Familiengeschichte hoch überm Neckar

Treffen am Lieblingsplatz: SPD-Kandidat Thorsten Majer zu Beruf, Berufung und Kretschmann-Stimme

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Familiengeschichte hoch überm Neckar
Thorsten Majer am Lieblingsplatz in seiner Heimat, neben dem Kleiningersheimer Schloss. Kurios: Es gehört dem FDP-Politiker Harald Leibrecht.Foto: Guido Sawatzki

Neckar-Zaber - "Ein SPDler beim FDPler." Im Vorbeigehen kommentiert Bruno Campesato, Gärtner im Kleiningersheimer Schloss, durchaus passend den Besuch. Das Anwesen gehört der Familie des bisherigen FDP-Abgeordneten Harald Leibrecht. Und der SPD-Kandidat des Wahlkreises Neckar-Zaber, Thorsten Majer, hat sich den Schlossgarten als seinen Lieblingsplatz ausgesucht. Mit besonderer Nähe zu liberalem Gedankengut habe das aber nichts zu tun.

Emotional

Der Grund liegt in der älteren und jüngeren Familiengeschichte. Majers Mutter ist hier geboren. Das Schloss war im Krieg Lazarett, "gemanagt" vom Großvater, später einem bekannten Landarzt in der Region, wie Majer erzählt. Diese emotionale Verbindung zum Schloss wurde aufgefrischt, als Majer ebenda seine Frau Tanja vor fünf Jahren heiraten durfte − für den Freund und politischen Konkurrenten Majer machte Leibrecht damals eine Ausnahme. "Da drüben hat die Musik gespielt, bis spät in die Nacht", erinnert sich der 35-Jährige.

Majer hat sich bewusst ein schönes Fleckchen hoch über dem Neckar ausgesucht, das für das Ländliche, die Wein- und Landwirtschaft steht. "Ich bin hier aufgewachsen", sagt er. Auch wenn ihn der Beruf nach Stuttgart geführt hat − 2007 gründete er dort eine Rechtsanwaltskanzlei − so ist er politisch vor allem in der Heimat aktiv. Als Ingersheimer Gemeinderat, als Kreisvorsitzender der SPD in Ludwigsburg.

"Politik ist für mich Ehrenamt oder auch Berufung." Noch ist es Ehrenamt, aber hoffentlich bald Berufung, hätte er auch sagen können. Zum dritten Mal tritt Majer an, und das, obwohl er 2009 weniger Stimmen als 2005 erhielt, weil er mit der SPD zusammen absackte. "Das war enttäuschend", gibt er zu. Aufgegeben hätte er aber nur, wenn er weniger Erst- als die SPD Zweitstimmen bekommen hätte, erklärt er. Damit das nicht passiert, ist Majer viel unterwegs. Von Haus zu Haus. Mit Hefezopf oder ohne. Auf mehr als 300 Klingelknöpfe drücken er und sein vierköpfiges Team so innerhalb von zwei bis drei Stunden.

Nein, den Kretschmann macht er da in der Regel nicht. Obwohl es zu seinem Repertoire gehört. Als Stimmenimitator ist er regelmäßig mit dem Stuttgarter Juristenkabarett unterwegs. Doch nicht jetzt im Wahlkampf: "Die Leute sollen mich kennenlernen." Er will auch dem Vorurteil entgegentreten, dass da nur ein junger Rechtsanwalt Karriere machen will.

Ob er damit gegen CDU-Platzhirsch Eberhard Gienger gewinnen kann? "Die Gegenseite wankt", sagt Majer. Chancen sieht er insbesondere, weil er sich in Berlin einmischen möchte, mit Schwerpunktthemen wie Mietrecht oder auch beim Datenschutz. "Ich bin klarer Kritiker der Vorratsdatenspeicherung und durchaus selbstkritisch unterwegs, was meine Partei angeht."