Bundestagswahl 27.09.2009
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20.04.2009
Andrang wie im Schlussverkauf
Von Henry Doll und Hagen Stegmüller
Nur Durchlaucht darf gucken: Ein Wähler beugt sich vor der Büste Heinrich Augusts von Ingelfingen über seinen Stimmzettel. Wegen des Herbstlaufs waren viele Wähler in der Kocherstadt recht früh zur Stimmabgabe gekommen.Foto: Henry Doll
Hohenlohe - Mancher nimmt das Wort Wahl-Marathon ganz wörtlich: Helmut Wagner aus Ingelfingen erscheint in sportlicher Laufkleidung im Wahllokal. Denn nur einen Steinwurf entfernt vom Ingelfinger Rathaus hat er soeben den Herbstlauf über zehn Kilometer absolviert. Persönliches amtliches Endergebnis: 52 Minuten. Damit ist der sportive Staatsbürger sichtlich zufrieden. Die anschließende Wahl - für ihn ist sie eine Selbstverständlichkeit: „Jeder, der nicht wählen geht, ist für mich ein unmündiger Bürger.“Frühaufsteher
Bis zum Mittag zählten die Wahlhelfer um Klaus Walter im Ingelfinger Rathaus eine Wahlbeteiligung von rund 30 Prozent. Das sei ganz ordentlich, heißt es. „Vor acht Uhr standen die ersten schon draußen“, erzählt Walter. Wegen des Herbstlaufes und des Ingelfinger Herbstes, bei dem zahlreiche ehrenamtliche Helfer im Einsatz waren, wollte mancher noch vor seinem Arbeitseinsatz zur Urne gehen. Bürgermeister Michael Bauer habe regelrecht die Uhrzeit stoppen müssen, berichtet Walter. Solche Bilder kennt man eigentlich nur vom Sommerschlussverkauf. Erst ab Glockenschlag acht Uhr durfte gewählt werden, auch wenn mancher gerne ein paar Minuten eher seine Kreuzchen gemacht hätte.
Organisation klappt
„Zufrieden“ zeigt sich Dieter Hirschbiegel von der Stadtverwaltung Krautheim mit der Wahlbeteiligung. Es ist 15 Uhr, da haben 525 von 1312 Urnenwählern von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Alles lief glatt. Nur das richtige Falten des Wahlzettels muss immer wieder angesprochen werden. „Man muss darauf hinweisen, dass die Wahlzettel so gefaltet sind, dass die Wahlhelfer nichts sehen können“, erläutert Dieter Hirschbiegel.
Im Öhringer Haus an der Walk sind die städtischen Mitarbeiter am Nachmittag mit der Wahlbeteiligung recht zufrieden. „Knapp 40 Prozent um 14 Uhr. Das kann sich sehen lassen“, meint Stadtbaumeister Reiner Bremm, der als Wahlhelfer in der Seniorenbegegnungsstätte eingeteilt ist.
Ältere wollen nicht mehr
Langfristig zeigt der Trend jedoch nach unten. „Vor allem Ältere sind von der Politik desillusioniert. Sie gehen nicht mehr wählen“, erzählt Wahlhelferin Susanne Osthof, zugleich Leiterin des Öhringer Hauses an der Walk.
Ein repräsentatives Gebäude mit Beflaggung kennt man in Eschelbach nicht. In dem kleinen Neuensteiner Teilort wird in der Turnhalle der ehemaligen Schule gewählt, doch die Halle ist vielleicht so groß wie ein Hühnerstall. Zudem bröckelt der Putz gewaltig. „Wir kennen es nicht anders“, sagt eine Wahlhelferin gegen 16 Uhr, als inklusive Briefwahl rund 70 Prozent der Dorfbewohner ihre Stimme abgegeben haben.
Auch in Eschelbach hat eine ältere Dame mit dem Stimmzettel Probleme. Sie hat ihn falsch herum gefaltet. So kann jeder ihre Kreuze erkennen, die sie bei der Partei ganz oben auf dem Zettel gemacht hat. Das ist die Partei, die auf dem Land und speziell im Hohenloher Land schon traditionell das Sagen hat.
Für Angela und Guido „Ist doch egal“, meint die Frau, fügt sich aber und faltet noch einmal neu. Erst jetzt darf der Zettel in der Wahlurne verschwinden und Angela Merkel helfen, zusammen mit Guido Westerwelle die Geschicke des Landes zu bestimmen.
28.09.2009
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