Saubere Sache bei Kärcher

Winnenden  Winnenden - Der Reinigerhersteller Kärcher ist gewachsen und investiert weitere Millionen. 2011 war für die Firma ein Rekordjahr mit einer Umsatzsteigerung von elf Prozent.

Von unserem Redakteur Heiko Fritze

Kärcher
Für Kärcher war 2011 ein Rekordjahr. Foto: privat
Winnenden - Es war erneut ein Rekordjahr, das Hartmut Jenner nun vermelden kann: Der Reinigerhersteller Kärcher hat 2011 den Umsatz um elf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro gesteigert. Die Mitarbeiterzahl stieg zum Jahresende auf etwa 8700 in 54 Ländern.

Neben dem Stammsitz Winnenden mit 2200 Beschäftigten zählen Obersontheim und Bühlertann im Kreis Schwäbisch Hall mit mehr als 1000 Mitarbeitern zu den größten Standorten im Konzern.

Homogen gewachsen

Und das Wachstum geht weiter, so dass diese Zahlen längst nicht mehr aktuell sind: Zurzeit zählt die Belegschaft 9000 Köpfe in 57 Ländern, berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Wir sind ziemlich homogen gewachsen“, sagt er über das abgelaufene Jahr: Größere Ausreißer habe es weder nach oben noch nach unten gegeben – außer vielleicht Griechenland, wo der Umsatz 2011 schon nachließ.

Gut gelaufen sei es unter anderem in Asien und Osteuropa, in den USA und Südamerika, in Deutschland, wo ein neuer Rekordumsatz eingefahren wurde, und in den anderen europäischen Ländern.

Für 2012 sieben Prozent Wachstum angepeilt

Das sieht dieses Jahr schon anders aus, sagt Jenner: Mittlerweile sei der Absatz in den kriselnden Mittelmeerländern Portugal, Spanien, Italien und Griechenland eingebrochen. Die USA seien erstaunlich stark, während die Dynamik in China nachgelassen habe.

Dennoch habe Kärcher bis Mai den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im zweistelligen Prozentbereich gesteigert, geplant sei für 2012 ein Wachstum von sechs bis sieben Prozent. Trotz des guten Starts bleibt Jenner zurückhaltend, ob die Marke erreicht wird.

300 Neueinstellungen in Deutschland

Klar ist aber, dass die Belegschaft weiter wachsen soll. „In Deutschland werden wir mindestens 300 Leute einstellen“, kündigt er an. Facharbeiter und Ingenieure seien genauso gesucht wie einfache Tätigkeiten. „Wir spüren eine Über-Akademisierung der Gesellschaft“, kritisiert Jenner.

„An bestimmten Standorten, wie im Oberen Bühlertal, merken wir schon, dass es bei einfachen Jobs mit dem Personal eng wird. Im akademischen Bereich ist es fast leichter, Leute zu finden.“ Da seien Initiativen wie jene des Schwäbisch Haller Oberbürgermeisters zu begrüßen: Hermann-Josef Pelgrim hatte kürzlich in Portugal um Arbeitskräfte geworben – prompt schickten etwa 10 000 Menschen ihre Unterlagen.

Bedarf bei Kärcher ist jedenfalls da – denn es wird weiter investiert: Am Stammsitz wird bereits gebaut, soeben wurde eine stillgelegte Ziegelfabrik in Steinwurfweite der Hauptverwaltung erworben. In Obersontheim ist am 6. Juni erneut Spatenstich, obwohl gerade erst das Logistikzentrum verdoppelt wird: Dort soll für neun Millionen Euro ein Bürogebäude sowie eine Produktion für ein neues Sortiment aus dem Bereich Kehrmaschinen hochgezogen werden, deutet Jenner an.

Keine Angaben zum Gewinn

Dabei würden auch weitere Arbeitsplätze geschaffen. „Wir lassen uns eben nicht von der Konjunktur treiben“, sagt der Chef der Geschäftsführung. „Wir investieren auch schon mal antizyklisch.“ Dadurch habe Kärcher jedes Jahr den Umsatz gesteigert, nie Personal abgebaut, stets alle Auszubildenden übernommen. „Wir sind das beste Beispiel dafür, dass Globalisierung auch in Deutschland Arbeitsplätze schafft“, sagt er. Nach wie vor arbeiteten 43 Prozent der Beschäftigten im Inland – obwohl hier nur 15 Prozent des Umsatzes erzielt werden.

Keine Angaben macht der Geschäftsführer zum Gewinn des Familienunternehmens. „Man ist zufrieden“, heißt es nur. Allerdings hätten 2011 die Rohstoffpreise die Margen gedrückt – vor allem die hohen Kosten für Kupfer, Zink und Aluminium sowie Treibstoff. Immerhin habe sich der Trend dieses Jahr nicht fortgesetzt, berichtet Jenner. „Und zum Teil haben wir die Preise auch angepasst.“