Buh-Rufe von Studenten für Merkel und Oettinger

Heidelberg - Mit Buh-Rufen sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (beide CDU) am Samstag von Studenten in Heidelberg empfangen worden. Mehrere hundert Studenten protestierten bei der Abschlusskundgebung der CDU zum Wahlkampf für die Europawahl gegen die Bildungspolitik der Partei. Vor allem Oettingers Ansprache wurde von Pfiffen und Zwischenrufen gestört. Die lautstarke Kritik richtete sich insbesondere gegen die an den Universitäten im Südwesten erhobenen Studiengebühren.

Kanzlerin reagiert gelassen

Kanzlerin Merkel reagierte gelassen auf die Störungen und erinnerte an die Prinzipien der Demokratie. Sie wisse, wie es sich anfühle, nicht in Freiheit zu leben, sagte sie mit Blick auf ihre DDR-Vergangenheit. „Da durfte man auf dem Platz beispielsweise nicht so rumschreien wie Sie jetzt“, rief sie den Demonstranten zu.

Einen Tag nach dem Treffen mit US-Präsident Brack Obama in Dresden nutzte Merkel den Besuch in Heidelberg, um sich im Beisein von Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) in das goldene Buch der Universitätsstadt einzutragen. Nachdem der Regen aufgehört hatte, entschied sie spontan, zu Fuß durch die Innenstadt zur CDU-Wahlkampfveranstaltung auf dem Universitätsplatz zu gehen. Fröhlich winkte sie Touristen zu und probierte Häppchen eines Bioladens, die ein Verkäufer auf der Straße anbot.

5000 Zuhörer

Unmittelbar vor der EU-Wahl versuchte Merkel in Heidelberg gemeinsam mit Oettinger, CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sowie dem CDU-Spitzenkandidaten und Präsidenten des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, möglichst viele Menschen für den Urnengang zu mobilisieren. Die Beteiligung an der Wahl sei wichtig, weil es um die Weichenstellungen für die Arbeit der Europäischen Union gehe, betonte Merkel vor rund 5000 Zuhörern.

Ein starkes und vereintes Europa müsse dafür sorgen, dass sich eine internationale Wirtschafts- und Finanzkrise wie die aktuelle nicht wiederholen könne, betonte die Bundeskanzlerin. In Zeiten der Globalisierung könne ein Staat die Regeln jedoch nicht mehr allein aufstellen. „Wenn wir uns einig sind, können wir etwas bewegen“, erklärte Merkel. „Europa ist unsere Zukunft, damit wir die Globalisierung menschlich gestalten können.“ Großzügigen Staatshilfen für angeschlagene Unternehmen erteilte Merkel eine Absage. „Wir können nicht zulassen, dass der Steuerzahler dafür einspringen muss, dass andere eine Misswirtschaft betrieben haben und heute nicht für den Schaden eintreten wollen“, betonte sie.

Von ihrem gemeinsamen Besuch mit US-Präsident Obama im ehemaligen Nazi-Konzentrationslager Buchenwald zeigte sich die Kanzlerin noch immer tief bewegt. Sie erinnerte an das Grauen und an die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Die 60-jährige Geschichte der Bundesrepublik sei ohne die Zusammenarbeit mit den USA und mit Europa undenkbar. Dies gelte insbesondere auch für die deutsche Wiedervereinigung. „Europäische Union und Deutsche Einheit sind die zwei Seiten der Medaille“, sagte Merkel. lsw



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