SLK will Krankenhausbetrieb an zwei Orten einstellen

Brackenheim/Möckmühl  Zwei kleine Krankenhäuser mit insgesamt rund 200 Betten sollen den Betrieb aufgeben. Ein entsprechendes Konzept der Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) sieht vor, in Brackenheim und Möckmühl nur noch eine Grundversorgung zu gewährleisten.

Von Reto Bosch und Iris Baars-Werner

Wenn Heilbronner Gemeinderat und Kreistag am 7. November dem Vorschlag der Geschäftsführung folgen, werden die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) den Krankenhausbetrieb in Brackenheim und Möckmühl einstellen. An beiden Standorten will die SLK aber die medizinische Grund- und Notfallversorgung sicherstellen.

Geplant ist eine enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten. Alle Mitarbeiter haben die Zusage, an anderen SLK-Standorten weiterbeschäftigt zu werden, in Brackenheim bleiben 40 Stellen für die Geriatrische Reha erhalten.

Jetzt muss ein Kurswechsel her

Krankenhaus Brackenheim
Das Krankenhaus in Brackenheim. Foto: Archiv/Veigel

Steigende Defizite, wachsende Personalnot, schärfere Vorgaben: Die Krankenhäuser in Brackenheim und Möckmühl kämpfen mit großen Problemen. Geschäftsführung und Aufsichtsrat glauben nicht daran, dass die Kliniken in dieser Form dauerhaft bestehen können.

„Die Daumenschrauben für kleine Häuser werden immer enger angezogen“, sagt Landrat und stellvertretender SLK-Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Piepenburg. Jetzt müsse ein Kurswechsel erfolgen, orientiert an der Frage: „Welche Versorgung brauchen die Bürger vor Ort?“

Chirurgie und Innere Abteilung soll nach Heilbronn und Bad Friedrichshall

Geld aus dem Krankenhausstrukturfonds des Bundes soll in die Region geleitet werden, um die medizinische Versorgung zukunftsfest zu machen. Das bedeutet für beide Häuser: keine größeren Operationen, keine allgemeinen stationären Abteilungen, Verlagerung von Chirurgie und Innerer Abteilung nach Heilbronn und Bad Friedrichshall. Im vergangenen Jahr sind in Brackenheim 4519 Patienten stationär versorgt worden, in Möckmühl waren es 3773.

Das Konzept der Geschäftsführung sieht vor, in Brackenheim auf die erweiterte Geriatrische Rehabilitation zu setzen. Die SLK gewährleistet eine umfassende Notfallversorgung und garantiert den Bürgern eine Grundversorgungspraxis für Allgemeinmedizin. Vorgesehen ist zudem eine Kurzzeitpflege nach der akuten Klinikbehandlung mit zehn bis zwölf Betten.

Widerstand gegen die Pläne

Die Pläne sehen einen Neubau vor, die Gesamtkosten beziffert Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges auf rund 18 Millionen Euro. Denkbar wäre als Alternative zur Schließung, eine kleine Innere Abteilung zu erhalten. Davon rät Jendges zum Leidwesen des Krankenhaus-Fördervereins aber ab. Im Zabergäu regt sich Widerstand gegen die Pläne.

In Möckmühl sieht das Konzept ebenfalls Notfallversorgung und Kurzzeitpflege vor. Da im Jagsttal Fachärzte Mangelware sind, soll dort ein Gesundheitszentrum mit Allgemein- und Fachärzten entstehen, zum Teil als Zweigstelle bestehender großer Praxen. Die Gesamtkosten für diese Lösung betragen laut SLK 14 bis 15 Millionen Euro.

In Baden-Württemberg haben 60 Prozent der Kliniken weniger als 150 Betten. In den kleinen Häusern werden nur zehn Prozent aller Fälle behandelt. Ihre Grundleistungen werden gering bezahlt oder ambulant in Praxen erbracht. Aus Qualitätsgründen vorgeschriebene Mindestmengen bei Operationen oder Behandlungen erreichen sie selten, teure Intensivmedizin rechnet sich für sie nicht mehr.

Stimme veranstaltet Diskussionsabende in Brackenheim und Möckmühl

Die Heilbronner Stimme und die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) veranstalten am kommenden Montag, 24. Oktober, in der Möckmühler Stadthalle und am Mittwoch, 26. Oktober, im Brackenheimer Bürgerzentrum Diskussionsforen zur Zukunft der beiden Standorte.

Rede und Antwort stehen dabei Landrat Detlef Piepenburg, SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges, die jeweiligen Standortbürgermeister Ulrich Stammer und Rolf Kieser sowie der renommierte Gesundheitsexperte Professor Boris Augurzky. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18 Uhr. bor

 

 


Schmerzhaft 
Ein Kommentar von Reto Bosch

Die Stadt-Landkreis-Kliniken-GmbH (SLK) wechselt die Rolle. Sie will vom Krankenhausbetreiber zum Garanten einer medizinischen Versorgung im Zabergäu und im Jagsttal werden. Viele Signale hinter den Kulissen deuten an, dass Heilbronner Kreistag und Gemeinderat das Konzept der SLK-Geschäftsführung für schlüssig halten. Die immer schwieriger werdenden Bedingungen für die kleinen Häuser sind ja auch nicht zu leugnen. Siehe Künzelsau.

Wenn jetzt keine Kursänderung erfolgt, werden die beiden Standorte im Bermudadreieck deutscher Gesundheitspolitik untergehen. Vor diesem Hintergrund scheinen die Vorschläge ein für viele Bürger und Mitarbeiter zwar schmerzhafter, aber gangbarer Weg zu sein.

Schafft es die SLK, das Konzept mit Leben und die Praxen mit Ärzten zu füllen, könnte sich die Versorgung vor allem im Jagsttal sogar verbessern. Die Verantwortlichen sollten bis zum 7. November allerdings offen bleiben für Verbesserungsvorschläge. Die Umsetzung des Umbaus könnte man professionell nennen. Schnelle Entscheidungen, komprimierte Diskussion in der Öffentlichkeit. Man kann die Kommunikation aber auch als verheerend bezeichnen. Immer wieder haben Landrat, Kreistag und Geschäftsführung betont, dass die beiden Häuser nicht zur Disposition stehen. Das haben SLK-Mitarbeiter und Bürger als Versprechen verstanden. Ein Versprechen, das jetzt vermutlich gebrochen wird. Auch so entsteht Politikverdrossenheit.


 

 

Die SLK-Kliniken in Zahlen