Mahnwache für Hund Joshi

Rund 550 Menschen demonstrieren gegen Tierquälerei

Von Adrian Hoffmann

Mahnwache für Hund Joshi
Für die vielen Tierfreunde, bei denen der Fall Joshi für Empörung gesorgt hatte, war die Mahnwache in Zuzenhausen ein wichtiges Ereignis.Foto: Adrian Hoffmann

Zuzenhausen - Tiere haben keine Lobby", sagte Mahnwachen-Teilnehmerin Elke Walentin aus Heidelberg. Sie sei nach Zuzenhausen im Rhein-Neckar-Kreis gekommen, weil jedes Tier "unser Mitgefühl verdient". Sie finde die Aktion "überhaupt nicht übertrieben" − auch wenn das manche behaupten.

Sie hoffe, dass der Tierquäler, der Joshi gehalten hatte, "nicht mit einer Geldstrafe davonkommt". Die gesamte Familie des Halters war angezeigt worden, die Ermittlungen laufen noch. Der ungarische Hütehund Joshi wurde Ende April völlig verwahrlost in der Gartenstraße in Zuzenhausen aufgefunden − und musste wenig später von einer Tierärztin eingeschläfert werden.

Aufgebot der Polizei Die Tierfreunde gingen geschlossen vom Treffpunkt auf dem Parkplatz der Firma Leifheit zum 500 Meter entfernten Fundort. Begleitet wurden sie von einem großen Aufgebot der Polizei. Viele Menschen hielten Plakate mit Fotos von Joshi, andere trugen Fackeln und Kerzen.

Harald Kurzer, Sprecher der Heidelberger Polizei, empfand die Mahnwache als sehr angenehm. Es lief alles friedlich ab. Die Polizei hatte zunächst die Befürchtung, dass militante Tierschützer das Haus des Hundehalters aufsuchen, das nur wenige Meter vom Fundort entfernt ist. Dem war aber nicht so. Die Leiergasse blieb trotzdem bis zuletzt von der Polizei abgesperrt und wurde nach der Veranstaltung weiter beobachtet. Nach Informationen der Heilbronner Stimme war die Familie, die Joshi gehalten hatte, allerdings zum Zeitpunkt der Demonstration nicht vor Ort.

Ergreifende Rede Heinz Sänger, Vorsitzender des Sinsheimer Tierschutzvereins, hielt vor den rund 550 Teilnehmern eine Rede, in der er schilderte, was sich zugetragen hatte. "Mit Entsetzen und Verzweiflung" hätten die Mitarbeiter des Tierheims den Rüden aufgefunden, sein Schicksal sei "grausam und erbärmlich" gewesen. Menschliches Versagen und menschliche Schuld habe dazu geführt, dass es soweit kommen konnte.

Sänger forderte zwei Konsequenzen aus dem Fall: Veränderungen in der Zusammenarbeit mit Behörden und schärfere Kontrollen, außerdem einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft für den Tierschutz im Allgemeinen.

Auf Plakaten von Mahnwachen-Teilnehmern stand unter dem Foto von Joshi: "Warum hat man mir nicht früher geholfen?" Dieses Foto war es, das die große Anteilnahme, vor allem in Internetnetzwerken, ausgelöst hatte. Einige Besucher legten Blumen und Kerzen nieder. Das Sinsheimer Tierheim stellte einen Gedenkstein bereit, der später im Tierheim zu sehen sein soll. Thorsten Manser, Mahnwachen-Teilnehmer aus Siegelsbach, sagte: "Ich finde, jeder der hier war hat viel dazu beigetragen, das Bewusstsein auf Tierschutz und harte Strafen gegen Tierquäler zu lenken."