An der Götzenturmbrücke zählen nur Radfahrer

Serie: Noch Fragen?  Beim Radweg am Neckar zeigt eine Säule Uhrzeit, Temperatur sowie einen Tages- und einen Jahreszähler an. Aber woher weiß der Zähler, was ein Rad ist und was ein Jogger ist? Für "Noch Fragen?" sind wir dieser Leserfrage nachgegangen.

Von Janis Dietz

Abends und am Wochenende geht Klaus Kirchenbauer am Neckar Joggen.  

Der Fahrrad- und Fußgängerweg von der Götzenturmbrücke zum Wertwiesenpark gehört zu den beliebtesten Strecken der Stadt. Klaus Kirchenbauer kennt die Strecke sehr gut. Schon als Kind fuhr er regelmäßig nach der Schule zum Baden ins Freibad Neckarhalde. Jetzt geht der 61-Jährige zwei- bis dreimal die Woche hier joggen. Seit mehr als drei Jahren steht bei der Götzenturmbrücke eine graue Säule mit der Aufschrift „du zählst“. Doch jedes Mal wenn Kirchenbauer an dem Zähler vorbei läuft, tut sich nichts.

„Wie funktioniert der Tageszähler bei der Götzenturmbrücke? Warum werde ich als Jogger nicht erfasst?“ Mit dieser Frage wandte sich der gebürtige Heilbronner an „Noch Fragen?“. In unserer Online-Serie „Noch Fragen?“ gehen wir Leserfragen nach.

Von einer Lichtschranke keine Spur

Das Symbol des Herstellers zeigt einen Radfahrer und einen Fußgänger.  

An Spitzentagen steigt der Zähler auf über 4000. Die Zahl ist abhängig vom Wetter und vom Wochentag, wie Stefan Papsch von der Stadt Heilbronn berichtet.

„Ich bin rumgelaufen und habe geguckt, wie wohl die Fußgänger erfasst werden", berichtet Kirchenbauer. Doch von einer Lichtschranke war nichts zu sehen. Jogger und Fußgänger werden nämlich nicht erfasst – "es ist ein Fahrradzähler", erklärt Papsch. Für Klaus Kirchenbauer ist das nicht eindeutig zu erkennen. Er verweist auf einen kleinen Aufdruck am Fuß der Säule, dort sind ein Radfahrer und ein Fußgänger abgebildet. Das sei zumindest verwirrend.

 
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Den Fahrradzähler hat die Stadt Heilbronn aufgestellt, um Verkehrsströme zu messen. Neben der angezeigten Menge an Fahrradfahrern pro Tag und pro Jahr erhebt die Stadt hier auch weitere Daten: „Das Gerät misst, wie schnell das Fahrrad fährt und in welche Richtung es unterwegs ist“, erklärt Stefan Papsch, der Radverkehrsbeauftragte der Stadt. Alle Daten landen bei der Stadt und können nach Bedarf ausgewertet werden.

So kann die Stadt beispielsweise feststellen, dass Pendler morgens mit dem Rad in die Stadt hineinfahren und nachmittags wieder rausfahren. Über die Geschwindigkeit will Papsch auch den Anteil der E-Bikes bestimmen. Die sind nämlich im Durchschnitt schneller unterwegs als normale Räder. Pro Jahr radeln etwa 650.000 Menschen hier entlang.

 

Die Säule ist Werbung für das Radfahren

Günther und Gisela Walch fahren bei gutem Wetter auf ihrer Tour von Talheim nach Heilbronn fast täglich an der Säule vorbei. „Ich gucke jedes Mal drauf, wie viele Räder es heute schon sind“, sagt Gisela Walch. Wie der Zähler funktioniert, wissen die beiden nicht. „Vielleicht eine Lichtschranke?“, vermutet auch ihr Mann.

Tatsächlich liegt der Zähler eingebettet im Fahrradweg, wie der Radverkehrsbeauftragte verrät. Zwei magnetische Schleifen messen den Metallanteil der Räder. So werden Fahrräder gezählt, Autos und Mofas aber nicht. Dass Menschen stehen bleiben und die Zahlen beobachten, ist Teil des Konzepts. „Das ist auch Werbung für das Radfahren“, sagt Papsch.

An zwei weiteren Stellen werden Radfahrer gezählt

Rätsel gelöst: Klaus Kirchenbauer vor dem Radzähler.  

Die Zähler-Säule ist zwar die einzige in Heilbronn, aber noch an zwei anderen Stellen in der Stadt wird per Magnetschleife die Anzahl der Radfahrer gezählt. Zum einen an der Charlottenstraße bei der Feuerwehr, zum anderen hinter dem Eisstadion.Auch die Daten von hier landen bei der Stadt Heilbronn. Dass sie überwacht werden, müssten Radler nicht befürchten, beruhigt Papsch: "Wir messen nur 0 und 1 - Fahrrad oder kein Fahrrad."

Jogger fallen in jedem Fall raus. Der begeisterte Läufer Klaus Kirchenbauer ist aber nicht enttäuscht: "Das nächste Mal komme ich einfach mit dem Rad, dann werde ich endlich auch mal gezählt."

 


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