Daimler hat noch nicht genug

Von unserem Redakteur Jürgen Strammer

Daimler hat noch nicht genug
Gut gelaunt: Finanzchef Bodo Uebber (links) und Konzernlenker Dieter Zetsche. Das Unternehmen hat ein hervorragendes Jahr abgeschlossen und erwartet auch 2012 keine nennenswerten Rückschläge.Foto: dpa 

Stuttgart - Die Dramaturgie stimmt: Passend zum Jubeljahr der Erfindung des Automobils vor 125 Jahren hat die Stuttgarter Daimler AG ein Rekordergebnis für 2011 abgeliefert. Entsprechend selbstbewusst gab sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern bei der Vorlage der Bilanzzahlen.

Von der Finanzkrise in Europa lässt sich der Konzernlenker nicht schrecken. Die Perspektiven seien weltweit ähnlich günstig wie vor einem Jahr. In allen Sparten, außer bei den Bussen, erwartet er in diesem Jahr weitere Steigerungen. Dominierend werden die Autos bleiben, die bereits in diesem Jahr 5,2 Milliarden Euro des insgesamt 8,8 Milliarden Euro umfassenden Vorsteuergewinns beigesteuert haben. Diesen Vorsteuergewinn aus dem laufenden Geschäft strebt Zetsche auch für dieses Jahr wieder an, obwohl "in erheblichem Umfang" in neue Produkte, Technologien und Märkte investiert werden soll.

China-Boom Der späte, aber nicht zu späte, Einstieg in China hat sich ausgezahlt, heißt es. Zetsche: "Die Dynamik ist atemberaubend". Rund zehn Prozent des Pkw-Umsatzes von 57,4 Milliarden Euro wurden bereits in China erzielt. Nun werde das Werk in China "massiv ausgebaut".

Zweitgrößter Umsatzbringer war 2011 die Lkw-Sparte mit 28,8 Milliarden Euro (plus 20 Prozent) vor der prosperierenden Finanzsparte mit 12,1 Milliarden Euro. Der Transporter-Bereich steuerte 9,2 Milliarden Umsatz bei, die Bus-Sparte 4,4 Milliarden. Fast alle Geschäftsfelder legten auch beim Vorsteuergewinn deutlich zu, nur die Bus-Sparte rutschte um 25 Prozent ab, blieb aber noch deutlich in den schwarzen Zahlen. Diese Einbußen wurden unter anderem mit der Zurückhaltung der finanzschwachen Kommunen beim Kauf neuer Stadtbusse erklärt.

Trotz der Rekordjagd im Jahr 2011 hat Daimler nicht alle Ziele erfüllt. Die angestrebte Umsatzrendite im Pkw-Bereich von zehn Prozent wurde mit neun Prozent nicht ganz erreicht. Die Konkurrenten BMW und Audi dürften besser abgeschnitten haben, deutete auch Zetsche an: Aber an unserer Anspruchshaltung führend sein zu wollen, ändert sich nichts." Wenig später weist er aber darauf hin, dass die Rendite im laufenden Jahr wahrscheinlich sinken werde. Zetsche begründet das mit hohen Aufwendungen für neue Modelle, die CO2-Reduzierung und neue Entwicklungsaktivitäten. 2013 soll es dann aber besser werden.

Modelloffensive Als Hoffnungsträger gelten dabei auch zehn komplett neue Modelle, die die bisherige Angebotspalette bis 2015 abrunden sollen. Drei Modelle sollen dabei in der hart umkämpften Kompaktklasse antreten. Das Ziel: Bis 2020 will Daimler der Premiumanbieter mit der höchsten Absatzzahl sein.

Der Ausbau der dafür notwendigen Produktionskapazitäten wird aber vor allem im Ausland erfolgen. Genauso werden neue Stellen auch vorwiegend dort entstehen. In Deutschland wird eine stabile Beschäftigung erwartet. Weltweit wurde die Belegschaft bereits im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 271 370 erhöht.

Außerhalb Deutschlands will Daimler auch keineswegs immer alleine marschieren. Weitere Kooperationen, wie mit Renault-Nissan, hält Zetsche vor allem bei Komponenten für möglich.

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