausschuss mit und engagiert sich bei der Bundesstiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.
Sollte in zehn Tagen das Ziel der Regierungsbildung gelingen, sieht Michael Link neben dem Stopp der Neuverschuldung und Steuerentlastungen vor allem die Abschaffung des Gesundheitsfonds als Aufgabe: „Da geht es um wohnortnahe Versorgung. Ich möchte, dass die Menschen zum Beispiel aus Möckmühl zu ihrem Arzt nicht 50 Kilometer fahren müssen.“
Überhaupt versteht der Kulturfreund unter Infrastruktur mehr als Zuganbindung und Autobahnausbau. Wohnortnahe Ärzte, genügend Schulen – „nach solchen Aspekten entscheiden die Leute, wo sie hin- oder ob sie wegziehen“. Er selbst lebt seit 14 Jahren in Berlin ebenso wie in Heilbronn-Böckingen. An zwei Orten zu wohnen, weiß Link, „schärft den Blick für Unterschiede und Probleme“.
Geboren am 6. Februar 1963 in Heilbronn-Böckingen, studierte Michael Link nach Abitur (Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium) und Wehrdienst Slawistik und Romanistik. Schon während des Studiums arbeitete er im Bundestag mit, wo er von 1995 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter der FDP-Fraktion und Osteuropa-Experte war. 2005 wurde er zum Abgeordneten gewählt, 2009 in den Heilbronner Gemeinderat. Link ist ledig, „aber nicht als Endzustand“.
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Ulrich Schneider, GrüneDass er Bundestagsabgeordneter wird, glaubt Ulrich Schneider selber nicht. Da müsste schon ein Wunder geschehen, bei Platz 18 auf der Landesliste. Thomas Strobl das Direktmandat abjagen? Schneider lacht. Aber im Bund 12, 13 Prozent für die Grünen, vielleicht sogar noch eines mehr, hält er dieses Mal für möglich. Dafür macht er gerne Wahlkampf. Die knapp acht Prozent Erststimmen bei seiner ersten Kandidatur vor vier Jahren sind natürlich auch ermutigend.
Jede Woche fährt er zwei oder drei Tage nach München, da arbeitet der junge Volkswirt als Geschäftsführer des zweiten ökumenischen Kirchentags, der nächstes Jahr im Mai stattfindet. Der Rest seiner Zeit ist Wahlkampf angesagt: Infostände und andere Veranstaltungen an den Wochenenden, alle acht Tage eine Podiumsdiskussion, „auf die man sich vorbereiten muss“ und jede Nacht im Internet. „Da passiert dieses Mal extrem viel“, erzählt der Grünen-Kandidat. Zwei Stunden - mindestens - beantwortet er die Fragen der Wähler im Internet.
Wie steht er zu Afghanistan, wollen sie wissen. Schneider zählte schon 2003 zu den Grünen, die den Bundeswehreinsatz kritisch sahen. Trotz der aktuellen Entwicklung könne man aber nicht einfach sagen: „Sofort raus aus Afghanistan.“ Er will mehr Engagement im zivilen Aufbau und eine klare Ausstiegsstrategie.
Zum Thema Atom hat er die meisten Anfragen, wobei der Ausstieg für ihn keine Frage ist: „Wir haben kein Endlager. Jeden Tag den die Atomkraftwerke weiter laufen, produzieren wir mehr Müll und haben keine Idee, wohin damit.“
Hartz IV, die Wirtschaftskrise, die soziale Frage - da soll der Volkswirt auch Farbe bekennen. Schneider würde Hartz IV auf 420 Euro erhöhen und er ist für 7,50 Euro Mindestlohn. Für noch besser hält er aber ein Grundeinkommen für alle. „Ich bin überzeugt, dass das die Zukunft ist.“ Schneider hat keine Angst, dass die Leute dann aufhören zu arbeiten: „Das gibt ihnen die Sicherheit, das zu machen, was sie wollen.“ Und darauf kommt es an, auf die Frage: „Wie wollen wir leben? Was mache ich, was konsumiere ich und was brauche ich?“
Wobei es Schneider nicht um Verzicht geht. Die Rechnung, dass man mit dem Wasser, das zur Produktion von einem halben Kilo Schweinefleisch nötig ist, ein halbes Jahr lang duschen könnte, macht ihn nicht zum Vegetarier. Er ist es schon. Im Urlaub reist er am liebsten Richtung Mittelmeer und ohne Flugzeug. Natürlich fährt Schneider Auto: „Das brauche ich, um an den Bahnhof zu kommen und für größere Einkäufe.“ Etwa 5000 Kilometer pro Jahr ist er mit dem Auto unterwegs, aber mindestens zehnmal so viel mit dem Zug.
