Atomkraftgegner schalten sich wieder zu

Neckarwestheim - Mit dem Koalitionsvertrag und schwammigen Aussagen zur Kernkraft hat Schwarz-Gelb der Anti-AKW-Bewegung einen neuen Zulauf beschert. Zwischen 150 bis 200 Atomgegner wanderten gestern beim Sonntagsspaziergang gemeinsam eine kurze Strecke zum GKN Neckarwestheim und forderten die Stilllegung.

Von Angela Groß

Atomkraftgegner schalten sich wieder zu
Die alte Tradition des Sonntagspaziergangs wurde gestern wieder aufgenommen. Auf der Hälfte der Strecke gab es Informationen zum GKN. Foto: Ulrike Kugler
Neckarwestheim - Mit dem Koalitionsvertrag und schwammigen Aussagen zur Kernkraft hat Schwarz-Gelb der Anti-AKW-Bewegung einen neuen Zulauf beschert. Zwischen 150 bis 200 Atomgegner wanderten gestern beim Sonntagsspaziergang gemeinsam eine kurze Strecke zum GKN Neckarwestheim und forderten die Stilllegung. Der stattliche Zug, eskortiert von einem einzigen Polizeifahrzeug, überraschte offensichtlich selbst die Veranstalter. "Die Demonstration war mit 25 bis 30 Personen angemeldet, gerechnet haben wir mit höchstens hundert Leuten", erklärt Herbert Würth. "Dieses Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen: Die Anti-AKW-Bewegung ist wieder voll da."

Verständnis

Dabei benennt der 54-jährige Pressesprecher das Verständnis des veranstaltenden Aktionsbündnisses Castor-Widerstand Neckarwestheim klar als "Teil der außerparlamentarischen Bewegung". Rot-Grün und Energiekonzerne mögen 2000 den Atomausstieg beschlossen haben - "wir haben nie daran geglaubt und glauben bis heute nicht an eine politische Lösung", sagt Würth und kritisiert vereinbarte Reststrommengen. Das Aktionsbündnis setzt deshalb auf aktiven Widerstand: "Der muss wieder viel heftiger werden." Demonstrationen und Blockaden, verschiedene Aktionen - dezentral im ganzen Land sind erklärte Ziele. Informationen würden deshalb im Schneeballsystem und über Mailinglisten weitergegeben. In der nächsten Zeit steht die stärkere Vernetzung der Gruppen an.

Breites Fundament


Diese neue-alte Bewegung hat unterschiedliche Gesichter. Darunter viele junge Menschen, die in den 80er Jahren - zu Hochzeiten der Bewegung - noch gar nicht dabei sein konnten. Jerome Skopek (16) aus Heilbronn etwa. "Der Atomausstieg muss so schnell wie möglich stattfinden, wird aber stark verzögert werden." Als Jan-Niklas Barth (18) von dem Aufruf erfuhr, war klar, dass er dabei ist. "Das ist ja fast eine Art Bürgerpflicht."

Gekommen sind aber auch Menschen wie Inge Fischinger. Die 73-Jährige aus Weissach im Tal gehörte zur Friedensbewegung und ist "generell gegen Atomkraft - ich habe sieben Enkel". Sie fürchtet gesundheitliche Risiken der Strahlenbelastung, wie wenig später auch der Stuttgarter Jörg Schmidt (Strom ohne Atom) die Protestgemeinde noch einmal an die Kinderkrebs-Studie erinnert. Bernd-Gunther Bretz vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn drückt aus, was viele hier denken: "Man muss zeigen, dass das Volk nicht einverstanden ist."