Kriminalstatistik 2015: Einbrüche, Diebstahl, Jugendgewalt

Stuttgart/Region  In Baden-Württemberg wurden 2015 deutlich mehr Straftaten verübt als in den Jahren zuvor. Die Kriminalitätsbelastung im Hohenlohekreis ist dagegen deutlich gesunken.

Von unserer Redaktion

Kriminalität im Land nimmt zu

Es ist das letzte Mal, dass Reinhold Gall (SPD) als Innenminister von Baden-Württemberg die polizeiliche Kriminalstatistik des Landes vorstellen kann. Dabei muss er verkünden, dass die Zahl der Straftaten im Südwesten leicht angestiegen sind.

"Diese Entwicklung ist vorwiegend der Armutskriminalität zuzuschreiben", sagt Gall. 617.365 Taten wurden im vergangenen Jahr registriert − eine Zunahme um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ohne die Verstöße gegen das Asyl- und Aufenthaltsrecht − hier hat die Zahl der Straftaten wegen der hohen Flüchtlingszahlen von 9000 auf insgesamt 23?901 zugenommen − beträgt der Anstieg 2,2 Prozent.

  • Eigentumskriminalität: Über ein Drittel aller registrierten Straftaten sind der Eigentumskriminalität zuzuordnen. Um 2,2 Prozent sind die Straftaten 2015 im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Ein Großteil der Zunahme resultiert aus dem Anstieg der Taschendiebstähle um 11,3 Prozent auf 11?157 Fälle und der Ladendiebstähle um 7,9 Prozent auf 44?261. "Diese Delikte prägen auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung", erklärt Gall. Er stellt die Erfolge bei den Wohnungseinbrüchen entgegen. Hier sei eine Trendumkehr und ein Rückgang um zehn Prozent zu verzeichnen.

  • Flüchtlinge und Kriminalität: Hier muss die Entwicklung genau bewertet werden, erklärt der Minister. "Die Analyse macht deutlich, dass Kriminalität im Kontext der Zuwanderung einer differenzierten Betrachtung bedarf", sagt Gall. Da die Zahl der ankommenden Flüchtlinge 2015 deutlich höher war als 2014, ist auch die Zahl der Straftaten auf 53.710 Fälle angestiegen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass sich darunter 23.901 Verstöße gegen das Asyl- und Aufenthaltsrecht befinden. Hier sind laut Gall vor allem Personen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Eritrea betroffen. 
    Den Großteil der restlichen Straftaten von Flüchtlingen machen Diebstahl, Schwarzfahren oder Vermögens- und Fälschungsdelikte aus. Kommt es zu Körperverletzungen und Rauschgiftkriminalität, findet etwa jedes zweite Delikt in Asylbewerberunterkünften statt. Aufgefallen seien hier vor allem Asylsuchende aus Algerien, Georgien, Gambia, dem Kosovo oder Serbien. Der Anteil der Sexualstraftaten beträgt 0,8 Prozent.

  • Politische Straftaten: Hier haben die Delikte 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 2822 Fälle zugenommen. Darunter befinden sich zahlreiche Farbschmierereien und sogenannte Propagandadelikte. Bei den politischen Gewalttaten gab es im rechten Spektrum einen Anstieg von 24 auf 76 Fälle, im linken von 89 auf 156. Unter den 70 Straftaten gegen Asylbewerberheime waren auch sieben Brandanschläge.

  • Polizei: Mit 1866 zum Teil schwer verletzten Beamten ist die Zahl nochmals um 4,6 Prozent angestiegen. Die gegen die Beamten angewendeten Straftaten nahmen 2015 im Vergleich zu 2014 um 4,3 Prozent auf 3929 Fälle zu. "Für Angriffe gegen die Polizei fehlt mir jedes Verständnis", erklärt Gall. Bei Angriffen war unter den Tätern oft Alkohol im Spiel. Gall erklärt, man habe den Gesetzentwurf zur Einführung von Körperkameras bereits auf den Weg gebracht. So sollen die Beamten besser geschützt werden.

