Lehrer fordern Verwaltungsassistenten


Stuttgart - An allen großen Schulen in Baden-Württemberg sollen Verwaltungsassistenten dauerhaft die Lehrer entlasten. Das fordern die Real- und Berufsschullehrer im Land. „Ich habe von dem Modellversuch nur Positives gehört, das lohnt sich für alle Beteiligten“, sagte der Chef des Berufsschullehrerverbands, Waldemar Futter, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Assistenten verringerten mit ihrer Arbeit den Unterrichtsausfall.

Auch der Realschullehrerverband hält eine landesweite Einführung der bislang nur vereinzelten Stellen für sinnvoll. Denn das pädagogische Personal sei zu sehr „durch Verwaltungsaufgaben gebunden und hat keine Zeit für die Kernaufgabe Unterricht und Arbeit mit Kindern“, beklagte Verbandschefin Rita Haller.

Vor gut drei Jahren begann in 13 Berufsschulen an 10 Standorten das Projekt mit Verwaltungsassistenten. Dabei übernimmt ein von Schulträger und Land zu gleichen Teilen finanzierter Profi aus der Kommunalverwaltung Aufgaben an der Schule. Zu seinen Bereichen, die sonst Lehrer oder Schulleiter erledigen müssen, gehören die Bücherverwaltung, die Schülerversicherung, das Gebäudemanagement und die Beschaffung von Ausstattung. Im kommenden Jahr will das Land in Abstimmung mit den Kommunalverbänden über die Zukunft des Modells entscheiden.

Knackpunkt ist das Geld. So antwortete das Ressort von Kultusminister Helmut Rau (CDU) auf eine CDU-Anfrage: „Eine entscheidende Rolle für eine etwaige landesweite Einführung des Schulverwaltungsassistenten spielen die haushaltsmäßigen Möglichkeiten.“

Nach Ansicht des Landkreistags könnten die Pläne an der schwierigen Kostenaufteilung zwischen Kommunen und Land scheitern. „Das Land hat noch keine Zusage für eine dauerhafte Finanzierung gemacht“, sagte Nathalie Münz, Verbandsdezernentin für Bildung. An dem Versuch sind mehrere Land- und Stadtkreise beteiligt. Nach Münz Worten muss sichergestellt sein, dass bei einer hälftigen Finanzierung die Kommunen auch zur Hälfte entlastet werden und Aufgaben vom Landratsamt an die Schule selbst verlagert werden. Auch der Städtetag verlangt bei einer landesweiten Einführung eine 50-prozentige Finanzierung durch das Land.

Futter spricht von einer „Win-Win-Situation“: Die Schulen profitieren von der Routine der an der Verwaltungshochschule in Kehl (Ortenaukreis) ausgebildeten Verwaltungsinspektoren. Die Lehrer müssen nicht mehr als „gebildete Laien“ Aufgaben fernab der Pädagogik übernehmen. Überdies könnten Landratsämter und Stadtkreise sicher sein, dass die großen Anschaffungen für die Berufsschulen - etwa Küchenanlagen, Maschinen oder Computerräume - mit Sachverstand ausgeschrieben und abgewickelt werden, erläuterte der Leiter einer gewerblichen Berufsschule in Esslingen.

Insbesondere an den 305 beruflichen Schulen, die im Schnitt rund 1200 Schüler haben, verringere der Einsatz der Spezialisten das sogenannte strukturelle Defizit. Darunter versteht man den schon den im Stundenplan einkalkulierten Stundenausfall, den Futter in diesem Jahr auf mehr als 4,6 Prozent beziffert. Bislang entfallen nach seinen Worten auf die Verwaltungsarbeit in der Woche 10 bis 15 Lehrerwochenstunden pro Schule.

„Nach unseren Berechnungen würde der Einsatz der Verwaltungsassistenten umgerechnet 100 bis 150 zusätzliche Lehrerstellen bringen“, sagte Futter. Auch die Schulleiter würden durch die Helfer entlastet. „Sie können sich voll auf die pädagogische Arbeit, die Schulentwicklung und das Qualitätsmanagement konzentrieren, weil sie sicher sind, dass die Verwaltungsarbeit professionell erledigt wird.“ dpa




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