Farben machen Alltag bunter

Experten wissen, wie sich in Räumen bestimmte Stimmungen erzeugen lassen

Farben machen Alltag bunter
Rosige Zeiten im Schlafzimmer erleben? Kein Problem mit dieser individuell bedruckten, floralen Tapete, die es nur auf Bestellung gibt.

Wer hat sich nicht schon schwarz geärgert oder vor lauter Verliebtsein die Welt durch eine rosarote Brille gesehen? Farben nehmen im Sprachgebrauch einen breiten Raum ein − sie beschreiben Gemütslagen. Und sie sind damit oft ein Spiegel der Seele.

Einfluss Umgekehrt lassen sich Farben auch dazu nutzen, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen. So kann fast jeder Mensch Farbtöne oder Schattierungen nennen, die ihm mehr oder weniger zusagen. Psychologen sprechen von "visualisierten Gefühlen" − und die finden sich auch in unseren Wohnungen wieder. Für ein ganz besonders schönes − und zum Kunden passendes − Ambiente sorgen die Raumausstatter. Die Experten für schönes Wohnen verwandeln jeden Raum in eine Oase mit Wohlfühlfarben. "Farben sind Reizerscheinungen des Nervensystems", erläutert Professor Harald Braem vom Bundesverband Deutscher Psychologen in Berlin. Er vergleicht die Wirkung mit Wellenfrequenzen wie bei einem Radiosender, die in unterschiedliche Bereiche des Gehirns gelangen und von dort Einfluss aufs Nervensystem ausüben.

Signalwirkung Rot etwa springe sofort ins Auge. Die Farbe erinnere an Blut oder Feuer und werde daher gern für Warnzeichen verwendet. "Rot löst stressähnliche Gefühle aus", erläutert Braem, der früher als Creative Director internationale Werbekampagnen verantwortet hat und heute das Institut für Farbpsychologie in Bettendorf (Rheinland-Pfalz) leitet. "Das ist universell gültig, das funktioniert überall auf der Welt." Schon Goethe teilte den einzelnen Farben bestimmte Eigenschaften zu. Die hellen, warmen, aktiven Farben Gelb und Orange seien nach heutiger Terminologie als stimulierend, extensiv und expansiv zu bezeichnen, erläutert die in München tätige Heilpraktikerin Ingrid Kraaz von Rohr. Violett und Blau lösten dagegen eine ruhige, weiche, eher introvertierte Empfindung aus. Rot stehe zwischen beiden Bereichen und könne, je nach Färbung, dem einen oder anderen angehören. Grün sei die ausgleichende, ruhende Mitte aller Farben.

"Farben gehören zum Leben dazu", ergänzt der Autor Wulfing von Rohr. Sie seien Ausdruck von Lebensfreude. Und so wie Licht per se wichtig sei für das physische und psychische Wohlbefinden, werde die Stimmung froher und positiver, je heller eine Farbe ist. Das erkläre auch, warum sich viele Menschen in der dunklen Jahreszeit antriebslos und niedergeschlagen fühlen.

Wer geistige Arbeit leisten will, sollte am besten gleich eine ganze Wand in "Spinellorange" streichen − dieser Farbton beschwinge, empfiehlt Harald Braem. In einem blauen Raum gerät der Körper dagegen leicht ins Frösteln und der Mensch friert dann auch emotional. Grundsätzlich wirke die Farbe aber beruhigend, sagt er. Rot regt dagegen an: Eine komplett rote Raumausstattung in einigen psychiatrischen Kliniken helfe, stark selbstmordgefährdete depressive Melancholiker "umzustimmen", erläutert Braem.

Dosierung In der Wohnung sollte Rot aber grundsätzlich vorsichtig dosiert werden, rät Ingrid Kraaz von Rohr. Als Farbtupfer lasse es sich aber im Schlafzimmer gut einsetzen: Dort könne es sexuell stimulierend wirken. Abzuraten sei davon aber bei Schlafstörungen, leichter Erregbarkeit oder Neigung zu Hyperaktivität. Im Büro könnten einige Tupfer Rot leistungssteigernd wirken. dpa

Farben machen Alltag bunter
Mut zur Farbe beweisen Raumausstatter nicht nur an den Wänden (rechts), sondern auch bei den Bodenbelägen. Der Teppich auf der Treppe (links) erinnert stark an die Flower-Power-Zeit der 70er-Jahre.Fotos: dpa
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