Ein Roboter öffnet die Herzen

Von Anika von Greve-Dierfeld

Baby-Roboter-Robbe Paro
Bewohnerinnen des Christinen-Stift in Baden-Baden streicheln Paro. Die Robbe mit dem interessanten Innenleben wird in einigen Ländern genutzt.Foto: lsw A3386 Uli Deck (dpa)

Baden-baden - Eng aneinandergerückt sitzen im Altenheim Christinen-Stift in Baden-Baden drei demenzkranke alte Damen und streicheln eine Robbe. Die 82-jährige Thea Burghard kämmt mit einer Babybürste sanft das Paro genannte Tier auf ihrem Schoß. Anneliese März (79) streichelt die Schwanzflosse des Knuddelwesens und erzählt: Kindheitserinnerungen von einer Mühle, einem Bauernhof, auf dem sie groß geworden ist. Katharina Müller sitzt daneben und wartet, bis sie an der Reihe ist.

Paro ist von Kopf bis Fuß auf Kuscheln eingestellt. Die Baby-Robbe hat weiches Fell, große schwarze Knopfaugen, lange Wimpern – und sie ist ein Roboter. Mit großem Erfolg bereits in Japan, Norwegen oder auch Schweden zur Therapie demenzkranker Menschen eingesetzt, wird Paro momentan auch in Deutschland getestet. Zwei Altenheime – in der Kurstadt sowie im niedersächsischen Lehre-Wendhausen – erproben als einzige Pflegeheime der Bundesrepublik, inwieweit das knuddelige Maschinchen Demenzkranken helfen kann, wieder mehr am Leben teilzunehmen.

„Durch Paro gelingt es mir sogar, zu Menschen Kontakt aufzunehmen, die sonst fast völlig abwesend sind“, sagt Wilma Falk. Die 52-jährige ausgebildete Erzieherin betreut die derzeit 19 Bewohner des Demenzbereiches im Christinen-Stift.

Seit November 2006 ist Paro im Stift – und Falk möchte ihn für ihre Arbeit nicht mehr missen. Unter den seidenweichen weißen Haaren des etwa 50 Zentimeter großen und drei Kilogramm schweren Tieres verbirgt sich ein kompliziertes Innenleben: Hochempfindliche Sensoren sorgen dafür, dass Berührungen und Geräusche von dem Kuschel-Roboter wahrgenommen und von ihm entsprechend beantwortet werden. Wird er liebkost, wendet er sich der betreffenden Person zu. Wird er geschlagen, dreht er sich weg. Ist der Strom alle, wird er wieder aufgeladen – über einen Schnuller.

Erfunden wurde die Robbe in Japan vom Wissenschaftler Takanori Shibata. In einer kleinen japanischen Stadt wird Paro per Hand hergestellt und gehört in einigen Heimen oder auch Privathaushalten schon zum Alltag. Auch in Deutschland soll der etwa 2500 Euro teure Paro bald auf den Markt kommen.

Den Heimen in Baden-Baden und Lehre-Wendhausen hat Shibata jeweils zwei Robben zur Verfügung gestellt und er bemüht sich derzeit bei deutschen Behörden um die Zulassung. Schon jetzt steht fest, dass der Einsatz von Paro das Leben der alten Menschen bereichert, sie ruhiger macht. „Ich muss zum Beispiel weniger Beruhigungs- oder Schlafmittel geben“, berichtet Falk.




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