Bundestagswahl 27.09.2009

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    20.04.2009


    Wahlkreis Schwäbisch Hall - Hohenlohe: Liberale ziehen an der SPD vorbei

    Von Peter Hohl


    Hohenlohe - Die Liberalen haben die SPD überflügelt und sind zweitstärkste politische Kraft in Hohenlohe. Christian von Stetten (CDU) hat das zweite Mal in Folge Erststimmen eingebüßt, bleibt aber dennoch (mit sogar deutlich vergrößertem Abstand) direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises 268 Schwäbisch Hall-Hohenlohe.

    Die FDP hat bundesweit kräftig Stimmen hinzugewonnen. In Baden-Württemberg waren die Gewinne deutlich höher als im Bundesschnitt. Und im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hall fiel der prozentuale Zuwachs noch einmal kräftiger aus als im Ländle insgesamt: Die Liberalen sind bei den Zweitstimmen von 11,6 Prozent vor vier Jahren auf nunmehr 18,9 Prozent in die Höhe geschossen – ein sattes Plus von 7,3 Prozent. Selbst bei den Erststimmen hat der zuvor unbekannte FDP-Kandidat Stephen Bauer mit 13,1 Prozent erheblich besser abgeschnitten als vor vier Jahren der langjähriges Bundestagsabgeordnete Ulrich Heinrich (7,1 Prozent).

    Trend verstärkt

    Überhaupt haben die 154.351 Wähler (die Beteiligung ist auf 69,2 Prozent gesunken) im Wahlkreis 268 die Trends aus Bund und Land nicht nur nachvollzogen, sondern sogar mal mehr, mal weniger verstärkt. So verliert die CDU 5,1 Prozent bei den Zweitstimmen und landet bei 34,8 Prozent. Die SPD büßt gar 11,6 Prozent ein und steht mit 18,4 Prozent noch hinter der FDP. Die Grünen (plus 3,1) und die Linke (plus 3,9) dürfen sich wie die Liberalen als Gewinner fühlen. Stärkste Kraft unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde ist die Piratenpartei mit 1,9 Prozent, gefolgt von NPD 1,6), Republikanern (0,9), Bibeltreuen Christen (0,8), Tierschutzpartei (0,7) und ÖDP (0,6 Prozent).

    Das satte Minus der Christdemokraten bei den Zweitstimmen schlägt nicht in vollem Umfang auf den Direktkandidaten Christian von Stetten durch. Zwar verliert auch er (zum zweiten Mal in Folgen) Stimmanteile, doch ist das Minus mit 3,2 Prozent geringer als bei den Zweitstimmen.

    Der Abstand des direkt gewählten Abgeordneten zur Zweitplatzierten ist dennoch gewachsen. Fast 22 Prozentpunkte liegen zwischen von Stetten und Annette Sawade. Die SPD-Kandidatin erreichte lediglich 21,6 Prozent. Der langjährige Bundestagsabgeordnete Hermann Bachmaier war vor vier Jahren noch auf 32,0 Prozent gekommen.

    Kleine gewinnen

    Wenn die Großen verlieren, dann gewinnen die Kleinen. Nicht nur die FDP hat bei den Erststimmen kräftig zugelegt, auch Grüne und Linke haben deutlich stärker gepunktet als vor vier Jahren. Harald Ebner (Grüne) hat das Erststimmenergebnis seiner Partei um 4,9 Prozent verbessert, Silvia Ofori (Linke) um 3,8 Prozent.

    NPD-Kandidat liegt Lars Gold mit 2,2 Prozent etwas über dem Parteiergebnis, Alleinkandidat Hans-Jürgen Lange kommt auf 0,7 Prozent.


    Reaktionen

    Christian von Stetten: Vorsprung im direkten Duell
    Christian von Stetten sagte am Wahlabend in Schwäbisch Hall: „Für Berlin freut es mich, dass wir eine bürgerliche Regierung bilden können.“ Auch und gerade sein eigenes Abschneiden erfreute ihn. „So wie es im Wahlkreis aussieht, konnten wir das Ergebnis ausbauen.“ Damit meinte er den Abstand zur Direktbewerberin der SPD, Annette Sawade, der rund 20 Prozent beträgt. „Ich habe doppelt so viele Stimmen.“ Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen habe er Interesse und Zufriedenheit mit seiner Arbeit gespürt. Christian von Stetten bedauerte es „ausdrücklich“, dass Annette Sawade nach Stand bei Redaktionsschluss nicht in den Bundestag einzieht. Bei Infrastruktur und Wirtschaftsförderung hätte er sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.


