Frauen und ihr Streben nach Schönheit

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Frauen und ihr Streben nach Schönheit

Rund 6000 Euro − so viel koste eine beidseitige Brustvergrößerung, wenn sie seriös gemacht sei, sagt Dr. Dominik von Lukowicz, Plastischer Chirurg in München. Brustvergrößerungen mit Implantaten stehen auf Platz eins unter den Schönheits-Operationen in Deutschland − nach einer Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) mit einem Anteil von 20,4 Prozent unter den Eingriffen bei Frauen. Dabei hat sich nach Beobachtung des 44-jährigen Arztes die Zielgruppe verbreitert. Waren Brustkorrekturen früher bei einer eher wohlhabenden Klientel gefragt, so betreffe das Thema inzwischen alle Einkommensschichten. Von Lukowicz sagt, für manche Frau seien größere Brüste der dominierende Wunsch in ihrem Leben: "Dafür wird Geld angespart oder ein Kredit aufgenommen."

Doch einige Frauen, erzählt er, kämen mit völlig falschen Vorstellungen zu ihm. Ein klassisches Problem: Der Wunsch nach sehr großen Brüsten. Von Lukowicz sagt: "Von Körbchengröße A nach C ist akzeptabel. Alles, was darüber geht, halte ich für schwierig." Bei besonders großen Implantaten müsse das Gewebe extrem gedehnt werden − und es werde viel Gewicht nach vorne aufgebaut. Gesundheitliche Probleme können die Folge sein: Rückenleiden, chronische Schmerzen. Auch der Eingriff selbst oder die Narkose seien nicht ohne Risiken.

Schonendere Methode

Manchmal schicke er Interessentinnen nach einer Beratung wieder weg. "Eine Brustvergrößerung ist eine für den Körper primär unnütze Operation", sagt von Lukowicz. "Das Risiko, dass man ihm schadet, ist größer, als dass man ihm nützt." Deshalb setzt der Chirurg in seiner Praxis wenn möglich auf die Alternative Eigenfett-Transplantation. Das sei eine insgesamt schonendere Methode, sagt er. Einige Vorteile: Es gebe keine Narben, man könne das sehr gut dosieren, und die Brüste ließen sich später natürlich tasten.

Während Brustkorrekturen vor allem bei Frauen mit Mitte oder Ende 30 ein Thema sind − häufig nach Schwangerschaft und Stillzeit −, gibt es einen Trend in der plastisch-ästhetischen Chirurgie, dem in erster Linie jüngere Frauen folgen. Die Intimchirurgie erlebe gerade einen "steilen Aufschwung", das sehe er auch in seiner Praxis: Schamlippenkorrekturen oder Vaginalstraffungen sind gefragt.

Funktion und Ästhetik

Eine Korrektur der Schamlippen sei die am häufigsten durchgeführte Intim-Operation, berichtet der Arzt. Wobei Frauen den Eingriff aus ästhetischen oder aus Funktionsgründen machen ließen. "Manche leiden beim Radfahren oder es zwickt, wenn sie enge Kleidung tragen. Andere trauen sich aus Scham nicht in die Gemeinschaftsdusche." Gerade jüngere Patientinnen "im Alter um die 25 Jahre" kämen mit dem Wunsch nach einer Schamlippenkorrektur zu ihm.

Vaginalstraffungen beträfen hingegen eher Frauen nach der Geburt. "Die Kinder und ihre Köpfe werden immer größer. Das weibliche Becken verändert sich aber nicht in dem Maße." Das "Missverhältnis zwischen Kopf- und Beckengröße" könne starke Überdehnungen der Muskulatur oder Verletzungen hervorrufen. Die mögliche Konsequenz: Inkontinenz oder ein Verlust der Libido, weil die Vagina zu weit ist und die Frau beim Geschlechtsverkehr nichts mehr spürt. Diese Probleme, sagt von Lukowicz, habe es zwar schon immer gegeben. Allerdings hat sich die Einstellung junger Frauen zu Schönheits-OPs seiner Wahrnehmung nach stark verändert. "Die Bereitschaft junger Leute, sich für einen ästhetischen Eingriff unters Messer zu legen, ist groß." Die Generation der um die 20-Jährigen "konsumiert geradezu ästhetische Chirurgie". Von Lukowicz sieht das durchaus kritisch und versteht seine Aufgabe als Arzt auch darin, "junge Patienten ganz stark einzubremsen". Sie kämen oft mit Hochglanzprospekten zu ihm − "manche Bilder muss man schon etwas geraderücken".

Und noch eine Sache sagt Dr. Dominik von Lukowicz seinen Patientinnen: Schönheits-OPs, auch Brustverkleinerungen aufgrund von chronischen Rückenschmerzen, sind in der Regel keine Kassenleistungen. Sie müssen vom Patienten selbst bezahlt werden.

Serie Frauengesundheit