Brexit: So haben die Partnerstädte der Region abgestimmt

Region  Heilbronn und Eppingen pflegen Partnerschaften zu Städten auf der Insel. Die Ergebnisse in den britischen Gemeinden gehen weit auseinander.

Flags at Council of Europe in Strasbourg
Noch hängt die britische Flagge vor dem Europarat in Straßburg. Foto:

Die Heilbronner Partnerstadt Stockport bei Manchester hat für den Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt. Die wohlhabenderen Vorstädte hätten den Ausschlag gegeben, schreibt die Lokalzeitung Manchester Evening News.“ Der Brexit bekam 77.930 Stimmen, die EU-Befürworter 85.559 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit 73,4 Prozent über dem Durchschnitt. Die Güglinger Partnerstadt Dorking im Speckgürtel von London stimmte ebenfalls für die EU. 

Neath-Port Talbot, die Stadt in Wales, die Heilbronn zu Jahresbeginn die Partnerschaft aufgekündigt hatte, sprach sich hingegen mit einer deutlichen Mehrheit für den Austritt aus der EU aus: 43.001 Stimmen oder  56,8 Prozent entfielen dort auf  „Leave“, die vom europafreundlichen Labour-Abgeordneten Stephen Kinnock angeführte Pro-EU-Fraktion kam lediglich auf 43,2 Prozent der Stimmen. Kinnock ist mit der vergangenes Jahr abgewählten dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt verheiratet und teilte sich ein Büro mit seiner ermordeten Fraktionskollegin Jo Cox.

In der Gegend um Eppingens Partnerstadt Epping nördlich von London fiel das Votum besonders deutlich aus: 63 Prozent für den Brexit. Lokalpolitiker Jon Whitehouse glaubt nicht, dass die Entscheidung die Partnerschaft beider Städte beeinträchtigt: „Sie basiert auf engen persönlichen Verbindungen und Freundschaften“, betonte Whitehouse, der dem City Council, dem Pendant zum Kreistag, angehört und früher Bürgermeister in Epping war. Whitehouse äußerte sich gleichwohl besorgt über die Brexit-Mehrheit. Viele der Gründe seien in der nationalen Politik zu suchen: „Viele Brexit-Anhänger wollen lieber Schutzwände, statt Brücken zu bauen“, bedauert er. „Aber das trifft sicher nicht für jeden zu.“

„Bleib freundlich, offen und tolerant, steht zusammen und stimmt für den Verbleib.“ Ein zerfallendes Herz in den britischen Landesfarben steht auch nach dem Referendum in Großbritannien noch auf der Facebook-Seite der Twinning Association von Llandrindod Wells, der Partnerstadt von Bad Rappenau und Contrexéville (Frankreich). Rob Shelton, einer der Aktiven und zusammen mit seiner Frau Barbara häufig Gast in der Kurstadt, äußert sich betroffen: „Es war keine Überraschung“, schreibt er, „weil die Kampagne mehr mit den Ängsten vor Einwanderung und der Kontrolle durch Bürokraten in Brüssel spielte, als die Vorteile der Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn zu betonen.“ Shelton hofft, „dass die Entscheidung unsere Partnerschaft mit unseren Freunden aus Bad Rappenau nicht schwächen wird.“ Kurzfristig würden die Besuche in Deutschland nun teurer werden: „Aber eure Besuche in Wales werden günstiger.“ mfd/ah

 

Big Ben

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