Zahl der Einbrüche steigt dramatisch

Region  Im Jahr 2014 sind in der Region deutlich mehr Diebe in Wohnungen eingestiegen als im Vorjahr. Die Polizei rechnet mit 60 Prozent mehr Fällen - und setzt auf eine Sonderkommission und zusätzliche Streifen.

Von Daniel Stahl

Interaktive Karte: Einbrüche in der Region

Zwischen Oktober und Dezember 2014 gab es im Stadt-und Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis insgesamt 273 Einbrüche, davon 160 Wohnungseinbrüche. Davon scheiterten die Täter bei 29 Wohnungseinbrüchen.

Datengrundlage für diese Karte sind Polizeiberichte der Polizeidirektion Heilbronn zwischen Oktober und Dezember 2014. Einbrüche, die nicht in Polizeiberichten aufgeführt waren, wurden nicht berücksichtigt.

Bitte beachten: Die markierten Stellen entsprechen nicht den Tatorten. Sie beziehen sich lediglich auf die Straße, in der eingebrochen wurde.

Umsetzung: Felix Ebert, Daniel Stahl, Lukas Wagner

 

Einbrüche waren auch im Jahr 2014 ein großes Thema bei der Polizei in der Region. Die Täter sind schwer zu fassen. Und die Zahl der Fälle steigt stark an.

Im Herbst sprach Polizeipräsident Hartmut Grasmück von einem Anstieg von über 60 Prozent. Allein zwischen Oktober und Dezember 2014 gab es in der Region laut Polizeibericht 160 Wohnungseinbrüche. Besondere Schwerpunkte waren zuletzt Leingarten, Öhringen oder Heilbronn.

Nicht eingerechnet sind dabei Einbrüche in Kindergärten, Gaststätten oder Firmen. Auch bei diesen Delikten gibt es laut Polizei einen deutlichen Anstieg.

Sonderkommission für Wohnungseinbrüche gegründet

Deshalb setzt das Polizeipräsidium Heilbronn seit einem halben Jahr auf eine Sonderkommission. Zwölf Beamte kümmern sich seit August 2014 ausschließlich um Wohnungseinbrüche. In den fünf Monaten seitdem gab es in der Region weit über 200 Wohnungseinbrüche und -versuche – fast so viele wie im gesamten Jahr 2013.

Genauere Zahlen dazu gibt die Polizei zurzeit nicht heraus. Erst im Februar soll es eine genaue Übersicht geben, wenn die landesweite Kriminalitätsstatistik erscheint. Polizeisprecher Rainer Ott spricht aber von einem „dramatischen Anstieg“ bei den Einbrüchen im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Nur im Hohenlohekreis gebe es eine „leicht rückläufige Entwicklung“.

Maßnahmen der Polizei zeigen bei Fallzahlen bisher keine Wirkung

Die Aufklärungsquote zu Wohnungseinbrüchen liegt in Baden-Württemberg seit Jahren bei nur etwa zehn Prozent. Daran konnte auch die Heilbronner Ermittlungsgruppe zu Wohnungseinbrüchen bisher nichts ändern.

„Man braucht für so etwas einen langen Atem“, sagt Polizeisprecher Harald Schumacher. Allein die Auswertung von Spuren dauere mehrere Monate. Den langen Atem will die Polizei aufbringen. „Wohnungseinbrüche sind gerade das Thema überhaupt“, sagt Joachim Schneider, Leiter im Referat Prävention der Polizei Heilbronn. „Unsere Maßnahmen dagegen sind langfristig angesetzt.“

Spurensicherung verbessert, mehr Streifen unterwegs

Dazu gehören nicht nur die zwölf Beamten der Sonderkommission. Auch die Kriminaltechnik hat sich spezialisiert. „Wir haben eine qualitative Verbesserung der Spurensicherung“, sagt Schneider.

Seit Wochen zeige die Polizei außerdem in der gesamten Region verstärkte Präsenz, sagt Pressesprecher Ott. Mit Hilfe der Bereitschaftspolizei seien deutlich mehr Streifen in Wohngebieten unterwegs. Auch die meisten Großfahndungen in den vergangenen Monaten standen im Zusammenhang mit Wohnungseinbrüchen.

Heilbronns Lage an der Autobahn ist gut für Einbrecher

Die Auswertungsstelle der Polizei liefert wöchentlich ein Lagebild zu den Wohnungseinbrüchen. Seit Juli 2013 gibt es zusätzlich eine Koordinierungsstelle Wohnungseinbruch beim Landeskriminalamt in Stuttgart. Auch dort sammelt man Erkenntnisse zu Einbrüchen.

Eines der Ergebnisse: „Entlang der Autobahnen gibt es ein höheres Aufkommen an Wohnungseinbrüchen“, sagt LKA-Sprecher Haug. „Und wir stellen in den vergangenen Monaten viele Tatverdächtige aus dem Balkan-Raum, aus Rumänien oder Georgien fest“, sagt er. Oft vermutet die Polizei organisierte Strukturen. In der Region hat die Polizei aber in den vergangenen Jahren keine solche Bande erwischt.

Polizei wünscht sich mehr Hinweise aus der Bevölkerung

In anderen Jahren hätten Einbrecher teilweise ganze Straßenzüge abgeräumt. „Solche Schwerpunkte gibt es derzeit nicht.“ Im Dezember gab es zum Beispiel an einem Wochenende 15 Einbrüche in der Region. Eine Woche später gab es keinen einzigen. Weder örtlich noch zeitlich gebe es Konstanz, sagt Schneider. „Das erschwert auch unsere präventive Arbeit“.

Was aber helfen würde: mehr Hinweise von aufmerksamen Anwohnern. „Wir würden uns wünschen, dass aus der Bevölkerung mehr kommt“, sagt Schneider. Wer etwas verdächtiges sieht, etwa Fremde in Nachbars Garten oder ein auffälliges Auto, solle immer sofort beim Notruf anrufen. Und lieber einmal zu oft. „Die 110 kostet nichts“, sagt Schneider.