Wirtschaftswissenschaftler: Pilotabschluss guter Kompromiss

Bremen (dpa/lni)  Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hat die Verständigung in der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs als Sieg für das deutsche Tarifsystem gewertet.

Rudolf Hickel
Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel in Bremen. Foto: Ingo Wagner/Archiv

Die Arbeitgeberverbände und die IG Metall hätten Mut zur Innovation im Bereich Arbeitszeit bewiesen, sagte Hickel am Dienstag in Bremen. Der Tarifabschluss sei ein echter, produktiver Kompromiss und kein fauler Kompromiss, der am Ende nur allen schade. «Von dieser zukunftsorientieren Handlungsfähigkeit kann die Politik nur lernen», sagte Hickel.

Beide Seiten hatten sich auf eine Lohnerhöhung um 4,3 Prozent ab April verständigt. Zudem wurde vereinbart, dass Mitarbeiter künftig ihre Arbeitszeit für die Dauer von zwei Jahren auf 28 Stunden in der Woche reduzieren können. Im Gegenzug dürfen Betriebe dann mit mehr Beschäftigten als bisher 40-Stunden-Verträge abschließen.

Die Einigung in Baden-Württemberg gilt als Pilotabschluss für die deutschlandweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall Küste will am Donnerstag in Hamburg mit den Arbeitgebern über die Übernahme des Abschlusses für die rund 140 000 Beschäftigten in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordwestniedersachsen und Schleswig-Holstein verhandeln.