Frontalzusammenstoß: Über 30 Verletzte bei Straßenbahn-Unfall in Karlsruhe (14.01.2010)

 Bildergalerie: Straßenbahn-Unglück in Karlsruhe | 14.01
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Karlsruhe/Heilbronn - Es ist 11.30 Uhr, als in der Karlsruher Polizeizentrale der Notruf eingeht. Drei Minuten später sind die ersten Notdienste bereits an der Kreuzung. Ihnen bietet sich am Donnerstag ein schreckliches Bild: Zwei Straßenbahnen sind ineinander verkeilt, Scherben liegen herum, Insassen bluten, die beiden Fahrer sind in ihren schwer demolierten Kabinen eingeklemmt. Insgesamt werden bei den Crash 33 Menschen verletzt, sechs von ihnen schwer, außerdem schweben die Fahrer in Lebensgefahr.

Aber wieso können zwei Bahnen auf demselben Gleis zusammenstoßen? Die Signale an den Weichen haben nach Erkenntnissen der Verkehrsbetriebe funktioniert. „Menschliches Versagen kann nicht ausgeschlossen werden“, meint Straßenbahnchef Walter Casazza.

Fahrer aus Heilbronn

Zeugen sagen aus, die eine Bahn sei nach der Haltestelle zunächst angefahren, dann habe ein starker Ruck die Fahrgäste von ihren Sitzplätzen gerissen. Ungebremst seien die Bahnen zusammengeprallt, teilt die Polizei später mit. Karlsruhes Bürgermeister Klaus Stapf (Grüne) spricht von einem „besonders tragischen Unfall für die beiden Fahrer“.

Während einer der beiden Fahrer schnell aus seiner Kabine gerettet werden kann, muss die Feuerwehr Schneidegerät zur Hand nehmen, um den anderen erst eine Stunde später aus den Trümmern zu retten. Noch in der Bahn wird ihm sein eingeklemmter Fuß amputiert. Beide Männer werden sofort in Krankenhäusern notoperiert. Wie die Polizei am Abend mitteilt, stammen die beiden Straßenbahnfahrer aus Heilbronn (44) und Karlsruhe (36).

Die Gleise werden bis zum Abend gesperrt. Der Sachschaden liegt bei etwa einer halben Million Euro.

Beeinträchtigungen

Zu Beeinträchtigungen kommt es auch auf der Stadtbahnlinie zwischen Karlsruhe, Bretten, Eppingen und Heilbronn. Die S4 muss im Stadtgebiet Karlsruhe um die Unfallstelle herumgeleitet werden, so dass die Züge mit fünf bis 15 Minuten Verspätung unterwegs sind.

Mehr als 200 Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter sind im Einsatz, auch ein Rettungshubschrauber kommt zum Ort des Unfalls. Zunächst werden die Leichtverletzten in einem Straßenbahnwaggon versorgt, damit Schaulustige keine Chance haben, etwas zu sehen. Kurze Zeit später steht ein Notfallzelt für die Verletzten bereit.

Rückblick

„Es ist der schlimmste Straßenbahnunfall in den letzten Jahren“, sagt ein Karlsruher Polizeisprecher angesichts der Trümmer auf den Gleisen. Einen Vergleich zu einem anderen Straßenbahnunfall im Oktober 2008 will Bahnchef Casazza nicht ziehen: „Das war eine völlig andere Ursache“, sagt er. Eine Tram war damals überraschend an einer Kreuzung abgebogen, an der sie hätte geradeaus fahren sollen - und mit einer entgegenkommenden Straßenbahn zusammengeprallt. Eine Weiche soll dafür verantwortlich gewesen sein, außerdem war eine weitere Sicherung ausgefallen, die ein Zwangsbremsen ausgelöst hätte. 15 Menschen waren verletzt worden.

Der Unfall am Donnerstag ereignete sich wenige Tage vor dem Spatenstich für den umstrittenen Bau eines Straßenbahntunnels in der Innenstadt. Für insgesamt 587 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren zwei Tunnel gebaut werden. Durch den einen wird der Stadtbahntunnel in der Fußgängerzone unter die Erde verlegt, der andere soll das Verkehrsproblem auf einer der zentralen Verbindungsstraßen lösen. red/lsw

Weitere Infos auf der Website des Karlsruher Verkehrsverbundes.


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