Geboren ist Ulrich Schneider am 2. September 1972 in Sinsheim, ansonsten aber ist er echter Bad Rappenauer. Seit 2004 sitzt der Volkswirt dort für die Grünen im Gemeinderat, er engagiert sich im Kreisverband seiner Partei und kandidiert zum zweiten Mal für den Bundestag. Als Vorsitzender der Bürgerinitiative Buchäcker kämpft er gegen eine Feuerverzinkerei in Bonfeld. Der 37-Jährige arbeitet als selbstständiger Eventmanager und ist Kirchentags-Geschäftsführer.
Hasso Ehinger, Die LinkeSeit seiner Jugend verfolgt er seine Vision von einer besseren Welt: Er demonstrierte gegen den Vietnamkrieg und gegen die Aufrüstung der Bundeswehr, gegen die Notstandsgesetze, gegen die Meinungsübermacht der Springer-Presse, gegen Aufrüstung und Krieg. Er engagierte sich in der Friedensbewegung, organisierte Ostermärsche, Menschenketten, nahm an friedlichen Blockaden teil. An den Montagsdemos der Langzeitarbeitslosen sowieso. Die Hartz-IV-Gesetze empfindet der Diplomingenieur als extrem ungerecht, er würde sie sofort abschaffen – übrigens ein zentrales Ziel der Linken, der er in Heilbronn am Wahltag zu mindestens fünf Prozent verhelfen will.
Auch bei seinem Arbeitgeber setzte sich der heute 69-Jährige für den sozialen Ausgleich ein. Ehinger ließ sich früh in den Betriebsrat bei Bosch wählen und gab später seine Tätigkeit in der Entwicklungsabteilung auf, um ganz für seine Kollegen da zu sein. Bis zum Eintritt in den Ruhestand vor vier Jahren war er frei gestellter Betriebsrat. Bis vor Kurzem beriet er noch im Auftrag der IG Metall Betriebsräte bei der Einführung eines neuen Entlohnungssystems.
Ehinger weiß als betriebsrätlicher Verhandlungsführer nur zu gut, dass man Interessen nur durchsetzen kann, wenn man sich gedanklich in die Interessen der anderen Seite hineinversetzt, um sich am Ende aufeinander zuzubewegen. So funktioniert auch Politik. „Allerdings wird da zu viel gelogen“, ärgert er sich. Glaubwürdig zu sein und zu dem zu stehen, was man sagt, das sei ein Wesenszug von ihm. Klar, dass der neu gewählte Heilbronner Stadtrat jeden Krieg ablehnt: „Draufhauen ist nie eine Lösung.“ Deshalb müsse auch die Bundeswehr raus aus Afghanistan.
Der Mitgründer der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in Baden-Württemberg und Heilbronn will sich ganz besonders für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Voraussetzung dafür seien unter anderem gleiche Bildungschancen für alle Kinder in kostenlosen Kindergärten und Ganztagsschulen. Bei der Energiepolitik setzt er auf erneuerbare Energien und den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft – nicht zuletzt wegen des ungelösten Atommüll-Endlagerproblems.
Das Wählerpotenzial seiner Partei sieht Ehinger bei den sozial Benachteiligten und bei den gewerkschaftlich Engagierten mit Durch- und Einblick in die soziale Wirklichkeit. Um den Armen zu geben, würde er umverteilen, etwa durch die Einführung einer Millionärssteuer.
Der 69-jährige gebürtige Konstanzer arbeitete nach dem Studium 25 Jahre lang als Diplomingenieur in der Entwicklungsabteilung der Firma Bosch. 1990 wurde er in den Betriebsrat gewählt und freigestellt. Seit 2005 ist er im Ruhestand. Er ist Mitgründer der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit WASG und seit zwei Jahren Sprecher der Linken in Heilbronn. In den neuen Gemeinderat zieht er als erster Linker ein. Ehinger ist verheiratet und hat vier Kinder.
