Bundestagswahl 27.09.2009

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    Wahlkreis-Ergebnisse: Heilbronn | Neckar-Zaber | Schwäbisch Hall - Hohenlohe


    20.04.2009


    Bei den Wahlpartys sind die Stimmungen sehr unterschiedlich.


     Bildergalerie: Wahlpartys in der Region | 27.09.
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    OB Himmelsbach und Sabine von der Emde über die Schulter, als sich Westerwelle auf der Großleinwand im Erfolg sonnt. 
    Heilbronn - Das eigentliche Drama des Abends spielt anderswo: Ob Heilbronn auch künftig mit drei Sitzen im Bundestag vertreten ist, steht um 20.55 Uhr noch nicht fest, als Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach im Großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses das Wahlkreisergebnis verkündet: Die meisten Beobachter, die das Geschehen in der Herzkammer der Heilbronner Kommunalpolitik mitverfolgt haben, sind schon nach Hause oder wahlweise zu einer der Partys gegangen, als das Ergebnis aus Bad Friedrichshall die Wahlkreiszahlen vervollständigt. Die ersten Zahlen hatte um 18.42 das Bürgeramt Frankenbach in die Wahlzentrale. Ale erste Landkreisgemeinde meldet Jagsthausen Zahlen.

    Dass die politische Farbenlehre im Kleinen bisweilen anderen gesetzen folgt, wird aus dieser Szene deutlich: Da tröstet der gerade wiedergewählte CDU-Mann Thomas Strobl die Heilbronner Verdi-Chefin SPD-Frontfrau und, die um Josip Juratovics Listenmandat zittert. „Die einzigen guten Ergebnisse sind die vom Fußball“, sagt Kugler-Wendt: Schließlich haben Freiburg und Hoffenheim ihre Spiele überzeugend gewonnen. „Beim Wetter wird die Koalition noch größer“, kontert FDP-Mann Nico Weinmann.

    Beate Bindereif und Gatte Harry Mergel können die SPD-Verluste nicht fassen. 
    Als der freudestrahlende Weinmann im Rathaus auftaucht, diagnostiziert er eine „pietätvolle Stille“ im Sitzungssaal. Eine gute Stunde lang läuft der Fernseher schon: ZDF auf der Großleinwand, ARD auf dem Flachbildschirm. Wie gebannt verfolgen die Heilbronner den Bundestrend. Jubel? Fehlanzeige. Trauer? Die Verzweiflung bei den Sozialdemokraten ist ebenfalls still.

    Bürgeramtsleiterin Helga Schwede erklärt derweil, dass nicht mehr das d’Hondt’sche Verfahren für die Sitzverteilung verwendet wird, sonder eine die Variante Sainte-Laguë/Schepers. „Bitte ersparen Sie mir die Erklärung. Ich war in Mathematik nicht so gut in der Schule“, verrät Helga Schwede.

    Was dazu wohl Moritz Diepgen meint? der 11-Jährige ist der Jüngste, der um 20 Uhr noch im Ratssaal ausharrt. „Irgendwie lustig“ findet der Sechstklässler, dass die Live-Bilder der verschiedenen TV-Sender mit leichter Verzögerung im Ratssaal ankommen. „Die Stühle am Ratstisch sind bequemer als die Zuschauersitze“, hat der Stadtratssohn außerdem festgestellt. außerdem Die Koalitionsverhandlungen mit seinen Eltern, wann er am Wahlabend ins Bett muss, sind noch nicht abgeschlossen.

    Jubelstimmung bei der CDU: Thomas Strobl und Frau Christine. 
    Erst später macht CDU-Gemeinderatsfraktionschef Alexander Throm Stimmung: „Trotz des negativen Vorzeichens vor dem Ergebnis seiner Partei im Wahlkreis, Land und Bund sieht er „keinen Grund für ein weinendes Auge“.

    Nach der Wahl ist vor der Wahl – das gilt für fast alle an diesem Abend. Rainer Schmidt hat für die Stadt Heilbronn ein gutes Dutzend Wahlen gemanagt. „Es ist gut gelaufen“, sagt er zufrieden. Auch wenn OB Himmelsbach eine halbe Stunde länger auf den letzten heilbronner Wahlbezirk warten musste, als er gehofft hatte. „Alles war ruhig, und es gab keine Probleme“, sagt er.zufrieden. Für Schmidt war es die letzte: Ende Oktober geht er in den Ruhestand. Dann kann er ausgiebig wählen – zwischen Sport und seinem Garten.


    Von Riesenjubel bis zu tiefer Enttäuschung

    Großartig, fantastisch, sensationell, überragend – die Beurteilung des FDP-Ergebnisses findet bei der Wahlparty in Abstatt kaum eine Grenze nach oben. Dass es Grund zum Feiern geben wird, darauf hatte man sich eingestellt. Dass die Party aber so überschwänglich ausfallen wird, damit hatten die wenigsten gerechnet. Gut 150 Personen feiern, „was das Zeug hält“. So beschreibt es Sabine Sperber. „Ein Spitzenergebnis, ich hatte wirklich schon mit einer großen Koalition gerechnet“, meint sie.

    Die Erleichterung über das Wahlergebnis ist im ganzen Raum unverkennbar. Rote Backen, strahlende Gesichter, lautstarker Jubel, wann immer die aktuellen Hochrechnungen auf der großen Leinwand erscheinen. Auch Angela Merkels Ansprache wird mit großem Applaus bedacht. Im Akkord werden Sekt- und Bierflaschen geöffnet, die Bedienungen haben mit dem Ausschank alle Hände voll zu tun.

