Im GKN-Zwischenlager droht Platznot

Neckarwestheim - Die neue Bundesregierung setzt auf Atomkraft und Laufzeitverlängerungen. Wie die Zukunft des 33 Jahre alten Meilers GKN I im Detail aussieht, muss noch zwischen Politik und Betreiber verhandelt werden. Klar ist aber: Die Kapazitäten des unterirdischen Zwischenlagers sind begrenzt.

Von Reto Bosch und Joachim Kinzinger

Neckarwestheim - Die neue Bundesregierung setzt auf Atomkraft und Laufzeitverlängerungen. Wie die Zukunft des 33 Jahre alten Meilers GKN I im Detail aussieht, muss noch zwischen Politik und Betreiber verhandelt werden. Klar ist aber: Die Kapazitäten des unterirdischen Zwischenlagers mit 151 Castorplätzen sind begrenzt. Und: Eine Erweiterung würde die Standortgemeinde Neckarwestheim nicht hinnehmen. Bürgermeister Mario Dürr kündigt für diesen Fall schon heute rechtliche Schritte an.

"32 beladene Behälter sind drin", erklärt EnBW-Pressesprecherin Friederike Eggstein. Jeder der 125 Tonnen schweren und 5,86 Meter hohen Castoren steht auf einer markierten Position im Tunnel. Und ist mit einem roten Kabel an das Castor-Überwachungssystem angeschlossen. Wie lange reichen die bestehenden Zwischenlagerkapazitäten in den beiden 90 und 84 Meter langen Röhren noch aus? Genau lässt sich dies nicht berechnen. Eine Annäherung: Nach derzeitiger Rechtslage kann GKN I noch bis Frühjahr 2010, GKN II bis zum Jahr 2022 Strom produzieren. Nach Angaben des Landesumweltministeriums wären dann 110 von 151 Castor-Stellplätzen belegt. Die Fachleute gehen davon aus, dass aus beiden Blöcken zusammen etwa fünf Castoren pro Jahr anfallen. Unter dem Strich bietet das Zwischenlager theoretisch Platz für jeweils weitere acht Jahre.

Die EnBW kalkuliert laut Konzernsprecherin durchschnittlich je nach Stromproduktion und Abbrand der Brennelemente mit fünf bis sechs Behältern aus beiden Meilern pro Jahr. Bei jährlich sechs Castoren wären beide Stollen in 20 Jahren gefüllt, bei fünf Beladungen erst in 24 Jahren. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat die Lagerzeit an jedem Zwischenlager-Standort auf 40 Jahre begrenzt. Im Dezember 2006 beförderten GKN-Fachleute die ersten von insgesamt 18 Atommüll-Behältern in die erste Röhre. Ende 2046 läuft also die Frist ab.

Keine Akzeptanz

Neckarwestheims Bürgermeister Mario Dürr - seine Gemeinde hatte das bestehende Zwischenlager mit allen rechtlichen Mitteln bekämpft - ist skeptisch. Er unterstellt als Beispiel eine Laufzeitverlängerung von 15 Jahren für beide Blöcke. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie das gehen soll." Die Position der Kommune sei eindeutig. "Eine Erweiterung des Zwischenlagers wollen wir nicht. Wir würden alle Möglichkeiten nutzen, um dies zu verhindern." Die im Oktober 2006 eingeweihten Stollen seien in der Bevölkerung noch immer nicht akzeptiert. "Wir müssen aber mit ihnen leben." Er erwarte von der Bundesregierung, dass diese nicht nur Gewinne abschöpft, sondern endlich ein Endlager schafft.

In der Tat, die Zwischen- hängt eng mit der Endlagerfrage zusammen. Soll GKN länger am Netz bleiben als es die Platzverhältnisse zulassen, wäre ein betriebsbereites Endlager für EnBW die eleganteste Lösung. Dann könnten Castoren aus Neckarwestheim dorthin transportiert werden. Doch wann dieses Lager zur Verfügung steht, ist nicht abzusehen. Nach jahrelangem Stillstand hat die neue Regierung beschlossen, das Gorleben-Moratorium aufzuheben und den Salzstock weiter zu erkunden. Sollte sich dieser als ungeeignet erweisen, stünde die - viele Jahre dauernde - Suche wieder am Anfang.

Die Heilbronner Stimme nimmt den Kurswechsel in der Atompolitik zum Anlass, in einer neuen Serie das Thema GKN aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.