Happy End in Hollywood

LOS ANGELES  Mit Lust und Leidenschaft verabschiedet sich die PS-Branche auf der letzten großen Messe aus dem Krisenjahr

Von Thomas Geiger

Happy End in Hollywood
Bei BMW wird es nach vier Jahren endlich Zeit für die offene Version des i8, der als erster elektrischer Roadster der Marke 2018 an den Start gehen wird.  

Die Absätze sind zwar auf Rekordniveau, doch die Stimmung in der Autobranche ist im Keller: Daheim kochen noch immer die Dieselsuppe und der Kartellskandal, weltweit drücken die CO2-Auflagen, und in Amerika feiern sie Elon Musk als Messias, obwohl er sein Tesla Model 3 partout nicht in den angekündigten Stückzahlen auf die Straße bekommt − gut geht irgendwie anders. Doch zumindest zur letzten Messe der Saison schleicht sich noch einmal ein Lächeln auf das Gesicht der Autobosse. Denn wir sind in Los Angeles, Hollywood ist nur einen Steinwurf entfernt − und da verstehen sie sich auf schöne Träume, auf große Illusionen und auf ein Happy End.

Die beinahe surreal gute Stimmung hat allerdings noch einen anderen Grund: Der amerikanische Markt im Allgemeinen und der in Kalifornien im Speziellen boomt, und obwohl sie hier gerne Tesla fahren oder zur Not Toyota Prius und Nissan Leaf, haben sie unverändert viel Lust auf Luxus und Leistung und spülen gerade den deutschen Herstellern das dicke Geld in die Kasse.

Die fahren deshalb in Los Angeles auch größer auf als der Rest der Welt − nicht umsonst zelebriert Mercedes hier die Premiere des neuen CLS, der als Designikone in der dritten Generation die Lücke zwischen E- und S-Klasse schließen und ein bisschen Savoire Vivre ins schnöde Leben der Business-Elite bringen will. Bei BMW wird es nach vier Jahren endlich Zeit für die offene Version des i8, der als erster elektrischer Roadster der Marke nirgends besser aufgehoben ist als auf dem Pacific Coast Highway. Und Porsche dankt den Kaliforniern ihre teure Treue mit der Weltpremiere für die GTS-Version der 718er-Baureihe. Die hat zwar leider auch nur vier Zylinder, punktet jetzt aber immerhin mit 365 PS.

Audi dagegen zeigt nur noch einmal den frischen A7 aus Neckarsulm, der zumindest noch auf keiner Messe zu sehen war, und bei VW stehen zum ersten Mal alle drei ID-Modelle gemeinsam auf einer Bühne. "Da sieht man, wie unsere elektrische Zukunft Gestalt annimmt", sagt VW-Sprecher Christian Buhlmann mit Blick auf den konventionellen ID, den ID Buzz und den ID Crozz, der als elektrisches Crossover zumindest in den USA den Anfang der Reihe machen wird.

Neben dem Engagement der Deutschen fallen die anderen Importeure auf dem US-Markt kaum auf: Ein gestreckter Lexus RX mit etwas mehr Platz auf der Rückbank, der kleine Nissan Kicks als braver US-Nachfolger des schrägen Juke oder ein Facelift für den bereits zweimal überarbeiteten Mazda 6. Einzig der Infiniti QX50 sorgt als Herausforderer für Mercedes GLC, Audi Q5 und BMW X3 für ein bisschen Aufsehen − wegen seines markanten Designs und mehr noch wegen seines Motors. Nicht umsonst treibt ihn der erste Benziner mit variabler Verdichtung an.

Ausnahmsweise lohnt diesmal auch der Blick zu den US-Marken − selbst wenn Ford tatsächlich ganz ohne Neuheit nach Los Angeles gekommen ist. Dafür zeigt General Motors mit der neuen Corvette ZR1 den vielleicht schärfsten Sportwagen, den sie in Detroit je gebaut haben. Schließlich hat der 765 PS, fast 1000 Newtonmeter Drehmoment und ist gut für einen Sprintwert von weniger als drei Sekunden. Und beim FCA-Konzern geht eine Legende in die nächste Runde. Denn nach rund zehn Jahren präsentiert Jeep endlich den neuen Wrangler und bleibt den alten Idealen dabei treu. Denn auch nach über 70 Jahren sieht der Geländegänger, den es mit einem 197 PS starken Diesel, einem neuen Zweiliter-Turbo mit 270 und einem 3,7 Liter großen V6 mit 285 Pferdestärken geben wird, noch beinahe so aus wie am ersten Tag. Und das ist auch gut so.

Happy End in Hollywood
Porsche zelebriert in Kalifornien die Weltpremiere der GTS-Version der 718er-Baureihe. Für den Antrieb sorgt ein Vierzylindermotor mit 365 Pferdestärken.  
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Mazda hat seinen 6er außen und innen dezent überarbeitet. Modifiziert wurden auch die Motoren, zudem sind erweiterte Komfort- und Sicherheitsfeatures erhältlich.  
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Mercedes zeigt in Los Angeles die dritte Generation des formschönen viertürigen Coupés CLS. Fotos: Thomas Geiger