NSU-Experte Binninger: Alle Fotos vom Tatort nochmals prüfen

Polizistenmord  Der CDU-Innenpolitiker Clemens Binninger sieht nach der späten Identifizierung eines NSU-Schriftzuges am Tatort des Kiesewetter-Mordes Anlass zu neuen Untersuchungen.

Von Hans-Jürgen Deglow

Clemens Binninger (CDU), Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, sieht im Fall der Berichte über einen NSU-Schriftzug in Heilbronn Aufklärungsbedarf. Der CDU-Politiker sagte der „Heilbronner Stimme“, anhand der nun analysierten Fotos sei sicher, dass dieser Schriftzug schon Ende April 2007 auf dieser Wand war. Offen sei derzeit allerdings, ob es einen Bezug zur Tat gebe oder es sich um eine belanglose Farbschmiererei handle. Binninger: „Sollte es aber einen Tatbezug geben, würde dies bedeuten, dass es neben den NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt noch weitere Täter oder Sympathisanten mit Täterwissen gibt.“

Markierung gab es schon Ende 2007

Binninger forderte zudem im Gespräch mit der Stimme, alle Fotos vom Tattag und den Tagen danach nochmals im Original zu prüfen. Es sei auffällig, dass der NSU-Schriftzug nur knapp oberhalb des Fundamentes angebracht worden sei. „Das wirkt, als ob es für sich allein steht und nicht zu dem vorhanden Graffiti gehört“ sagte Binninger.  „Wenn die Buchstaben 2011 nach dem Auffliegen des NSU entstanden worden wären, hätte dies keine Relevanz. Aber das es diese Markierung schon Ende April 2007 gab, wie sich leider erst jetzt herausgestellt hat, gibt doch zu denken." Es sei aber nicht auszuschließen, dass der Schriftzug dort schon länger und auch in einem ganz anderen Zusammenhang angebracht wurde, so Binninger.

Binninger erklärte, um das zu ermitteln, müsste man die Polizei fragen, ob es in Heilbronn in der Vergangenheit auch anderswo Graffitis mit den Buchstaben NSU gegeben habe. „Hilfreich wäre es auch, zu prüfen, ob es weitere ältere Fotos von dem Trafohäuschen gibt, so dass man den Zeitraum weiter eingrenzen kann. Auch wäre wichtig zu wissen, ob der Tatort in den Tagen und Nächten nach dem Mord bewacht wurde."