Vor der Wahl heftige Kritik an Oberbürgermeister

Bretten  Die Stimmung ist aufgeheizt. Die Kontrahenten reiten heftige verbale Attacken, in der Lokalpresse tobt eine Leserbriefschlacht. Bei der Brettener Oberbürgermeisterwahl an diesem Sonntag wollen drei Konkurrenten dem Rathauschef Martin Wolff das Amt streitig machen.

Von Peter Boxheimer

Vor der Wahl heftige Kritik an Oberbürgermeister

Der Brettener Marktplatz mit seiner Fachwerkkulisse gehört zu den schönsten Stadtzentren im Kraichgau. Am Sonntag wählen die Bürger ihren Rathauschef. Amtsinhaber Martin Wolff wird von drei Konkurrenten herausgefordert.

Fotos: Peter Boxheimer

 

"Es gibt einen Haufen Ärger", beschreibt ein gut vernetzter Brettener die Stimmung in der 29.000-Einwohner-Stadt. Beherrschendes Wahlkampfthema war der Zwist um ein baulich marodes katholisches Altenheim, das von der Stadtmitte in eine Industriebrache umziehen sollte. Der geplante Standort an einer viel befahrenen Bahnlinie stieß in der Stadt des Humanisten Philipp Melanchthon auf heftigen Widerstand.

"Wie kann man alte Leute dorthin bringen?", fragten sich viele. Wenige Tage vor der Wahl hat die Caritas als Heimbetreiberin die Reißleine gezogen. Sie will die komplette katholische Altenhilfe inklusive ambulanter Pflege, Mittagstisch und Essen auf Rädern aus Bretten abziehen.

 Deftige Kritik

In Leserbriefen hagelt es vor allem deftige Kritik an OB Wolff. Die einen geißeln ihn als "Unruhestifter", andere überschreiben seine achtjährige Amtszeit mit "Pleiten, Pech und Pannen". Doch es gibt auch Unterstützung für das parteilose Stadtoberhaupt. So haben Mitglieder des Gemeinderats, Ärzte und Einzelhändler eine gemeinsame Zeitungsanzeige geschaltet. Wolff selbst verweist auf Erfolge unter seiner Führung: hohe Investitionen und die Halbierung der städtischen Schulden von 33 auf 16 Millionen Euro.

Zu den Herausforderern des Amtsinhabers gehört der CDU-Stadtrat Aaron Treut. Der 41-jährige Wirtschaftsingenieur, Ortsvorsteher von Ruit, kennt sich in der Brettener Kommunalpolitik bestens aus und kann auch in den acht anderen Stadtteilen auf beträchtliche Unterstützung hoffen. Er will vor allem "acht Jahre Stillstand" beenden.

Außenseiterchancen

Als Kandidat von außen hat Andreas Leiling bei der Kandidatenvorstellung eine gute Figur gemacht. Der 55-jährige Projektentwickler aus Stettfeld hat durch Schule und Ehefrau einen engen Bezug zu Bretten und will "einen direkten Draht zum OB" wieder einführen. Nur Außenseiterchancen werden dem 57-jährigen Heinz-Peter Schwertges aus Ubstadt-Weiher eingeräumt. Der Landschaftsgärtner, Kandidat der Linken, ist vor allem durch Clownereien aufgefallen.

Vor der Wahl heftige Kritik an Oberbürgermeister

Martin Wolff

 

Ob es dem Trio gelingt, den etwas hemdsärmligen Oberbürgermeister in einen zweiten Wahlgang zu zwingen, wird in Bretten eifrig diskutiert. "Er hat sich nicht wirklich Freunde gemacht", beschreibt ein Insider Wolffs Ansehen. Dass beim Ausbau des Glasfasernetzes die Brettener Kernstadt wegen fehlender Vertragsabschlüsse vom beauftragten Unternehmen noch ausgenommen ist, wird dem Mann auf dem Chefsessel ebenso angelastet wie der Planungswirrwarr beim zentrumsnahen Sporgassen-Parkplatz.

Zu allem Übel ist Wolffs Verhältnis zu seinem Amtsvorgänger Paul Metzger reichlich angespannt. Der nach wie vor populäre Alt-OB, als zweiter Vorsitzender der Vereinigung Brettener Unternehmer engagiert und umtriebig wie eh und je, hielt seinem Nachfolger öffentlich Fehler vor. Postwendend riet der Angegriffene Metzger, nicht immer dazwischenzufunken: "Das stört ungemein."