Sicherheitsbedenken nach Unfällen auf A3 und A5

Limburg/St. Leon-Rot  Auffahrende Lastwagen verursachten die beiden schweren Zusammenstöße bei Limburg und St. Leon-Rot und töteten sechs Menschen. Politiker fordern nicht abschaltbare Notbremssysteme und härtere Strafen für Gaffer für mehr Sicherheit.

Von Hans-Jürgen Deglow, Reto Bosch und Benjamin Richter

Unfall mit Reisebus
Ein Reisebus und ein Lastwagen sind nach einem Verkehrsunfall auf der Autobahn 3 ineinander verkeilt. Foto: dpa  

Schwere Auffahrunfälle auf der A5 bei St. Leon-Rot und auf der A3 bei Limburg haben eine Diskussion über die Sicherheit auf Autobahnen entfacht.

Unfall mit Fernbus

Am Dienstagvormittag hat ein folgenschweres Autobahnunglück mit einem Fernbus und drei Lastwagen auf der Autobahn 3 bei Limburg zwei Menschen das Leben gekostet. Mehr als zehn Menschen, darunter der Busfahrer, wurden teils schwer verletzt.

Der Bus fuhr laut Polizei auf der rechten Spur und war wegen eines Rückstaus bereits zum Stehen gekommen, als ein Lastwagen auffuhr. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Bus auf den vor ihm stehenden Lastwagen geschoben.

Am Stauende weit hinter der Unfallstelle kam es Stunden später zu einem weiteren Zusammenstoß. Dieses Mal fuhr ein Autofahrer in einen Laster und starb.

Zwei Kleinwagen zerquetscht

Der Unfall am Montag am Walldorfer Kreuz auf der Autobahn 5 hat vier Menschen aus dem Leben gerissen und einen schwer verletzt. Ein Sattelschlepper konnte nicht rechtzeitig bremsen, als ein Lastwagen vor ihm und zwei dazwischen fahrende Kleinwagen auf der rechten von drei Spuren bremsten und zum Stehen kamen. Mit Wucht schob er die beiden kleineren Fahrzeuge unter den vorderen Laster.

Kirsten Lühmann, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, fordert in Anbetracht der schweren Unfälle in den vergangenen Tagen eine Pflicht für nicht abschaltbare Notbremssysteme. Lühmann sagte dieser Zeitung: "Die schweren Unfälle der letzten Tage sind, wie alle Unfälle mit Personenschaden, äußerst tragisch. Auch wenn sich die Ursachen aus der Ferne nicht für jeden Unfall klar benennen lassen, ist es tatsächlich so, dass viele schwere Unfälle mit Lkw verhindert werden können. Deshalb brauchen wir dringend eine Pflicht für nicht abschaltbare Notbremssysteme für Lkw und Busse."

Nachrüstpflicht prüfen

Lühmann fügte hinzu: "Auch muss nun geprüft werden, ob es eine Nachrüstpflicht für Lkw- Abstandswarnsysteme geben kann. Außerdem sollen die Kontrollbehörden besser personell ausgestattet werden, so können bestehende Regeln besser durchgesetzt werden. Mit diesem Maßnahmenpaket lassen sich viele Unfälle künftig verhindern." Sie mahnte außerdem eine Einbaupflicht für Abbiegeassistenten in Lastwagen an. Dazu sagte sie: "Für den Stadtverkehr sind Abbiegeassistenten besonders wichtig, um Unfälle mit Fahrrädern zu verhindern. SPD und Union haben sich genau darauf im Entwurf für den Koalitionsvertrag geeinigt."

"Gaffer-Unfall" mit sieben Autos

Auf der Gegenfahrbahn ereignete sich am Montag am Walldorfer Kreuz ein weiterer schwerer Auffahrunfall, an dem sieben Autos beteiligt waren. Die Behörden sprachen von einem "Gaffer-Unfall".

Gaffen wird auch in der Region Heilbronn zunehmend zum Problem. Das beklagt Reinhold Gall, ehemaliger Landesinnenminister und amtierender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Heilbronn. Mobile Sichtschutzwände seien grundsätzlich in Ordnung, binden aber Personal. "Es gibt im Einsatz meist sehr viel wichtigere Dinge zu tun", sagte Gall der Heilbronner Stimme und ergänzte: "Ich fordere eine harte Bestrafung."

Gaffer erschweren Arbeit der Polizisten

Schwierig sei es, die Täter zu überführen. Direkt beim Einsatz habe auch die Polizei anderes zu tun, als die Personalien von Gaffern aufzunehmen. Beim Nacharbeiten von Einsätzen sollten nach Ansicht des Obersulmer Landtagsabgeordneten und Parlamentarischen Geschäftsführers der SPD aber Fotos ausgewertet und zur Strafverfolgung genutzt werden. Kein Verständnis hat Gall, wenn Lkw-Fahrer die Notbremsassistenten ausschalten. "Das müsste technisch unterbunden werden."

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