Der Kampf um die Macht in Baden-Württemberg

Stuttgart  Es ist eine Schlacht um Aufmerksamkeit, Wählergunst und schließlich Wählerstimmen. Zwei Monate Landtagswahlkampf stehen im Südwesten an. Manchmal ist es keine ausgeklügelte Strategie, mit der es ein Kandidat in die Medien schafft, sondern eine Badehose.

Nach der politischen Weihnachtspause zieht der Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg an. Den Auftakt machte die FDP mit ihren Dreikönigsveranstaltungen. Die Strategien und Themen der politischen Parteien:

GRÜNE - Wahlziel: Kretschmann als Regierungschef halten Die Grünen machen um ihre Kampagne zum Machterhalt von Regierungschef Winfried Kretschmann noch ein Geheimnis. „Unser Spitzenkandidat spielt natürlich eine herausgehobene Rolle - stärker als 2011“, sagt Geschäftsführer Matthias Gauger (33). Kretschmann soll von Anfang Februar an in einem Kleinbus durch die Lande touren. Die Grünen werden wohl damit werben, dass das Land - allen Unkenrufen bei der Regierungsübernahme von 2011 zum Trotz - bei dem 67-Jährigen in guten Händen ist. Vor allem Wähler von der CDU sollen zu den Grünen herübergezogen werden. Für den Wahlkampf veranschlagt der Landesverband rund eine Million Euro - doppelt so viel wie zur Wahl 2011. Thematisch wollen die Grünen auf Energie, Wirtschaft und Bildung setzen.

CDU - Wahlziel: Kretschmann aus dem Amt jagen - selber regieren Spitzenkandidat Guido Wolf hat es bislang schwer in den Umfragen: Viele Befragte geben an, ihn gar nicht zu kennen. „Damit müssen alle Oppositionspolitiker in den Ländern leben“, meint Wahlkampfmanager Thorsten Frei (42), der für die CDU im Bundestag sitzt. Schließlich hätten Ministerpräsidenten immer einen Amtsbonus. Doch Frei hofft: „Je stärker die Zuspitzung im Wahlkampf wird, desto stärker steigt der Bekanntheitsgrad von Wolf.“ Der frühere Landtagspräsident und Ex-Landrat Wolf soll als „dynamischer Macher“ präsentiert werden, der nahe bei den Menschen ist. Sein Wahlkampfslogan: „Lust auf Zukunft.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt neun Mal zur Unterstützung in den Südwesten. Thematisch sollen die Bildungspolitik, die innere Sicherheit und das Thema Infrastruktur, einschließlich schnelles Internet, im Mittelpunkt stehen. Das Wahlkampfbudget umfasst 2 bis 2,5 Millionen Euro.

SPD - Wahlziel: kräftig zulegen, um mit den Grünen weiterzuregieren An der Bürotür des technischen Wahlkampfleiters Jürgen Graner (41) hängt das Poster eines prominenten Politikers: Gerhard Schröder. Der Altkanzler soll SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid auch im Wahlkampf unterstützen - am 4. Februar in Stuttgart. In den Umfragen liegt die SPD deutlich unter 20 Prozent und damit klar unter ihrem Ergebnis von 2011. Und im absehbaren Zweikampf zwischen Kretschmann und Wolf drohen Schmid und seine Partei zerrieben zu werden. Den theoretischen Anspruch, selbst Ministerpräsident zu werden, erhebt Schmid nicht mehr öffentlich. Die Wahlkampfstrategen wollen vor allem auch bisherige Nichtwähler mobilisieren. Vize-Regierungschef Schmid soll als Familienmensch, Wirtschafts- und Finanzexperte und Teamplayer dargestellt werden. Thematisch stehen bei den Sozialdemokraten vor allem „gute Arbeit“, Bildungsgerechtigkeit und Zeit für Familie im Mittelpunkt. Das Budget umfasst wie vor fünf Jahren rund 2,2 Millionen Euro.

FDP - Wahlziel: in den Landtag kommen und möglichst mitregieren Als kleine Partei hat es die FDP besonders schwer, öffentlich wahrgenommen zu werden. Einen Coup landete ihr Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke mit einem Foto von sich als 19-Jähriger in Badehose, das er im Internet veröffentlichte und das überregional Beachtung fand. Für ihre Kampagne unter dem Motto „Der nächst Schritt für unser Land“ hat die FDP rund 500 000 Euro zur Verfügung - das sind 300 000 Euro weniger als zur Landtagswahl 2011. Wie viele und welche Berater am Image der Partei und ihres Spitzenkandidaten Rülke arbeiten, darüber schweigt sich die Wahlkampfzentrale in Stuttgart aus. Klar ist aber, dass viel FDP-Prominenz - darunter Bundeschef Christian Lindner und Bundesvize Wolfgang Kubicki - mehrmals im Südwesten auftreten sollen.

AfD - Wahlziel: Frustrierte gewinnen und ins Parlament einziehen Die bisher nicht im Stuttgarter Landtrag vertretene Alternative für Deutschland (AfD) wirbt um Stimmen aus den Reihen der Nichtwähler sowie von Christ- und Sozialdemokraten, die von der Bundespolitik frustriert sind. Landes- und Bundeschef Jörg Meuthen sieht neben Bildung, Sicherheit und Energiewende die Flüchtlingspolitik als wichtiges Wahlkampfthema. Jüngsten Umfragen zufolge könnte die AfD sieben bis acht Prozent holen.