Beim "Betongold" ist nicht alles Gold, was glänzt

Ob Neubau oder gebrauchtes Haus −Risiken sollten auch unter Zeitdruck abgeklärt werden

Beim "Betongold" ist nicht alles Gold, was glänzt
Auch beim Hauskauf gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer eine Immobilie erwirbt, sollte − auch unter Zeitdruck − Verträge und Bausubstanz prüfen lassen.Foto: lbs

Das Immobiliengeschäft brummt. Zumindest in Ballungsgebieten sind Bauunternehmer und Makler hochzufrieden, denn aus Angst ums Ersparte kaufen private Bauherren seit Beginn der Eurokrise fast alles, was sie angeboten bekommen, so die Erfahrung des Verbands Privater Bauherren (VPB). Aber auch wenn die Nachfrage stark ist und der Markt angeblich leer gefegt, sollten Käufer nicht alles blind akzeptieren, was ihnen angeboten wird, mahnt der Verbraucherschutzverband. Das gilt für den Neubau ebenso wie für den Kauf gebrauchter Immobilien. Denn beim "Betongold" ist nicht alles Gold, was glänzt.

Vertrag prüfen Seit Beginn der Eurokrise sind es oft Schlüsselfertigunternehmen, die kaum mehr mit sich verhandeln lassen − vor allem, wenn sie Haus und Grund aus einer Hand anbieten. Weil ihnen manche Bauherren die Häuser regelrecht aus den Händen reißen, versuchen sie, die Bedingungen zu diktieren. Die Käufer müssen sie akzeptieren oder auf das Angebot verzichten. Änderungen und Ergänzungen am Vertrag sind oft nur schwer durchsetzbar. Die VPB-Bausachverständigen halten diese Entwicklung für bedenklich: Viele Bauherren schließen Verträge, die sie einseitig benachteiligen. Angesichts der Drohung "Wenn Sie nicht unterschreiben, dann tut es nachher ein anderer", setzen sie ihre Signatur unter den Bauvertrag, ohne ihn vorher noch einmal vom unabhängigen Sachverständigen prüfen zu lassen. Wer das tut, der riskiert sein Erspartes. Zwei Dinge sollten angehende Hausbesitzer mindestens prüfen lassen, damit sie ihr Geld nicht zum Fenster hinauswerfen: zum einen, ob der Bauunternehmer seriös und solvent ist, und zum anderen, ob der versprochene Festpreis fürs Haus auch tatsächlich der Endpreis ist.

Nach Erfahrungen der Experten müssen Bauherren einer schlüsselfertigen Immobilie in der Regel rund 25 000 Euro zusätzlich zahlen, damit das als schlüsselfertig beworbene Haus zum Schluss auch tatsächlich bezugsfertig ist.

Leistungen Oft fehlen in vielen Bauverträgen wichtige Leistungen, etwa der Anschluss ans öffentliche Versorgungsnetz oder die Kosten des Aushubs. Dass solche Dinge nicht erwähnt sind, ist zwar rechtens, kommt für viele Bauherren später aber als Schock. Weil sie nicht wissen, was alles fehlt, finanzieren sie nicht ausreichend. Unerwartete Zusatzzahlungen von rund zehn Prozent des eigentlichen Hauswertes sind keine Seltenheit.

Mehr Verhandlungsspielraum haben Bauherren, die ein Grundstück besitzen und eine Firma suchen, die ihnen ein Schlüsselfertighaus errichtet. Aber auch hier mahnt der VPB zur Vorsicht. Wie stets bei großer Nachfrage heuern viele Baufirmen unerfahrene Subunternehmer an. Probleme mit der Ausführungsqualität steigen dann erfahrungsgemäß ebenso wie beim Ineinandergreifen der einzelnen Gewerke, die mit Zeitverzögerungen, Streitigkeiten um Preisabsprachen und wechselnden Bauleitern einhergehen.

Neben seriösen Firmen, die zum Teil seit Jahrzehnten ordentlich arbeiten, versuchen auch weniger seriöse und unterfinanzierte Unternehmen am großen Geschäft zu verdienen. Wenn solche Firmen insolvent werden, verliert der Bauherr meist viel Geld.

Damit das nicht passiert, sollten Bauherren ihren Vertrag vor der Unterzeichnung von einem unabhängigen Bausachverständigen prüfen und danach ihre Baustelle laufend kontrollieren zu lassen.

Auch einen Altbau sollte niemand kaufen, ohne ihn vorher mit dem Experten zu besichtigen. Selbst wer wild entschlossen ist, ein bestimmtes Haus zu erwerben, sollte seine Risiken kennen. Denn was hat er davon, wenn er das Geld, das er doch eigentlich durch den Immobilienkauf über eine Inflation hinweg retten wollte, durch eigene Nachlässigkeit verliert? red

Weitere Infos gibt es beim Verband Privater Bauherren, Bundesbüro, Chausseestraße 8, 10115 Berlin, Telefon: 030 2789010, Fax: 030 27890111, E-Mail an: info@vpb.de, Internet: www.vpb.de.