Cool, cooler, Opel

TEST Der neue Crossland X: Mit Hilfe aus Frankreich wird der Nachfolger des Meriva zum trendigen Fahrzeug

 

Von Thomas Geiger

Vor einem halben Jahr hat Opel zu Preisen ab 16 990 Euro den neuen Crossland X an den Start gebracht – und damit das erste Modell, das der Autobauer gemeinsam mit den im PSA-Konzern vereinten Marken Peugeot und Citroën entwickelt hat. Zwar war beim Beginn der Kooperation vom Verkauf der Deutschen an die Franzosen noch nicht die Rede, doch gilt der kleine Crossover als Prototyp dessen, was möglich ist, wenn zwei starke Partner sich in den Dienst der Sache stellen und konstruktiv zusammenarbeiten.
Für Opel jedenfalls ist der Crossland X ein echter Gewinn. Denn selbst wenn er nicht so pfiffig ist wie der Meriva mit seinen gegenläufig angeschlagenen Fondtüren, hat er beste Aussichten auf einen großen Erfolg. Während die Zulassungen für Vans ins Bodenlose fallen und der altbackene Meriva zuletzt als eher verstaubter Opel galt, gehen die Prognosen für handliche Geländewagen durch die Decke. Kein anderes Segment wird in den nächsten Jahren so stark zulegen wie dieses.

Praktisch
Auch wenn der Crossland X aus seiner Abenteuerlust keinen Hehl macht, deutlich bulliger aussieht als der Meriva, sich stilistisch an den erfolgreichen Mokka X heranmacht und am Steuer wie alle Crossover deutlich über den Dingen steht, ist er deshalb aber nicht weniger praktisch. Mit 4,21 Metern etwa zehn Zentimeter kürzer als der letzte Meriva oder 20 Zentimeter kürzer als der aktuelle Astra, dafür aber zehn Zentimeter höher, bietet er innen nicht nur viel Platz, sondern auch die Variabilität eines Vans. Nicht umsonst kann man die beiden asymmetrischen Elemente der Rückbank um 15 Zentimeter verschieben. Das gibt den Insassen nicht nur mehr Flexibilität als bei den meisten Konkurrenten, sondern auch mehr Freiheiten: Mit der Rückbank auf der letzten Rille können im Fond selbst Sitzriesen halbwegs entspannt fahren. Der Kofferraum wächst schrittweise von 410 auf 520 oder bis zu 1255 Liter. „Das ist konkurrenzlos im Segment“, sagt Projektleiter Georg Schade.
Zwar muss man auf die eigenwilligen Türen verzichten, Doch alles, was man sonst von Opel kennt, ist auch beim Crossland X an Bord. Das gilt insbesondere fürs Infotainment: Auch das französische Kuckuckskind bekommt deshalb das vertraute Opel-Cockpit sowie den um so moderneren Touchscreen in der Mittelkonsole. Der ist nämlich nicht nur stolze acht Inch groß und hübsch anzusehen. In ihm ist auch das On Star-Modul integriert, das eine Standleitung zur Cyber-Nanny hält, bei der Routenführung hilft und den Crossland X zum mobilen WLAN-Hotspot macht. Damit will Opel nicht nur auf der Straße auf die Überholspur wechseln, sondern auch auf der Datenautobahn in Führung bleiben. Dazu gibt es ein paar weitere Extras, mit denen die Hessen technische Führungsstärke beweisen wollen: Außen sind das die LED-Scheinwerfer mit Matrixlicht und innen zum Beispiel das Head- Up-Display.

Fahrwerk
Niemand bei Opel macht einen Hehl daraus, dass der Crossland X ein Gemeinschaftsprojekt ist, das uns bei Citroën zum Beispiel seit kurzem als C3 Aircross begegnet. Doch um so stärker merkt man dem Auto sein Bemühen um Eigenständigkeit an – selbst wenn einem beim zweiten oder dritten Blick überall die Logos der unterschiedlichen beteiligten Marken und Konzerne begegnen. Das gilt nicht nur für das Design, das sich nahtlos in die aktuelle Opel-Sprache schmiegt. Sondern es gilt mehr noch für das Fahrverhalten: „Man soll schon auf den ersten Metern spüren, dass man in einem Opel sitzt“, sagt Projektleiter Schade.Wo es die Franzosen gerne etwas behäbig, ja fast beliebig mögen, gibt sich der Opel umso bestimmter: Denn das Fahrwerk ist bei allem Komfort vergleichsweise stramm und die Lenkung ist direkter als man erwarten würde.