Wo in Heilbronn die meisten Strafzettel verteilt werden

Heilbronn  Nicht nur die Heilbronner Innenstadtstraßen sind von zahlreichen Verstößen betroffen, auch in weniger zentralen Bereichen verteilte das Ordnungsamt 2016 Tausende von Strafzetteln. In einer interaktiven Karte zeigen wir, wo die meisten Knöllchen verteilt werden.

Von Alexander Klug


Für weitere Infos auf die Punkte klicken. Visualisierung: Chris Petersen

 

Wer einen Parkplatz sucht, hat es oft nicht leicht. Dicht an dicht drängen sich die Autos, wo es erlaubt ist – doch auch von Park- und Halteverboten oder auch Rettungswegen und Feuerwehrzufahrten lassen sich viele nicht abhalten. Allein an der Heilbronner Karlstraße hat das Ordnungsamt im vergangenen Jahr 3600 Strafzettel verteilt. Wir suchen bei Ordnungsamt, Stadtplanern, Wirtschaftsministerium und Polizei nach Antworten zu Ursachen und möglichen Konsequenzen.

Dafür, wie viele Parkplätze bei neuen Gebäuden vom Einfamilien- bis zum Krankenhaus nachgewiesen werden müssen, ist das Landes-Wirtschaftsministerium. Dessen Regelwerk namens Landesbauordnung legt zum Beispiel fest, dass für jede Wohnung ein geeigneter Kfz-Stellplatz herzustellen ist. Oder bei einem Krankenhaus ein Stellplatz je drei bis sechs Betten. Wie das in der Realität aussieht, zeigt das Beispiel der SLK-Kliniken Am Gesundbrunnen: Dort steht für zwei Betten ungefähr ein Parkplatz bereit, macht derzeit 1273, vorgeschrieben sind sogar nur 696 – über die eklatante Parkplatznot haben wir berichtet. Die Landesvorgaben beruhten auf „Erfahrungswerten“, schreibt das Ministerium.

Finanzielle Interessen spielen eine Rolle

Die Eine-Wohnung-ein-Parkplatz-Regel gilt seit 21 Jahren. „Mit dieser Festsetzung soll sowohl dem Interesse der öffentlichen Hand an einer möglichst weitgehenden Entlastung des öffentlichen Straßenraums als auch dem finanziellen Interesse der Wohnungseigentümer Rechnung getragen werden“, meint das Ministerium. Denn die müssten oft hohe Summen für den Erwerb von Stellplätzen aufwenden – selbst, wenn sie kein Auto besitzen. Zudem hätten die Kommunen die Möglichkeit, die Stellplatzverpflichtung auf bis zu zwei Stellplätzen je Wohnung zu erhöhen. „Soweit Gründe des Verkehrs oder städtebauliche Grunde dies rechtfertigen“, schreibt das Ministerium.

In der Innenstadt, etwa der Gerber- und Lohtorstraße, seien fußläufig genügend Parkhäuser vorhanden, meint der Leiter des Heilbronner Planungs- und Baurechtsamts, Dr. Christoph Böhmer, auf Anfrage. Angesichts der zahlreichen Parkverstöße sieht er Klärungsbedarf hinsichtlich der betroffenen Tageszeiten und Wochentage. „Ich vermute, dass der eine oder andere Falschparker aus Bequemlichkeit, oder um das Geld für die Parkuhren zu sparen, nicht ins Parkhaus fährt“, sagt der Amtsleiter. Abhilfe könnten aus seiner Sicht Bus und Stadtbahn schaffen, auch das Fahrrad sei eine Alternative.

Viele ältere Häuser ohne Tiefgarage

Bei einigen der anderen betroffenen Straßen gehe es überwiegend um ältere Quartiere, ohne Tiefgaragen, erläutert Christoph Böhmer – was für hohen Parkdruck sorge. „Offensichtlich ist, dass am Gesundbrunnen, allein wegen der Größe des Klinikkomplexes, zu bestimmten Zeiten die Zahl der Parkplätze knapp, beziehungsweise nicht ausreichend sei. Aber auch in diesem Fall sieht er Klärungsbedarf hinsichtlich genauer Uhrzeiten und Wochentage.

Die Beamten würden dann vorbeikommen, wenn sie gerufen werden, sagt Polizeisprecher Rainer Köller – grundsätzlich kümmere sich das Ordnungsamt um den sogenannten ruhenden Verkehr. Gerufen werde die Polizei oft, wenn bei größeren Veranstaltungen die Parksituation aus dem Ruder läuft. „Vor allem, wenn andere Verkehrsteilnehmer behindert werden, schreiten wir ein. Auch in Fällen, in denen zum Beispiel eine Garage komplett blockiert wird“, sagt Rainer Köller. Er sieht durchaus einen generellen Trend zu wildem Parken, selbst auf Anfahrtswegen von Rettungskräften. „Zum Beispiel beim Kino in Neckarsulm schleppen wir an vielen Wochenenden Autos ab, die die Feuerwehrzufahrt blockieren.“