Museum zeigt blecherne Schätze

Von Kristina Clauß

Blechdosenmuseum in Karlsruhe
Seit zwölf Jahren sammelt Michael Böhm Blechdosen.Foto: lsw A3386 Uli Deck (dpa)

Karlsruhe - Hier ist alles Blech. Rund 6000 Dosen stehen gestapelt, aneinandergereiht und auf Regalen drapiert in einem wohnzimmer-großen Raum in Karlsruhes Südstadt. Deutschlands erstes Blechdosenmuseum führt Besucher auf eine Reise zu den Konserven vergangener Zeiten. Die blechernen Schätze sind umgeben von zahlreichen Accessoires wie einem alten Kühlschrank aus den 30er Jahren. „Alles Kiste“ heißt das Museum der etwas anderen Art, das der Karlsruher Lebenskünstler Michael Böhm im Januar 2007 gegründet hat.

Bei seiner Arbeit als Haushaltsauflöser, Entrümpler und Leiter seines kleinen Unternehmens mit dem passenden Namen „Alles Kruscht“ fielen dem gelernten Schlosser immer wieder die antiken Blechbehälter in die Hände. Die Sammelleidenschaft packte ihn dann vor etwa zwölf Jahren.

Mit der Eröffnung des skurrilen Museums haben jetzt die Sammelstücke den Weg raus aus den Kisten im Keller und rein in die Öffentlichkeit gefunden. Unter den Tausenden von Blechdosen sind auch ganz besondere Objekte. Böhms außergewöhnlichstes Stück ist die „Wien-Dose“: Der Sammler ergatterte sie auf einem Zigeunerflohmarkt in der österreichischen Hauptstadt. In ihr sind sämtliche Eintrittskarten und Billetts dieses Urlaubs verborgen – inzwischen ähnelt sie eher einem Reiseführer über die Metropole.

Bis ins Jahr 1898 reichen die Blechdosen zurück. Ob Keks-, Creme-, Tabak- oder Kaffeedose, für Böhm ist jede einzelne etwas Besonderes. „Dosen haben für mich etwas mit Stil zu tun“ erklärt er. Doch irgendwann werde die Blechdosenkultur aussterben, da sie heutzutage als Verpackungsmaterial nicht mehr nachproduziert würden. „Momentan sind jedoch noch jede Menge Dosen im Umlauf.“

Das Museum in der Schützenstraße ist allerdings kein steriler Ort, in dem Schilder förmlich über die Ausstellungsstücke informieren. „Alles Kiste“ erinnert eher an einen kleinen Laden, der mit viel Liebe und Charme eingerichtet worden ist. Die Geschichte der Blechdosen erzählen die Exponate selbst mit ihren Etiketten und ihrem Aussehen. Für alle anderen Fragen steht „Kruscht“, wie Böhm auch genannt wird, zur Verfügung. „Das Blechdosenmuseum soll ein Ort des Austauschs sein und ein Erlebnis für jedermann“, betont der Sammler. Öffnungszeiten gibt es in „Alles Kiste“ nicht. Wer das außergewöhnliche Blechdosenmuseum mitsamt seinem Schöpfer kennenlernen will, ist trotzdem jederzeit willkommen. „Die Leute müssen nur auf mich zugehen“.

09.02.2008

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