    Annette Sawade: Ergebnis tut richtig weh
    Das schlechte SPD-Wahlergebnis setzte Annette Sawade arg zu: „Das tut richtig weh.“ Sie selbst könne sich nichts vorwerfen, sie sei dem bundesweiten Trend zum Opfer gefallen. „Für jemand, der nicht in Hohenlohe aufgewachsen ist, ist mein Wahlkreis-Ergebnis in Ordnung.“ Eine Erklärung für das miserable Abschneiden ihrer Partei konnte Sawade gestern nicht liefern: „Da bin ich im ersten Moment überfragt.“ Sie glaubt, dass sich die SPD-Anhänger zu wenig mobilisieren ließen und in Scharen zu den Nichtwählern abwanderten. Am späten Abend rechnete Sawade nicht mehr damit, trotz ihres aussichtsreichen Listenplatzes in den Bundestag einzuziehen. Die SPD habe in Baden-Württemberg schlichtweg zu viele Stimmen verloren.


    Stephen Brauer: Freude über ein gutes Resultat
    „Mir ist es wichtig, dass wir im Land überm Bund liegen und in Hohenlohe überm Land.“ Stephen Brauer freut sich über das Ergebnis seiner Partei und über sein ganz persönliches Resultat. 18,9 Prozent für die FDP und 13,1 für den Wahlkreiskandidaten Brauer: „Die Ergebnisse sind gut“, sagt er am Wahlabend.

    Mit einem Sitz im Deutschen Bundestag wird es für ihn dennoch nichts: „Ich habe gerade erfahren, dass es für mich nicht so ganz reicht“, sagt Stephen Brauer kurz nach 22 Uhr. So schrecklich traurig ist er darüber allerdings nicht. Die erste Sitzung der neuen Bundestagsfraktion ist bereits am heutigen Vormittag, hat der FDP-Politiker erfahren. Doch heute Vormittag muss Lehrer Brauer vor seiner Klasse stehen und Unterricht halten.


    Harald Ebner: Bestätigung für Wahlkampf
    Der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Harald Ebner, verbrachte den Wahlabend im Waldenburger Gleis eins. „Man kann nicht traurig sein, wenn man als Partei zwei Prozent zulegt. Das ist eine Bestätigung für das, was man im Wahlkampf und in der Opposition gemacht hat“, bewertete er das Abschneiden seiner Partei. Es sei schlecht, dass es nicht gelungen sei, schwarz/gelb zu verhindern. „Da stehen ja Themen dahinter.“ In vielen Fragen, angefangen bei der Atomenergie bis zur Bildungspolitik, hätte er sich eine andere Weichenstellung gewünscht. „Da haben wir jetzt eine andere Entwicklung zu erwarten. Wir haben zugelegt, aber es hat nicht gereicht.“ Bei Redaktionsschluss war so gut wie sicher, dass Ebner den Einzug in den Bundestag verfehlt.    


    Silvia Ofori: Mit Zuwachs sehr zufrieden
    Fünf bis sieben Prozent hatte sich Silvia Ofori vorgenommen: bei der Erststimme wie bei der Zweitstimme. Nun sind es in beiden Fällen über sieben Prozent geworden. Kein Wunder, dass die Direktkandidatin der Linken gestern Abend in der Schwäbisch Haller Kneipe „Chupito“ feierte und sehr zufrieden war. „Wir haben das Ergebnis der Linken bei den Zweitstimmen gegenüber 2005 mehr als verdoppelt. Unser Wahlprogramm scheint bei vielen Hohenlohern auf Vertrauen gestoßen zu sein.“ Die Zuwächse im Bund seien enorm, nun müsse sich die Partei in den nächsten vier Jahren weiterentwickeln. Dass die SPD aus der Regierung fliegt, schaffe in der Opposition „mehr Klarheit“. Allerdings hatte Ofori auf die Fortführung der großen Koalition getippt.


    Ergebnisse





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    28.09.2009

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    Wahlkreis 268 "Schwäbisch Hall - Hohenlohe"

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