Restaurant in Friedrichsruhe erhält zweiten Stern

Potsdam/Zweiflingen  Baden-Württemberg ist traditionell eine Hochburg der Feinschmecker. 74 Restaurants dürfen sich 2018 mit einem oder mehreren „Michelin“-Sternen schmücken. Ein Edelrestaurant im Hohenlohekreis bekommt seinen zweiten Stern.

Von Jens Dierolf und dpa

«Guide Michelin» in Potsdam
Die Köche (v.l.) Nils Henkel, Christian Scharrer, Jan Hartwig, Boris Rommel und Lars Keiling bei der Präsentation des Restaurantführers «Guide Michelin» Deutschland 2018 in Potsdam (Brandenburg). Foto: Bernd Brundert/Guide Michelin/dpa  

Es ist mehr als eine Überraschung: Das Restaurant „Le Cerf“ im Wald & Schlosshotel in Friedrichsruhe-Zweiflingen darf sich im neuen „Guide Michelin“ Deutschland mit einem zweiten Stern schmücken. Boris Rommel, der seit Februar 2016 Küchenchef im Fünf-Sterne-Hotel ist, hat damit einen besonderen Aufstieg geschafft.

„Ich habe fest damit gerechnet, dass wir in Zukunft einen zweiten Stern bekommen, dass es aber so schnell geht, ist eine kleine Sensation“, sagte Hoteldirektor Jürgen Wegmann der Heilbronner Stimme. „Die Stimmung ist überwältigend.“ Es bestätige nun die hervorragende Leistung des ganzen Teams.

Harald Wohlfahrt nicht mehr vertreten

In der Ausgabe 2018 des Restaurantführers sind insgesamt 300 Sterne-Restaurants verzeichnet. Damit dürfen sich so viele Restaurants wie nie zuvor mit Sternen schmücken. Erstmals seit Jahrzehnten ist Harald Wohlfahrt (62) nicht mehr im „Guide Michelin“ vertreten – er ist nicht mehr Küchenchef der „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn. Das Restaurant im „Hotel Traube Tonbach“ behält aber auch unter Wohlfahrts Nachfolger Torsten Michel seine drei Sterne. Das zweite Haus mit der höchsten Auszeichnung im Südwesten bleibt das „Restaurant Bareiss“ mit Küchenchef Claus-Peter Lumpp in Baiersbronn.

Mit dem „Atelier“ im Münchner Hotel „Bayerischer Hof“ unter Leitung von Jan Hartwig (35) kommt ein elftes Drei-Sterne-Haus hinzu, wie der internationale Direktor des „Guide Michelin“, Michael Ellis, zur Präsentation der neuen Ausgabe am Dienstag in Potsdam sagte. „Die Küche von Jan Hartwig hat in nur wenigen Jahren eine ganz eigene Handschrift entwickelt“, lobte er.

Die Zahl der Zwei-Sterne-Häuser in Deutschland liegt bei 39, davon vier neue Häuser. 250 Restaurants führen einen Stern. Die deutsche Ausgabe umfasst auch ein Restaurant mit einem Stern im österreichischen Kleinwalsertal. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 292 Sterne-Restaurants aufgelistet.

Insgesamt bleibt der Südwesten mit 74 Sterne-Restaurants, darunter zwei Mal drei und sieben Mal zwei Sterne, deutlich an der Spitze der Bundesländer, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 51 und Bayern mit 48 ausgezeichneten Häusern.

Brenners Park-Restaurant verliert zwei Sterne

Neu mit einem Stern sind im Südwesten das „Eckert“ in Grenzach-Wyhlen (Kreis Lörrach), „Emma Wolf since 1920“ und „Le Corange“ in Mannheim sowie „Anima“ in Tuttlingen und „Siedepunkt“ in Ulm. Seine beiden Sterne verloren hat „Brenners Park-Restaurant“ in Baden-Baden. Einen Stern verloren haben „Rilke Restaurant Kerzenstube“ in Backnang (Rems-Murr-Kreis), „Die Ente“ in Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis), „Landgasthof am Königsweg“ in Kirchheim unter Teck/Ohmden (Kreis Esslingen) und „Landgasthof Adler“ in Rosenberg (Ostalbkreis).

Auf einen besonderen Rekord kann das Restaurant „Adler“ in Häusern im Schwarzwald stolz sein. Seit den ersten „Michelin-Sternen“ in Deutschland im Jahr 1966 erhielt es in jedem Jahr einen Stern.

Neben den Sternen verteilt der „Guide Michelin“ an 460 Häuser die Auszeichnung „Bib Gourmand“. Sie weist auf Restaurants hin, die sorgfältig zubereitete Mahlzeiten zu einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. In den Handel kommt das Buch am 17. November.

 

Die Drei-Sterne-Restaurants in Deutschland 

Wer drei „Michelin“-Sterne bekommt, gehört zu einer sehr exklusiven Gruppe von Restaurants. Die neue Deutschland-Ausgabe des „Guide Michelin“ zählt elf Häuser, eins mehr als im Vorjahr.

  • „Restaurant Bareiss“ in Baiersbronn (Baden-Württemberg) mit Küchenchef Claus-Peter Lumpp

  • „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn (Baden-Württemberg) mit Küchenchef Torsten Michel

  • „Atelier“ in München (Bayern) mit Küchenchef Jan Hartwig

  • „Restaurant Überfahrt“ in Rottach-Egern (Bayern) mit Küchenchef Christian Jürgens

  • „The Table“ in Hamburg mit Küchenchef Kevin Fehling

  • „La Vie“ in Osnabrück (Niedersachsen) mit Küchenchef Thomas Bühner

  • „Aqua“ in Wolfsburg (Niedersachsen) mit Küchenchef Sven Elverfeld

  • „Vendôme“ in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) mit Küchenchef Joachim Wissler

  • „Waldhotel Sonnora“ in Dreis (Rheinland-Pfalz) mit Küchenchef Clemens Rambichler

  • „Victor's Fine Dining“ in Perl (Saarland) mit Küchenchef Christian Bau

  • „GästeHaus Klaus Erfort“ in Saarbrücken (Saarland) mit Küchenchef Klaus Erfort

 

Sterne für Restaurants fallen nicht vom Himmel

Der Weg zu einem oder mehreren Sternen ist für Restaurants nicht einfach. Inspektoren des „Guide Michelin“ kommen mehrfach und probieren die Menüs. Die Frauen und Männer sind fest angestellt und zahlen für die Gerichte. Sie schreiben ausführliche Protokolle. Manchmal geben sie sich nach dem Essen zu erkennen, sprechen mit dem Koch und werfen einen Blick in die Küche. Alle Inspektoren haben eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe und urteilen nach einem System, das an objektiven Maßstäben ausgerichtet ist.

Bewertet wird die Qualität der Produkte, die fachgerechte Zubereitung und der Geschmack, die persönliche Note, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die gleichbleibende Qualität. Ein Stern: „Eine Küche voller Finesse - einen Stopp wert.“ Zwei Sterne: „Eine Spitzenküche - einen Umweg wert.“ Drei Sterne: „Eine einzigartige Küche - eine Reise wert.“