Peter Rügner, MLPD, HeilbronnPeter Rügner gibt sich keinen großen Illusionen hin: Der 42-jährige Heilbronner kandidiert für die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD). Dass er in den Bundestag einzieht, sei „unwahrscheinlich“, sagt er selbst. Sein vorderstes Ziel lautet daher: „Ich möchte Diskussionen anstoßen. Die Menschen sollen sehen, dass es eine Alternative zum herrschenden System gibt.“
Rügner selbst nennt sich einen überzeugten Marxisten, der die Zukunft im Sozialismus sieht. Konkret setzt er sich für eine Verkürzung der Arbeitszeit „bei vollem Lohnausgleich“ ein. Zudem sollen Unternehmen einen Teil ihres Umsatzes in die Sozialversicherungen einzahlen.
Dass der Sozialismus in der DDR gescheitert ist, bedeutet für Rügner nicht, dass er endgültig gestorben ist. „Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.“ Man brauche keinen großen Staatsapparat für den Sozialismus. Vielmehr müsse „die Macht vom Volk“ ausgehen, so der Heilbronner. Die Krise sieht er zugleich als „eine große Chance für eine bessere Zukunft“.
Der Krankenpfleger wurde am 28. November 1966 in Heilbronn geboren. Rügner ist verheiratet und dreifacher Vater. In den 80ern war er zunächst in der Friedensbewegung aktiv. Auf der Suche nach neuen Perspektiven sei er dann in die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) eingetreten.
Rainer Graf, ÖDP, HeilbronnEr ist in einer Großfamilie mit sieben Kindern aufgewachsen und weiß, was es heißt, kein Geld zu haben. Die Kindheit in Böckingen hat den Sohn eines „einfachen Maurers“ geprägt. Deshalb galt sein politisches Interesse von je dem kleinen Mann.
„Das passt zu mir“, sagte sich der heute 52-Jährige, als er erkannte, dass die ÖDP „Familie und Umwelt, aber auch den Mittelstand groß schreibt“. Vor vier Jahren trat er in die Partei ein und unterstützte dabei auch den damaligen OB-Kandidaten Peter Henschel.
Dass Graf bei der jüngsten Kommunalwahl auf Listenplatz drei kam und immerhin 1500 Stimmen erzielte, erfüllt ihn mit Genugtuung. „Unsere Partei ist längst in der Gesellschaft angekommen“, sagt er mit Blick in andere Gremien. Der Maurer ist felsenfest davon überzeugt, dass er im Wahlkreis Heilbronn das Direktmandat in den Bundestag erringt. „Sonst würde ich mir den Wahlkampf nicht leisten.“ Weil er gleichzeitig als Handwerker gefordert sei, bliebe kaum noch Zeit für alte Hobbies wie Fußball, Badminton und Tennis.
Der Bundestagskandidat der ÖDP, Rainer Graf, ist am 30. März 1957 in Heilbronn-Böckingen geboren, er ist geschieden und hat eine Tochter. Der selbstständige Schreiner- und Restaurationsmeister hatte einst eine Firma in Leingarten, später in Sachsen, seit zehn Jahren arbeitet er wieder in Heilbronn.
Alexander Scholl, NPD, Weinstadt
Alexander Scholl ist bekannt, dass sein Parteivorsitzender Udo Voigt wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Einmal, weil er zum „bewaffneten Kampf“ aufgerufen hat. Ein weiteres Mal, weil er einen farbigen deutschen Fußball-Bundesligaspieler wegen dessen Hautfarbe beleidigt hat. Scholl will sich ausdrücklich nicht von Voigt distanzieren: „Da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht.“
Der 24-Jährige wurde in Reutlingen geboren, lebt in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) und ist seinen Angaben zufolge gelernter Einzelhandelskaufmann. Zurzeit arbeitet er als Disponent in einer Logistik-Firma. In welchem Unternehmen genau, will er nicht sagen. Zur Begründung erklärt Alexander Scholl, dass er nicht möchte, dass dies bekannt wird. Er hat auch kein Foto zur Verfügung gestellt.



