Ein diskreter Handwerker in Sachen Partnerschaft

Heilbronn - Von A bis A - vom Arbeiter bis zum Akademiker reicht die Bandbreite derer, die Siegfried Dürre-Schnepfs Leistung in Anspruch nehmen. Setzt ein Rohrbruch das eigene Zuhause unter Wasser, tritt Dürre-Schnepf nicht auf den Plan. Aber er hilft, wenn niemand da ist, mit dem der Geschädigte den Frust über ruinierte Teppichböden oder nasse Wände teilen kann. Dürre-Schnepf vermittelt keinen Klempner, sondern Partner. Und das schon seit über 30 Jahren.

Von Heike Kinkopf

Ein diskreter Handwerker in Sachen Partnerschaft
Mann sucht Frau und umgekehrt. Der Markt mit Anbietern, die bei der Partnersuche helfen, boomt auch im Internet. Dass Amors Pfeil immer die richtigen trifft, ist nicht garantiert.Fotos: Andreas Veigel

Heilbronn - Von A bis A - vom Arbeiter bis zum Akademiker reicht die Bandbreite derer, die Siegfried Dürre-Schnepfs Leistung in Anspruch nehmen. Setzt ein Rohrbruch das eigene Zuhause unter Wasser, tritt Dürre-Schnepf nicht auf den Plan. Aber er hilft, wenn niemand da ist, mit dem der Geschädigte den Frust über ruinierte Teppichböden oder nasse Wände teilen kann. Dürre-Schnepf vermittelt keinen Klempner, sondern Partner. Seit über 30 Jahren im Geschäft, besitzt eine Weisheit nach wie vor Gültigkeit: „Es kommt weniger darauf an, mit wem sie abends ins Bett gehen, sondern mit wem sie morgens aufstehen wollen.“

Unauffällig

Nichts deutet von außen auf das Büro hin. Das „Institut für menschliche Begegnungen“, so steht es klein gedruckt auf dem Geschäftsbrief, befindet sich in einem unauffälligen Haus in Heilbronn-Böckingen. In einer stillen Seitenstraße gelegen, unterscheidet sich des Haus mit der weißen Fassade, dem Grün im Vorgarten und einem niedrigen Gartentor in Nichts von den Eigenheimen der Nachbarn. Der einzige Hinweis, dass der Klient dort an der richtigen Adresse ist, stellt ein kleines, dezentes Schild mit zwei ineinandergreifenden Ringen dar.

Siegfried Dürre-Schnepf öffnet höchstpersönlich die Haustür. Er streckt die Hand aus, lächelt freundlich. Korrekt die Kleidung mit Hemd, Krawatte und Sakko. Hinter der Brille blitzen lebhafte Augen auf. Die Erscheinung strahlt Seriosität aus. „Wir sind keine Maßschneiderei, keine Zuckerbäcker“, räumt Dürre-Schnepf mit falschen Vorstellungen auf. Menschen seien vielschichtig. Kaum ein zweiter Bereich ist so durch die individuellen Persönlichkeiten geprägt wie die Partnerschaft zweier Menschen.

Kartei

Zwischen 800 und 1000 Dossiers hat die Werner Schnepf GmbH mit je einem Büro in Heilbronn und Stuttgart in ihrer Klientenkartei. Keine Handvoll, dafür aber „qualifizierte Begegnungen“ reichen aus, damit Amors Pfeil die richtigen trifft. Dem voraus gehen Einzelgespräche, in denen Dürre-Schnepf sich ein Bild von der Person ihm gegenüber macht. Er spürt Wünschen und Erwartungen nach. In dem Büro, in das er seine Klienten führt, fällt sofort der Schreibtisch ins Auge. Keine Papierstapel, kein Schreibkram, keine Aktenordner, die sonst in Arbeitszimmern zu finden sind. Die Unterlagen bewahrt Dürre-Schnepf in einem zweiten Büro auf. Dort steht der Computer.

Ein diskreter Handwerker in Sachen Partnerschaft
Von jedem Klienten gibt es ein Dossier, das Siegfried Dürre-Schnepf sicher verwahrt. In seinem Büro lernt er die unterschiedlichsten Menschen kennen.

Keine Rohrzange, keine Dichtungsringe. Siegfried Dürre-Schnepf hat einen kleinen Block für Notizen vor sich liegen. Sein Handwerkszeug. Behutsam tastet er sich an sein Gegenüber heran. Beruf, Bildung, Lebensumstände. „Eine Beziehung ist herz- und kopfgesteuert.“ Eine Rolle spiele die Geschwisterkonstellation. Die Kindheit. Die familiären Verhältnisse. „Geschwister?“, fragt er. Ein Einzelkind. „Zwei Einzelkinder passen selten gut zusammen.“ Genauso wie das jüngste Kind einer Familie andere soziale Kompetenzen an den Tag lege als das älteste Kind. Charaktereigenschaften, die der Vermittler bei seiner Arbeit berücksichtigt. Schließlich gilt es, ein Profil des Singles zu erstellen.