    Joachim Fuchs, FDP-Ortsvorsteher aus Besigheim, beschreibt das Gefühl um 18 Uhr als „Gänsehautstimmung“. Über 18 Prozent in Baden-Württemberg, nein, damit habe er wirklich nicht gerechnet. Harald Leibrecht strahlt über das ganze Gesicht und verspricht: „Jetzt wird voll gepowert.“ Seit sie 18 Jahre war, ist Daniela Kreidler-Pleus Mitglied bei der FDP. „Früher konnte man das gar nicht laut aussprechen“, erinnert sich die Anwältin. „Ich finde es toll, wie viele Menschen sich nun angeschlossen haben und sehen, wie wichtig die Partei ist.“

    Freude Kurz vor 18 Uhr ist die Stimmung bei der CDU-Wahlparty im Talheimer Weingut Kurz-Wagner gedämpft. Die ersten Gläser Sekt werden ausgeschenkt, doch Prognosen wagt kaum einer. Reicht es, reicht es nicht?

    Gute Miene zum bösen Spiel: Josip Juratovic und seine Ehefrau Christine (v.l.) im Heilbronner Gewerkschaftshaus. 
    Punkt 18 Uhr drängen sich die bis dahin eingetrudelten rund 70 Gäste um den Fernseher. Die Reaktion nach der ersten Hochrechnung? Keine. Als ob ein jeder nochmal kurz innehält und überlegt: Reicht es wirklich? Eberhard Gienger findet als Erster zurück zur Sprache. „Das ist jetzt wohl verhaltene Freude“, sagt er mit einem Lächeln. So langsam weicht auch aus den übrigen Gesichtern die Anspannung. Manfred Walter, CDU-Vorsitzender aus Talheim, schmunzelt. „Heute Mittag hatte ich noch gewettet. Ich habe 33,5 getippt“, sagt er und freut sich, dass ihm die erste Hochrechnung recht gibt. Befürchtet hatte er „nach den Prognosen“ aber schon ein schlechteres Ergebnis. „Jetzt bin ich erleichtert und zufrieden.“

    So geht es auch Ursula Albrecht aus Neckarwestheim. Zur verhaltenen ersten Reaktion der Gäste sagt sie: „Jeder wusste eben, dass es eine angespannte Sache wird.“ Um 18.30 Uhr dann die erste Ansprache von Eberhard Gienger. Er redet noch im Konjunktiv: „Ich freue mich, dass es aller Voraussicht nach reichen könnte.“ Doch die Erleichterung ist ihm ins Gesicht geschrieben.

    Enttäuschung

    Von Partystimmung kann keine Rede sein im Heilbronner Gewerkschaftshaus. Die Party fällt aus. Hängende Köpfe, enttäuschte Gesichter, ungläubiges Staunen, aufmunterndes Schulterklopfen für den SPD-Bundestagskandidaten Josip Juratovic. „Bei so mancher Beerdigung geht es lustiger zu“, kommentiert Stadtrat Gerd Kempf trocken. Mucksmäuschen still ist es kurz nach 18 Uhr als die ersten Zahlen auf der Leinwand erscheinen. So bitter hatten es die Genossen dann doch nicht erwartet. SPD-Fraktionsvorsitzende Sibylle Mösse-Hagen hatte sich in den vergangenen Tagen „Zweckpessimismus zugelegt, als Schutz vor dem, was jetzt noch schlimmer gekommen ist“. Das habe weder die SPD noch Steinmeier verdient. Roberto Canta aus Neuenstadt ist enttäuscht. Bis zuletzt hatte er gehofft, „dass es 27, 28 Prozent werden“.

    Kurz kann dem Ergebnis trotz alledem etwas Positives abgewinnen: „Ich bin froh, dass es keine Große Koalition mehr geben wird.“ Einmal wird es kurz laut im Gewerkschaftshaus: Als Josip Juratovic gegen halb acht ein erstes Statement abgibt. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob ihm der Sprung in den Bundestag erneut gelungen ist. Immer wieder rufen die Genossen die aktuellen Hochrechnungen ab. „Wir schaffen es beim nächsten Mal“, gibt er schon mal die Devise für 2013 aus. Aufmuntern kann das an diesem Abend kaum.

    Im ASV-Heim in Heilbronn-Sontheim hatten die Linken zur Wahlparty geladen. Allzu viele sind nicht gekommen, um das gute Ergebnis zu feiern. Rund 20 Parteianhänger sind um kurz nach halb sieben da. Würden nicht auf der Leinwand die Wahlanalysen aus dem Fernsehen laufen, könnte man meinen, man sei bei einem gemütlichen Stammtisch. „Es war jedem klar, es wird ein guter Abend im Hinblick auf das eigene Ergebnis“, zeigte sich Bundestagskandidat Hasso Ehinger zufrieden. Und ein wenig enttäuscht: „Es sind wohl viele vor dem Fernseher hängen geblieben.“

    Lust, ausgelassen zu feiern, hat aber ohnehin keiner. Zwiespältig sind die Gefühle der Linken. „Schlecht“ geht es Ralf Ritter aus Ellhofen. „Weil es, so wie es aussieht, Schwarz-Gelb wird.“ Jürgen Patzelt kommentiert sein Befinden als „durchwachsen“. Er freue sich natürlich für die Linken, dramatisch sei der Niedergang der SPD. Eine Lidl-Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte, um im Unternehmen nicht schief angeschaut zu werden, findet das Ergebnis gut. Sie habe die Linken gewählt, um den großen Parteien einen Denkzettel zu verpassen.

    Die Wahlparty der Grünen in Stadt und Landkreis Heilbronn fiel in diesem Jahr aus. Am Ergebnis lag das aber nicht. Es war von vornherein keine Feier im Anschluss an die Bundestagswahl geplant.   nia/ssp







    27.09.2009

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    Wahlkreis 267 "Heilbronn"

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