Verhütung bleibt Frauenthema

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Den Erreger ausbremsen

Beim Thema Verhütung geht es, von Geschlechtskrankheiten abgesehen, um die Vermeidung einer ungewollten Schwangerschaft − bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Kind erwünscht und willkommen ist. Nach wie vor ist das ein Thema, das Frauen mehr betrifft als Männer, auch, wenn der Fachverband Pro Familia hier eine gesellschaftliche Veränderung bemerkt und an junge Menschen gerichtet betont: "An Verhütungsmittel zu denken und rechtzeitig zu organisieren, ist keine alleinige Aufgabe der Mädchen. Ihr könnt gemeinsam überlegen, welches Verhütungsmittel in Frage kommen könnte." Pro Familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. "Was uns von anderen vielleicht unterscheidet", sagt Regine Seidel-Schmidt, Mitarbeiterin der Heilbronner Beratungsstelle, "ist, dass das Thema Verhütung bei uns schon lange Tradition hat." Und so engagiert der Verband sich zum einen beim Aufklärungsunterricht in den Schulen. Zum anderen stellt er umfassendes Informationsmaterial zum Thema zur Verfügung − und zwar in verschiedenen Sprachen.

Bei der Wahl der Verhütungsmethode, das betont auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA), spielt die jeweilige Lebenssituation eine große Rolle. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, mit denen heute verhütet wird: Pille, Minipille, Hormonspirale, Hormonimplantat, Verhütungspflaster, Dreimonatsspritze, Vaginalring, Kupferspirale, Kupferkette, Sterilisation; Kondom, Frauenkondom, Diaphragma, FemCap, Symptothermale Methode, Zyklustabelle, Zykluscomputer, chemische Verhütungsmittel und anderes mehr. Zu allen gibt es Informationen, die man sich leicht besorgen kann: in Beratungsstellen, im Internet und natürlich bei den Gynäkologen, die einen Teil der Verhütungsmittel verschreiben müssen.

Sicherer Klassiker

Die Pille ist der Klassiker, das Verhütungsmittel, das nach 1964 für den sogenannten Pillenknick verantwortlich gemacht wird. Ein Präparat, das die weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Dosierung enthält und bei korrekter Anwendung eines der sichersten Mittel gegen unbeabsichtigte Empfängnis ist. Als sicherer gilt nur noch die Sterilisation, die sowohl bei der Frau als auch beim Mann möglich ist. Ein Blick auf den Pearl-Index, benannt nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl, zeigt, wie wirksam andere Mittel eingeschätzt werden. Je niedriger die Zahl, desto sicherer die Methode. Sowohl Diaphragma (1 bis 20) als auch Portiokappe (6), Kalendermethode (9), Kondome (2 bis 12), chemische Verhütungsmittel (3 bis 21), Koitus interruptus (4 bis 30) und die Billings-Methode zur Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Zyklusphase (5 bis 35) verfehlen die Zuverlässigkeit von Pille und Sterilisation bei Weitem.

In der "Hitliste der Katastrophen" warnt Pro Familia junge Menschen ausdrücklich vor der Kalendermethode und dem Koitus interruptus. "Hoffen, dass nichts passiert", nennt der Verband den "Gipfel der Fahrlässigkeit, naiv und verantwortungslos". Mit Verhütung habe das "rein gar nichts zu tun". Genau so wie die "Pille danach": Sie ist ein Notfall-Instrument, für das Pro Familia sich allerdings stark macht, weil sie ungewollte Schwangerschaften verhindert: "Endlich ist auch in Deutschland die Pille danach ohne Rezept erhältlich", freut sich Ruth Weckenmann, Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg, über das Ergebnis eines langen politischen Streits.

Wird man auf der Homepage der BZGA unter dem Stichwort "Frauengesundheit" auf die sehr informative Seite www.familienplanung.de weitergeleitet, findet man diesen Hinweis unter dem Stichwort Männergesundheit vergeblich. Es ist die Frau, die die Verhütungsmittel einnimmt. Und es ist die Frau, die oftmals auch bezahlt. "In den meisten Regionen in Deutschland sind Menschen mit geringerem Einkommen benachteiligt, wenn sie eine Schwangerschaft verhüten wollen", heißt es in einer Mitteilung des Pro Familia-Bundesverbandes im März 2015. Die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft steigt mit sinkendem Einkommen, bedeutet das im Umkehrschluss. Und damit die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs, den keiner will. Der Verband fordert daher die Finanzierung von Verhütungsmitteln für Menschen mit geringem Einkommen. Pro Familia hat eine Petition im Bundestag auf den Weg gebracht. "Verhütung", heißt es da, "ist ein Menschenrecht."

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