Rätselhaftes Frauenleiden

Bei dieser Krankheit liegt noch vieles im Dunkeln: Am 29. September ist Tag der Endometriose

Rätselhaftes Frauenleiden

Manche Frauen leben ganz gut damit, andere haben heftigste Schmerzen. Und oft dauert es Jahre, bis die Ursache des Leidens gefunden wird − Grund genug für die deutsche Selbsthilfevereinigung, die Krankheit mit dem Tag der Endometriose am kommenden Freitag ins Bewusstsein zu rücken. Etwa fünf bis sechs Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen, erklärt Dr. Jürgen Mann. "Das Hauptsymptom ist Sterilität", weiß der Heilbronner Gynäkologe aus der Praxis. Unerfülltem Kinderwunsch liegt in gut der Hälfte der Fälle eine Endometriose zugrunde, bei der die Eileiter verwachsen und verkleben können.

Die Bezeichnung leitet sich ab von Endometrium, dem Fachbegriff für die Gebärmutterschleimhaut. Kommen deren Zellen außerhalb des Uterus vor, spricht man von Endometriose. Die gutartige Wucherung befällt vor allem die Gebärmutterwand sowie die Organe des kleinen Beckens − Blase, Eileiter und Eierstöcke −, kann aber in seltenen Fällen auch auf andere Organe wie Niere und Darm oder das Bauchfell übergreifen. "Endometriose ist eine Erkrankung der hormonell aktiven Phase", erläutert der Facharzt. Die ortsfremden Zellen wachsen im gleichen Rhythmus wie die Schleimhaut in der Gebärmutter, und wenn es Zeit für die Monatsblutung ist, dann bluten sie auch.

Ursache unbekannt

Wie die Zellen überhaupt in den Bauchraum kommen, "darüber wird seit 150 Jahren spekuliert", sagt Mann. Damals wurde die Krankheit erstmals beschrieben. Drei theoretische Ansatzpunkte gibt es: Denkbar ist, dass sie im Menstruationsblut transportiert werden, wenn es über die Eileiter abfließt. Jedoch: "Das ist bei 90 Prozent aller Frauen nachweisbar, also fast der Normalfall", erklärt der Facharzt. Nur die wenigsten entwickeln tatsächlich eine Endometriose − deshalb wird angenommen, dass zusätzlich immunologische Faktoren beteiligt sind. "Da geht man weit in die Genetik hinein − das ist alles noch sehr dunkel." Eine weitere Theorie besagt, dass sich die Zellen aus embryonalem Gewebe entwickeln, das falsch programmiert wurde: Ihr genetischer Auftrag passt nicht zu dem Ort, an dem sie sich befinden.

"Betroffene Frauen haben häufig einen relativ langen Leidensweg. Das liegt daran, dass die Symptome auch normal sein können", sagt Mann. Denn beileibe nicht jede Frau, die starke Regelschmerzen hat, leidet unter Endometriose. Bestimmte Risikofaktoren oder -gruppen gibt es nicht. Ein Hinweis auf die Erkrankung sei zyklisch auftretender Unterbauchschmerz, der im Unterschied zum normalen Regelschmerz bereits drei bis vier Tage vor der Periode einsetzt, länger als die üblichen ein, zwei Tage andauert und sich zunehmend verschlimmert: "Dann sollte man mal nachschauen."

Doch so einfach ist die Endometriose gar nicht zu entdecken. Denn die Schleimhautteile können ganz winzig sein − die Größe der Wucherung steht nicht in Zusammenhang mit dem Ausmaß der Beschwerden. Zunächst werden normale gynäkologische Untersuchungen durchgeführt, auch ein Ultraschall des Bauchraumes gehört dazu. Größere Ansammlungen werden dabei sichtbar, aber "eine exakte Diagnose ist nur in Narkose bei einer Bauchspiegelung möglich", betont Mann. Dabei wird das Endometriose-Gewebe nach Möglichkeit entfernt.

Mitunter ist eine jahrelange medizinische Begleitung nötig, bei der auch Medikamente wie die Antibabypille eingesetzt werden können. "Das Ziel ist, den Östrogenspiegel niedrig zu halten, weil dieses Hormon die Gebärmutterschleimhaut zum Wachsen anregt", sagt Mann. Einen Königsweg gibt es nicht, denn das Beschwerdebild ist individuell: "Die Therapie ist immer eine Einzelfallentscheidung."