Alles auf Neuanfang

AUDI Autobauer startet 2018 die bislang größte Modelloffensive seiner Geschichte – Mehrere Fahrzeuge aus Neckarsulm

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So in etwa wie auf dieser Illustration soll er aussehen, der neue A6 Avant aus Neckarsulm. Foto: Audi  

Von unserem Redakteur
Alexander Schnell

Erst die Kritik um das viel zu gleichförmige Design. Dann der Dieselskandal. Im Frühjahr 2017 massive Absatzeinbrüche in China. Audi hat eine turbulente Zeit hinter sich. Das alles will Rupert Stadler hinter sich lassen. Der Audi-Chef brennt darauf, den Autobauer gestärkt aus der Krise an die Spitze zu führen. „Mit der Dieselkrise ist ein Riesenruck durch unser Unternehmen gegangen“, sagt der 54-Jährige. Für den Neustart war aber auch eine frische Unternehmenskultur nötig, die auf mehr Eigenverantwortung setzt – und weniger auf Eingriffe der Mutter Volkswagen.
2017 ist abgehakt, 2018 stehen die Zeichen auf Neuanfang. Und der hat es in sich. Denn Audi läutet in diesen Tagen die bisher größte Modelloffensive seiner Unternehmensgeschichte ein. In den nächsten drei bis vier Jahren werden alle Baureihen einmal erneuert, weitere Modelle kommen hinzu. „Allein in den nächsten zwölf Monaten kommen viele neue Fahrzeuge: A8, A7 und A6 Limousine und A6 Avant aus dem Werk Neckarsulm, der Q8, der vollelektrische E-Tron, der A1, der Q3 sowie ein Facelift für den TT“, erzählt Rupert Stadler. „Wir hatten noch nie ein so dichtes Anlauf- und Markteinführungsprogramm.“

Sportliche Optik
Dabei spielt auch der Standort Neckarsulm eine wichtige Rolle. Das Flaggschiff A8 ist bereits im Handel, im Frühjahr folgt die zweite Generation des A7. Das viertürige Coupé ist das zweite Auto aus der Feder von Designchef Marc Lichte und seinem Team. Viele Elemente der Studie Prologue (2014) sind erhalten geblieben. Vorne ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem sechseckigen Grill, die Silhouette des 4,97 Meter langen Schmuckstücks wirkt flacher, gestraffter und muskulöser. Dazu hinten ein knackiges Heck mit durchgehend rotem Leuchtenband und einem ab Tempo 120 ausfahrenden Spoiler – so sportlich kann die Oberklasse auf einmal sein. Im März stellt Audi beim Autosalon in Genf dann das dritte Auto aus Neckarsulm vor: den A6, zunächst als Limousine, später auch als Kombi. Ein Plug-in-Hybrid ist fest eingeplant. Entwicklungsvorstand Peter Mertens kann sich sogar eine besonders umweltfreundliche Erdgas-Variante für den Konkurrenten von BMW 5er und Mercedes E-Klasse vorstellen.
Zumindest mit Blick auf die Zukunft dürfte die Premiere des E-Tron im Spätsommer die wichtigste Neuheit für Audi in diesem Jahr sein. Der Stromer wird als weiteres SUV zwischen Q5 und Q7 positioniert. Mit einer Leistung von 320 kW/ 435 PS, die beim Boosten sogar auf 370 kW/503 PS und ein Drehmoment von 800 Newtonmetern gesteigert werden kann, setzt der erste serienmäßige Elektro-Audi aus dem Werk Brüssel auf Sportlichkeit. Die Reichweite soll laut Audi rund 500 Kilometer betragen.

Luxuriöses SUV
Apropos SUVs: Nahezu jeder dritte neue Audi war zuletzt ein Stadtgeländewagen. Tendenz steigend. Deshalb stellt die Marke ihrem großen Geländewagen Q7 ab Oktober den luxuriösen Q8 zur Seite – mit einer sehr coupéhaften Formensprache. Einen ersten Ausblick hat das Unternehmen vor fast genau einem Jahr bei der Automesse in der US-Stadt Detroit mit der Designstudie Q8 Concept gegeben. Das kommende Flaggschiff der SUV-Palette ist kompakter als der Q7 und mit seinem stark abfallenden Heck schnittiger gezeichnet.
Mehr Modelle, mehr Antriebsvarianten – ein Mammutprogramm für das Unternehmen. Peter Mertens will Audi um 30 Prozent effektiver machen. „Wir müssen nicht in allen Kriterien die Besten sein, sondern in den für uns wichtigen“, sagt der Vorstand für technische Entwicklung. Durch die Fokussierung auf wesentliche Themen will Mertens die Kosten bei der Marke mit den vier Ringen reduzieren. „Als ich zu Volvo kam, war das Unternehmen extrem prozessorientiert, bei Audi steht klar das Produkt im Vordergrund. Ich versuche nun, Strukturen zu etablieren, um dadurch Audi zu helfen, schneller und effizienter zu werden“, so Mertens. „Da sind 30 Prozent drin, das garantiere ich.“

Diesel
Auch wenig nachgefragte Modellvarianten werden nach Informationen der Heilbronner Stimme künftig entfallen – so soll es den neuen A1 (Start: Oktober) nicht mehr als Dreitürer geben. Mehr noch: Audis kleinstes Modell soll dem Vernehmen nach nicht mehr mit Dieselmotoren angeboten werden. Grundsätzlich hält Mertens am Selbstzünder fest: „Mit der richtigen Abgasnachbehandlung ist der Diesel der effizienteste Antrieb überhaupt.“