Interaktive Karte: Entlang der A6 droht ein Verkehrskollaps

Region  Wenn es vor der Neckartalbrücke staut, weichen immer mehr Fahrzeuge auf Umleitungsstraßen aus. Der Heilbronner OB Himmelsbach spricht schon vom möglichen zeitweisen Zusammenbruch des Verkehrs in der Stadt.

Von Daniel Stahl, Ralf Reichert und stimme.de

 

Verkehrssprecher im Radio könnten sich ihre Arbeit wesentlich erleichtern. Sie müssten nur einen Satz auf Band sprechen und immer wieder abspielen: „Stau auf der A 6 vor der Neckartalbrücke.“ Wegen Brückenschäden müssen Fahrzeuge dort von drei Spuren auf zwei einfädeln. Seit der Verkehr so quasi durch einen Trichter muss, gibt es fast täglich Stau. Im Januar standen in Richtung Mannheim Autos und Lastwagen vor der Brücke an 22 Tagen – auf einer Länge von bis zu 15 Kilometern.

Darunter leiden auch die Gemeinden entlang der A6. Denn bei Stau weichen viele Fahrzeuge auf Umleitungsstrecken aus. Der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach erwartet extreme Belastungen für das Straßennetz: „Es gibt eine ganz reale Gefahr, dass der Verkehr in der Stadt in den nächsten Jahren regelmäßig zusammenbricht.“

Neckartalbrücke

Verärgerte Bürgermeister

Das befürchtet auch der Bretzfelder Bürgermeister Thomas Föhl. „Die Reduzierung der Spuren auf der Neckartalbrücke führt auch bei uns verschärft zu Rückstau“, sagt er. Dann fahren wesentlich mehr Autos und Lastwagen über die Ausweichstrecke durch Schwabbach und Bitzfeld. Seit der Verengung der Neckartalbrücke sei die Belastung „wesentlich schlimmer“, sagt auch Timo Frey, Bürgermeister der Gemeinde Eberstadt. Gerade in Hölzern herrschen wegen täglichem Umleitungsverkehr „unzumutbare Zustände“, sagt er.

Föhl sieht als einzige Abhilfe einen baldigen sechsspurigen Ausbau der A6. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass es die Abgeordneten aus der Region nicht schaffen, in diesem Thema mit einer Stimme zu sprechen“, sagt er.

Viele marode Brücken

Die Neckartalbrücke ist dabei nicht das einzige Problem. Auch an anderen Brücken sind in den vergangenen Monaten immer weitere Schäden aufgetaucht. Das führt zu Verkehrsstörungen. Heute beginnen neue Arbeiten auf der Ohrntalbrücke. Bis Oktober 2014 soll eine provisorische Verkehrsführung eingerichtet werden, die Fahrstreifen werden dazu laut Regierungspräsidium Stuttgart eingeengt. Pendler müssen mit großen Beeinträchtigungen rechnen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Vor zwei Wochen ließ das Regierungspräsidium außerdem die Brettachtalbrücke auf zwei Fahrstreifen reduzieren. Vor wenigen Tagen wurden Schäden an der Überfahrt der A6 über die B 27 bei der Ausfahrt Neckarsulm festgestellt. Dort soll ab März eine neue Verkehrsführung für weniger Staus sorgen. Die Stelle bleibt aber ein „Nadelöhr“, sagt Joachim Feucht vom Heilbronner Polizeipräsidium.

Denn die Einschränkungen an der Brücke werden noch Jahre dauern. Mindestens sieben Jahre soll es dauern, bis für rund 150 Millionen Euro eine neue Neckartalbrücke gebaut ist. Das sei eine Situation, die „nicht zu akzeptieren ist“, sagt Himmelsbach. „In Richtung Land und Bund müssen wir uns dafür einsetzen, den Zeitplan für den Brückenbau zu straffen.“

Vielleicht bringt ein Treffen im März bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin neue Impulse. Himmelsbach will dort auch als Vorsitzender des Regionalverbands Heilbronn-Franken über die Neckartalbrücke und die gesamte A 6 sprechen. Über die vielen beschädigten Brücken auf der Autobahn und den sechsspurigen Ausbau der gesamten Strecke.

Baustellenreportage auf der Kochertalbrücke Reportage Baustelle Brücke Kochertal Arbeitsmarkt Arbeitsmarktbericht Beschäftigung Bau Baubranche Verkehr Autobahn A6

Warten auf die Finanzierung

Wie groß das gesamte Problem ist, zeigt sich erst bei einem Blick über Heilbronn hinaus. Alle größeren Brücken der A 6 zwischen Heilbronn, Hohenlohe und der bayerischen Grenze haben Schäden. Einzig die Brücke am Weinsberger Kreuz hält der Verkehrsbelastung anscheinend stand. Die Frage ist, wie lange noch.

Zumindest die anderen sechs größeren Autobahnbrücken in Hohenlohe müssen – mit Ausnahme der Kochertalbrücke – auf lange Sicht abgerissen und neu gebaut werden. Auch dies hat die Kosten für den Ausbau der 64-Kilometer-Strecke hoch getrieben. Jürgen Holzwarth, Leitender Baudirektor beim Regierungspräsidium, spricht von 750 Millionen. Ab 2018 könnten die Arbeiten für den Ausbau ausgeschrieben werden. Wann sie tatsächlich starten, ist wegen der unsicheren Finanzierung unklar.

An vielen Brücken wird schon saniert

Doch die Brücken sind schon in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr tragbar. Die Kochertalbrücke wird bis Herbst 2015 als einzige Brücke so saniert, dass sie einem sechsspurigen Ausbau der A6 ohne Abriss standhalten kann. Die anderen Bauwerke müssen über die Zeit gerettet werden, bevor der Abriss erfolgt.

Bei der Ohrntalbrücke laufen die Arbeiten seit Juli 2013, die Brettachtal-, Maßholderbachtal-, Gronachtal- und Jagsttalbrücke werden derzeit von Experten geprüft. Weitere Einschränkungen sind also zu erwarten. Und damit auch mehr Verkehr auf den ohnehin überlasteten Umleitungsstrecken.

 

Hintergrund: ACE für Stauwarnanlage

Der Kreisverband Heilbronn-Franken des Auto Club Europa (ACE) fordert aufgrund der massiven Verkehrsbehinderungen im Bereich der Neckartalbrücke eine Stauwarnanlage. Der ACE geht davon aus, dass der wirtschaftliche Schaden weitaus größer ist, als die Kosten für Anschaffung und Betrieb einer solchen Anlage. Zudem könne diese die Zahl an schweren und tödlichen Verkehrsunfällen im Staubereich reduzieren.
Die Warnanlagen sollen auf der A6 Richtung Mannheim ab der Anschlussstelle Öhringen bis zur Ausfahrt Heilbronn/Neckarsulm sowie auf der Gegenfahrbahn ab Bad Rappenau bis Heilbronn/Untereisesheim errichtet werden, so der Vorschlag. red

 

Mehr zum Thema

Brettachtalbrücke: Tempolimit wegen maroder A6-Brücke

Kochertalbrücke: Beton bröselt - Fahrbahn sofort gesperrt

Neckartalbrücke: 150-Millionen-Euro-Neubau wird Neckartalbrücke ersetzen

A6: Brücken werden zum Nadelöhr