Weniger konfliktfähig Wer einen Partner sucht, muss Zeit investieren. Zeit, den anderen kennen zu lernen. Vor vielen Jahren sei es schon mitunter vorgekommen, dass jemand am 20. Dezember bei ihm auftauchte, weil er Weihnachten nicht alleine verbringen wollte. Das ist passé. Heute gelten Qualitätsmaßstäbe auch in der Beziehung. Abgenommen hat die Konfliktfähigkeit. Zur Partnerschaftsvermittlung kommt, wer genügend „Selbstversuche“ hinter sich hat. Das Institut, sagt Dürre-Schnepf, bietet eine „effiziente Möglichkeit der Partnerfindung“. Effizienz ist ein Muss. Einen Partner von der Stange oder wie aus dem Versandkatalog bestellt, gibt es bei ihm nicht.

Das Erstgespräch: Aufgeschlossen plaudert der eine aus seinem Leben, ein zweiter ist zurückhaltend, unsicher. „Jedes Gespräch verläuft anders.“ Weil Menschen sich nicht in eine Schablone pressen lassen.

Diskretion ist wichtig. Die Arbeit - Vertrauenssache. Kein Klient möchte sich ungeschützt der Öffentlichkeit preisgeben. Dürre-Schnepf verwahrt seine Sehnsüchte und Erwartungen sicher im Dossier, das er für jeden anlegt.

Wer passt zu wem? Der Arbeiter nicht unbedingt zur Chefsekretärin, weiß Dürre-Schnepf aus langjähriger Erfahrung. „Das sind zwei Welten, die werden sich nicht finden.“

Der Partnerschaftsvermittler, der sich selbst zurücknimmt, deutet auf die Digitalkamera. Ein weiteres Handwerkszeug. Die Fotos für die Unterlagen macht er selbst. Die Klienten sollen „natürlich rüberkommen“, nicht gestellt.

Siegfried Dürre-Schnepf trifft eine kleine, handverlesene Auswahl. Potenzielle Partner findet er in den knapp 1000 Suchenden, die den Weg in das Institut gefunden haben. Sein „akribisches Personengedächtnis“ hilft. Außerdem werden Kontaktanzeigen geschaltet. Streng anonymisiert, versteht sich. Auf keinen Fall soll der Klient von Dritten zu identifizieren sein. Ein Datenabgleich findet über den Computer statt. Stimmen zwei Kandidaten einem Treffen zu, macht Dürre-Schnepf den Kontakt möglich. „Wenige qualifizierte Begegnungen können eine Entscheidung fürs Leben bringen.“

Feeling

Ob aus zwei Menschen ein Herz und eine Seele wird, liegt in ihrer Hand. Wie bei einem Hausbau braucht es Zeit, Ausdauer, Engagement. Durchhaltevermögen natürlich. Wenn es mal nicht so gut läuft, darf man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Und logisch: „Das Feeling muss stimmen.“ Von Sinsheim bis Öhringen, von Beilstein bis Mosbach. Es kommen Männer und Frauen Mitte 30. Geschiedene oder Verwitwete wagen den Schritt ins Partnerschaftsinstitut. Das gediegene Büro, der gepflegte Umgangston mutet an wie aus einer vergangenen Zeit. Heutzutage ist eher die Rede von Lebensabschnittsgefährten. Dürre-Schnepfs Klienten eint die Hoffnung auf eine „langfristige Partnerschaft“.

Funkt's? Garantien gibt der Partnerschaftsvermittler keine. Er bietet eine Dienstleistung an. „Hier habe ich Orientierung, hier habe ich ein Stück Sicherheit“, unterstreicht er die Aufgabe des Instituts. Für diese Leistung zahlt der Kunde. Und was ist mit Liebe? Sie lässt sich nicht kaufen. Sie lässt sich nicht erzwingen. Bei einem Wasserrohrbruch kommt der Installateur, er behebt den Schaden. Eine Partnerschaft lässt sich nicht ganz so einfach bewerkstelligen. „Eine Beziehung ist kein Fertighaus.“


Hintergrund : Berufsgrundsätze

Auf der Suche nach dem Glück. Nicht nur Internetanbieter versprechen schnellen Erfolg. Im Gesamtverband der Ehe- und Partnervermittlungen, kurz GDE, finden sich renommierte Institute, die ihre Arbeit klaren Grundsätzen unterwerfen. Zu den über 30 Punkten gehören unter anderem: Die Beratung ist kostenlos. Die persönlichen Daten sind gesichert und Dritten nicht zugänglich. Ein Vertrag regelt Leistung und Preis der Vermittlung. Es werden nur Suchende vermittelt, die ein ernsthaftes Interesse an einer Partnerschaft haben. GDE-Institute werden regelmäßig auf Einhaltung der Grundsätze überprüft. Weitere Infos zum Verband im Internet unter www.g-d-e.de. kik