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20.04.2009
FDP-Hoch oder: Der Kraichgau hat badisch gewählt
Von Peter Boxheimer
Kraichgau - Irgendwie erinnert das Ergebnis an die badische Fahne: mehr Gelb als Rot. In vielen Kommunen des Kraichgaus hat die FDP die Sozialdemokraten als zweitstärkste politische Kraft überholt.
Bretten, Bruchsal, Östringen, Oberderdingen, Zaisenhausen, Waibstadt, Ittlingen, Siegelsbach: Es ist eine illustre Runde von Kommunen, in denen die Genossen jetzt nur noch die dritte Geige spielen. In den Großen Kreisstädten Eppingen, Bad Rappenau und Sinsheim sind die einstigen Partner der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt und Helmut Schmidt auf Augenhöhe. Wer dies noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten?
Rohrbacher Erdbeben
Quasi ein Erdbeben gab es im Eppinger Stadtteil Rohrbach. Mit 21,6 Prozent ließ die FDP hier die SPD gar um um sieben Punkte hinter sich. Der Heitlinger-Effekt schlug hier offenbar voll durch. „Das war zu erwarten mit dem Rennpferd“, schmunzelt Ortsvorsteher Fred Hildenbrand.
Kommunalpolitiker Georg Heitlinger, vor wenigen Monaten von der CDU zu den Liberalen gewechselt, stellt nicht in Abrede, dass er seiner neuen Partei kräftig Stimmen beschert hat. Aber er sieht auch bundes- und landespolitische Gründe für das FDP-Hoch: „Die CDU ist weit nach links gerutscht, die SPD weit nach rechts. Logisch, dass die beiden großen Parteien darunter leiden.“
Aufbruchstimmung
Reelle Politik werde doch noch honoriert, folgert Heitlinger aus den Wahlergebnissen. Der Bürger suche Ehrlichkeit – und die habe er offenbar bei den Liberalen gefunden. Im neuen FDP-Ortsverband Eppingen/Kraichgau verspürt der Rohrbacher Landwirt eine Aufbruchstimmung, das Gefühl, „dass man was bewegen kann“.
Und wer weiß? Vielleicht war das Rohrbacher Wählervotum ja auch ein Protest gegen den Eppinger Gemeinderat, der dem Stimmenkönig Heitlinger bei der Wahl zum stellvertretenden Ortsvorsteher seine Zustimmung verweigerte. „Das ist gar nicht gut angekommen bei den Leuten“, hat der Freidemokrat aus vielen Reaktionen gespürt.
28.09.2009
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