Bundestagswahl: Welcher Kandidat ist Mr. Right?

Heilbronn  Ein Speed-Dating mit Politikern bringt Bundestagskandidaten und Erstwähler gut eine Woche vor der Bundestagswahl am 24. September in einen lebhaften Austausch.

Von Torsten Büchele

Welcher Kandidat ist Mr. Right?

Alle sechs Politiker (von links) beim Speed-Dating auf ein Bild zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Denn die Zeit ist knapp und der Gesprächsbedarf groß. Foto: Mario Berger

 

Gerade macht Tobias Dobler (37) den Mund auf, da ertönt Musik. Erst leise, so dass der Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD) seinen Satz noch beenden kann. Gleich darauf hört man das eigene Wort nicht mehr. Die Zeit ist um. "Es könnte mehr sein. Manchmal reicht es nicht für kritische Nachfragen", sagt Dobler.

Pro Thema haben die Politiker und Bundestagskandidaten Alexander Throm (CDU), Josip Juratovic (SPD), Thomas Fick (Grüne), Konrad Wanner (Linke), Alexander Hampo (FDP), Jürgen Koegel (AfD) acht Minuten Zeit, um die Jugend von ihren Positionen zu überzeugen. Zum Politiker-Speed-Dating sind am Mittwoch 40 Jugendliche und Erstwähler ins Café Wilhelm gekommen, um ihren Mr. Right für den Bundestag zu finden. Stadt- und Kreisjugendring, Kinderschutzbund und Jugendgemeinderat (JGR) sind die Organisatoren.

Engagierte Besucher

Dabei lautet die Aufgabe zunächst einmal, die Volljährigen überhaupt zur Wahl zu bewegen. Bei den engagierten Besuchern, von denen einige im Jugendgemeinderat sitzen, braucht man sich keine Sorgen machen. "Ich bin froh, dass ich wählen gehen und jeder seine Meinung sagen darf. Wenn jeder zur Wahl geht, dann funktioniert es", ist Moritz Müller (18) überzeugt.

Innere Sicherheit, Außenpolitik, Bildung, Menschenrechte, Datenschutz und Flüchtlinge lauten die Themen. Jeder Politiker besetzt einen Tisch, die im Raum verteilt sind, und wechselt zum Klang der Musik.

Chips und Salzbrezeln

Plakate mit Stichworten regen zur lebhaften Diskussion an, Chips und Salzbrezeln lockern die Stimmung. Ob Deutschland bei all den Autokraten auf der Welt nicht eine starke Armee mit Wehrpflicht braucht, um sich zu schützen? Julian Nikisch (18) will das wissen. Doch Konrad Wanner (Linke) ist gegen Aufrüstung. Internationale Verhandlungspolitik sei eine bessere Lösung. "Das wird schwierig", meint Nikisch dazu. "Friedenspolitik ist am allerwichtigsten. Aber im Ernstfall brauchen wir eine Verteidigung." Ob Juso Nikisch in Wanner einen Koalitionspartner findet?

Eine Menschentraube bildet sich, als Jürgen Koegel (AfD) zur Flüchtlingspolitik spricht. Elisabeth Baranzew (18) vom Flüchtlingspatenschaftsprojekt Welcome wählt ihn nicht. "Ich schwanke zwischen SPD, Grünen und Linken." Aber sie höre gerne der AfD zu. "Ihre Antworten sind oft provokant und distanziert, aber auch originell."

Wahlentscheidungen noch nicht getroffen 

Bildung und Flucht, diese Themen beschäftigen die Jugend. Am Tisch der Innenpolitik, die Gregor Landwehr vom Jugendgemeinderat moderiert, kommt eines oft zur Sprache: Legalisierung von Cannabis. Alexander Throms CDU lehnt sie ab, Hampos Jungliberale scheinen aufgeschlossen. Wo man das Christliche in der CDU wahrnehmen könne, will Landwehr wissen. In der Humanität in der Flüchtlingssituation etwa, sagt Throm. Und im Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Womit er das nächste Fass aufmacht: Ehe für alle?

Wer hat an diesem Abend seine Wahltentscheidung getroffen? "Ich noch nicht ganz", gibt Noah Leibel (18) zu. "Aber die grobe Richtung kenne ich jetzt." Vor allem kenne er jetzt die Kandidaten, was wichtig sei für die Verteilung der Erststimme.