Den Erreger ausbremsen

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Den Erreger ausbremsen

Für viele Frauen ist er längst zur Routine geworden: der alljährliche Abstrich beim Frauenarzt. Kein großer Aufwand, dafür aber eine umso größere Bedeutung: Denn der Pap-Abstrich prüft, ob die Zellen des Gebärmutterhalses Veränderungen aufweisen, die Anzeichen einer Krebserkrankung sein können. Unter Gynäkologen gilt dieser Test seit seiner Einführung als großer Erfolg, schließlich ist seit dem Beginn des Screenings Anfang der 70er Jahre in Deutschland die Zahl der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkrankten, um 75 Prozent gesunken − dennoch bleibt sie erschreckend hoch: So gab es 2014 allein in Deutschland rund 6000 neue Fälle, etwa 2000 Frauen starben an den Folgen. "Doch eine Spritze könnte genügen, um sich zwar nicht gegen den Krebs an sich, aber gegen seine Erreger impfen zu lassen", sagt Dr. Nina Kircher, Fachärztin für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Heilbronn − und legt daher jungen Frauen und auch Männern die sogenannte HPV-Impfung nahe. Es gilt als erwiesen, dass Humane Papillomaviren (HPV) maßgeblich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. Das Fatale: Sie sind die häufigsten sexuell übertragbaren Viren der Welt. Das Gute: Frau kann sich schützen.

Ursachen

Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiver Menschen stecken sich mindestens einmal im Leben mit HPV an, am häufigsten Frauen und Männer im Alter von 25 Jahren − "oft bleibt die Infektion jedoch symptomlos und verursacht keine Beschwerden, daher merken die meisten nichts von der Ansteckung", weiß Kircher. So bleiben zehn Prozent der Frauen sogar dauerhaft infiziert, ohne jegliche Auswirkungen zu spüren.

Gynäkologen unterteilen deshalb die mehr als 140 HPV-Subtypen in Hochrisiko-Viren und Niedrigrisiko-Viren: Viren mit einem niedrigeren bösartigen Potenzial können beispielsweise gutartige Feigwarzen an den Genitalien verursachen, die keiner aufwendigen Therapie bedürfen, während Hochrisiko-Viren zu Zellveränderungen am Muttermund oder am Gebärmutterhals führen und im Härtefall krebsauslösend sind.

Ungeschützter Geschlechtsverkehr, sexuelle Kontakte in jungem Alter, wechselnde Sexualpartner, Rauchen und mangelhafte Hygiene − "alles Risikofaktoren, durch die man sich mit den Humanen Papillomaviren infizieren kann", erklärt Nina Kircher. Doch nicht nur die Geschlechtsorgane sind betroffen: Sondern − durch Oralverkehr bedingt − auch andere Schleimhäute wie am Auge, im Mund und in den Atemwegen. "Der direkte Kontakt muss jedoch vorhanden sein." Deshalb gilt die Impfempfehlung auch schon vor dem ersten Geschlechtsverkehr. "Egal wie alt man ist: Bei ungeschütztem Sex, sei es auch der erste, besteht immer das Risiko einer Infektion." Die Ärztin rät daher, "die Impfung bei jungen Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren durchführen zu lassen".

Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts hat die Impfung gegen HPV für alle Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen − spätestens bis zum 18. Lebensjahr sollten versäumte Impfungen nachgeholt werden. Denn gerade bei jungen Mädchen ist die Schleimhaut der Vagina noch sehr dünn, so dass mikroskopisch kleine Verletzungen leichter auftreten können − für HP-Viren eine ideale Eingangspforte. Auch bei den über 18-Jährigen besteht noch die Möglichkeit, sich gegen die Humanen Papillomaviren impfen zu lassen − hier kommt es jedoch ganz auf die Situation an: "Theoretisch kann der HPV-Status im Körper jederzeit getestet werden. Sollte der HPV-Abstrich anschließend negativ ausfallen, kann man sich gerne noch mit 25 oder 40 impfen lassen", betont Kircher. Zudem bestünde Nachholbedarf bei allen Frauen, die sich bereits wegen Veränderungen am Muttermund einer Op unterziehen mussten. "Hier kann es vorkommen, dass die Viren mit heraus operiert werden und anschließend nicht mehr nachweisbar sind", erklärt Kircher. "Dann wäre es sinnvoll, durch die HPV-Impfung neuen Infektionen vorzubeugen."

Vorsorge

Trotz alledem sollten Frauen nicht auf die alljährliche Krebsvorsorge verzichten: "Ich bin gewiss Fürsprecher der HPV-Impfung, doch auch hier ist eine hundertprozentige Sicherheit nicht garantiert. Es gab Einzelfälle, wo geimpfte Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkrankten. Deswegen ist der Pap-Abstrich unabdingbar." HPV ist allerdings nicht nur Frauensache. Denn was gerne in den Hintergrund rückt: "Zum Geschlechtsverkehr gehören immer zwei Partner. Die Übertragung der HP-Viren ist durch beide Geschlechter möglich." Folglich lautet der Rat von Nina Kircher: "Auch Jungs beziehungsweise junge Männer sollten sich impfen lassen."

Serie Frauengesundheit