Internetmuffel oder Onlinefan? Kandidaten aus der Region im Online-Test
Es gibt kaum einen schnelleren Weg als das Internet, um einen Politiker nach seiner Meinung zu fragen - könnte man denken. Die Stimme hat den Check gemacht.
Region - Es gibt kaum einen schnelleren Weg als das Internet, um einen Politiker nach seiner Meinung zu fragen – könnte man denken. Die Stimme hat den Check gemacht: 22 Abgeordnete und Kandidaten aus der Region bekamen im Online-Test die gleiche Frage, 15 haben nach einer Woche zurückgeschrieben – elf davon schon am zweiten Tag.Möglich macht es das Internetportal Abgeordnetenwatch, auf dem Anwärter zur Landtagswahl öffentlich auf Bürgerfragen antworten können. Das bietet große Chancen, ist aber umstritten.
Warnung von der Fraktionsspitze
Peter Hauk, Fraktionsvorsitzender der CDU in Stuttgart, warnte seine Parteikollegen vor dem Portal. Die Abgeordneten sollten nicht auf einer fremden Seite im Internet ihre Antworten verbreiten, sondern stattdessen dem Bürger nur persönlich eine E-Mail schicken.
Erklärtes Ziel von Abgeordnetenwatch ist es dagegen, dass Politiker sich nicht im Stillen, sondern für alle sichtbar im Internet äußern.
Frage aufs Exempel
„Stefan Mappus hat gestern in Heilbronn gesagt, er würde den Rückkauf der EnBW-Anteile wieder genauso machen. Sehen Sie das genauso?“ Auf diese Frage antwortet Bernhard Lasotta (CDU) noch am selben Tag: „Ob unser Ministerpräsident dies genauso wieder machen würde, kann natürlich nur er beantworten. Ich kann aber seine Beweggründe sehr gut nachvollziehen.“
Der Neckarsulmer Landtagsabgeordnete führt seine Meinung aus, in mehreren Absätzen begründet er, warum er das Vorgehen seiner Regierung unterstützt.
Gebrauchsanleitung
Wie funktioniert das? Der Bürger tippt bei Abgeordnetenwatch seine Frage ein. Die wird vom Betreiber des Portals, ein gemeinnütziger Verein, auf Seriosität geprüft und an den angesprochenen Kandidaten als E-Mail weitergeleitet. Der schreibt eine E-Mail zurück, und diese wird kurz danach auf der Webseite veröffentlicht – für alle im Internet sichtbar.
Internetmuffel oder Onlinefan?
Das will nicht jeder Politiker. Quer durch die Parteien und Altersstufen reagieren die Gefragten unterschiedlich. Der Heilbronner SPD-Kandidat Rainer Hinderer antwortet schon nach ein paar Stunden und erklärt ausführlich, warum er als Landtagsabgeordneter bei solch einem Milliardendeal gern gefragt werden wollte.
Parteikollege Reinhold Gall dagegen lässt zwei Wochen mit der Antwort auf sich warten. Dann äüßert er sich aber ausführlich zu dem Thema.
Quer durch die Parteien
Von liberal bis links finden sich bei den Stichproben in allen politischen Richtungen Internetmuffel und Onlinefans. Jung, dynamisch, FDP und viel im Web – Gerald Friebe schickt entgegen dieses Klischees keine Antwort.
Aber Ralf Ritter, Gewerkschafter im besten Mannesalter macht es dem politischen Nachwuchs vor: Schon am nächsten Morgen wartet die ausführliche, individuelle Antwort im Internet.
Lieber direkt per Mail
Auch CDU-Mann Peter Hauk aus dem Odenwald antwortet am Folgetag und argumentiert detailliert für den EnBW-Deal. Allerdings nur an die persönliche E-Mail-Adresse des Fragestellers: „Gerne beantworte ich Ihre Frage direkt.“
Seine Parteikollegin Friedlinde Gurr-Hirsch macht es sich einfach. Über ihr Wahlkreisbüro in Untergruppenbach lässt die Staatsekretärin ausrichten, sie schließe sich der E-Mail ihres Fraktionsvorsitzenden an und ergänzt: „Sicherlich ist es auch in Ihrem Sinne, die Antwort nicht doppelt zu erhalten.“ Es bleibt Nachholbedarf für Politiker in der digitalen Welt.
Fragen an die Kandidaten auf www.abgeordnetenwatch.de


