Warum sich Gesundheitsvorsorge lohnt

Gesundheit  Im zweiten Teil unserer Vorsorgeserie erklärt der Mediziner Boris Heinz aus Schwaigern, welchen Nutzen ein Gesundheits-Check-Up hat.

Von Valerie Blass

Arztpraxis
Bluthochdruck gehört zu den "Klassikern", die bei einer Vorsorgeuntersuchung erkannt werden.  

Bei der Frage, welche Vorteile es bringt, die Vorsorgetermine zur Früherkennung von Erkrankungen wie empfohlen wahrzunehmen, muss Boris Heinz nicht lange überlegen. "Dadurch ist es möglich, häufige Volkskrankheiten mit geringem Aufwand für den Patienten und hoher Sicherheit früh zu erkennen", sagt der Schwaigerner Internist und Allgemeinmediziner. 

Klassiker Bluthochdruck und Zuckerkrankheit: Rechtzeitig entdeckt, könne man mit einer Änderung des Lebensstils häufig erfolgreich gegensteuern − mit gesünderer Ernährung, Gewichtsreduktion, Bewegung.

Weiteres Beispiel Blasenkrebs: Eine Krebsart, die zunächst kaum Beschwerden macht. Wenn jedoch bei der Urinkontrolle, die alle zwei Jahre beim Gesundheits-Check-Up für Männer und Frauen ab 35 Jahre angeboten wird, Blut entdeckt wird, könne das ein Hinweis sein, sagt Heinz.

Hautkrebsrisiko steigt in der Weinbauregion

Besonderen Wert legt der 46-Jährige auch auf die Kontrolle der Haut. "Wir sind in einer Weinbauregion, in der viele jahrelang in der Sonne gearbeitet haben." So entstandene Hautschäden könne man in den Griff bekommen, wenn man sie rechtzeitig erkenne. Den schwarzen Hautkrebs, so genannte Melanome, finde man selten. "Aber jedes einzelne ist es wert, dass man danach sucht." Denn wenn sie erst tief eingedrungen seien, sei eine Heilung schwierig. Dann die Koloskopie, bei der ein Schlauch mit Kamera in den Darm eingeführt wird. Eine Leistung für Männer und Frauen mit 55 Jahren − und bei unauffälligem Befund nochmals im Abstand von zehn Jahren. "Das ist unangenehm, aber absolut segensreich", sagt Heinz. Darmkrebs sei die zweithäufigste Krebsart.

Auch das Abtasten der Prostata wird für Männer ab 45 Jahre jährlich empfohlen. Das übernimmt der Hausarzt − im Gegensatz zur Untersuchung der weiblichen Brust, die beim Frauenarzt erfolgt. In der Regel, sagt Heinz, empfehle er ergänzend, alle drei bis vier Jahre den PSA-Wert, das Prostata-spezifische Antigen, bestimmen zu lassen. Wenn es Erkrankungen in der Familie gibt oder Männer Medikamente zur Immununterdrückung nehmen − zum Beispiel wegen rheumatischer Erkrankungen − auch öfter. Die PSA-Bestimmung ist kein Bestandteil des Früherkennungsprogramms. Sie muss in der Regel selbst bezahlt werden.

45 Minuten für die eigene Gesundheit

Ein weiterer Punkt: Impfungen. Die gerieten im mittleren Erwachsenenalter leicht in Vergessenheit. "Da entsteht dann ein Loch, weil man nicht mehr daran denkt." Es gehört zur Routine einer Vorsorge-Untersuchung, dass der Arzt das Impfbuch kontrolliert und auf ausstehende Impfungen hinweist.

Doch bei Vorsorge-Terminen gehe es nicht nur um das Erkennen von Krankheiten, sagt Heinz. Es gehe auch darum, ungesunde Lebenssituationen oder Probleme am Arbeitsplatz zu erkennen und so zu vermeiden, "dass Erkrankungen überhaupt auftreten". Jedes Patientengespräch beginne er mit der offenen Frage: "Wie geht es Ihnen?" Dann fragt Heinz nach dem Konsum von Genussgiften − Alkohol und Nikotin − und es geht auf die Waage. 45 Minuten müsse man in der Regel einplanen. "Es lohnt sich", davon ist der Arzt überzeugt.

 

 Serie Vorsorge

Das ist der zweite Teil der Serie zur Gesundheitsvorsorge. In der ersten Folge sprach unsere Kollegin mit dem TV-Arzt Johannes Wimmer.