  • Jugendgewalt: Als erfreulich bezeichnet Gall, dass die Zahl der jungen Gewalttäter unter 21 Jahren um 3,1 Prozent auf 5107 Tatverdächtige zurückgegangen ist. Gall: "Dies zeigt, dass unsere Präventionsmaßnahmen greifen und die Fokussierung der Polizei auf junge Mehrfachgewalttäter wirkt."

 

Hohenlohe: Zahl der Straftaten deutlich gesunken

Die Kriminalitätsbelastung ist im Hohenlohekreis im Jahr 2015 zwar deutlich gesunken. Dennoch liegen im Ranking des Polizeipräsidiums Heilbronn die drei anderen Landkreise vor den Hohenlohern.

Hier passierten 3951 Straftaten pro 100.000 Einwohner, in Main-Tauber 3930. Mit einigem Abstand folgen Heilbronn (3446) und Neckar-Odenwald (3286), die damit Platz vier und drei im Vergleich aller 35 Landkreise in Baden-Württemberg einnehmen. Der Hohenlohekreis liegt da immer noch auf einem guten elften Rang. Abgeschlagenes Schlusslicht ist der Kreis Lörrach (9253), der Enzkreis (3018) hat die geringste Kriminalitätsbelastung.

Zahl der Straftaten deutlich gesunken

Diese so genannte Häufigkeitszahl ist im Hohenlohekreis im Vergleich zu 2014 um 9,1 Prozentpunkte auf 3951 Straftaten pro 100.000 Einwohner gesunken. Im Landkreis Heilbronn waren es minus zehn Prozent. In den anderen Kreisen, für die das Polizeipräsidium Heilbronn zuständig ist, fiel der Rückgang weniger deutlich aus. "Das sind beachtliche Werte", sagt Polizeipräsident Hartmut Grasmück. Vor allem bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie bei Rauschgift-, Computer- und Umweltkriminalität gingen die Fallzahlen relativ stark zurück.

Bei Rauschgift hänge es auch damit zusammen, wie viel die Polizei in Ermittlungen investiere. Bei Sexualstraftaten spielten Internetfälle eine große Rolle und auch bei Computerkriminalität hänge es davon ab, ob man in einem Jahr große Sammelverfahren mit Internetbetrügereien habe oder nicht, erklärt der Polizeichef. Und: Die Sicherheit bei Bankautomaten habe sich in letzter Zeit deutlich verbessert, so dass die "Fälle zurückgehen", sagt er.

Die Polizeireform ist seit 2014 in Kraft. Anfangs gab es in Hohenlohe große Bedenken - vor allem, weil die Kriminalpolizei vor Ort nicht mehr so schlagkräftig schien. Der damalige Künzelsauer Kripo-Leiter Elmar Zeh konnte diese Befürchtungen bald zerstreuen und erklärte, die Hohenloher Kripo-Beamten würden dadurch entlastet und die Ermittlungsarbeit würde professioneller. Grasmück bestätigt dies jetzt erneut. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kriminaldauerdienst in Heilbronn und den Kriminalkommissariaten wie in Hohenlohe funktioniere gut. Der Dauerdienst habe "eine Riesen-Akzeptanz".

Zahl der Straftaten deutlich gesunken

Polizeisprecher Rainer Ott verwies als Beispielsfall auf eine Brandstiftung oder ein Sexualdelikt, das der Kriminaldauerdienst zuerst vor Ort bearbeite. Bei weitergehenden Ermittlungen gebe man dann Aufgaben an die Kommissariate ab. Die Kollegen vor Ort würden dadurch "entlastet", betonte Ott. Auch die früheren Einsätze bei Bereitschaftsdiensten am Wochenende fielen mit dem neuen System für die Beamten in den Kommissariaten weg.

Die Zahl der Einbrüche war 2014 im Hohenlohekreis von 80 auf 71 gesunken. 2015 gab es eine Zunahme von 26 Fällen (plus 36,6 Prozent) auf 97. Das ist der höchste Wert seit vielen Jahren, besonders dramatisch waren die Einbruchszahlen von 2011 auf 2012 gestiegen. Sie hatten sich damals von 44 auf 80 Fälle nahezu verdoppelt.

Der Polizeipräsident gibt zu, dies sei ein Wermutstropfen in der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr. In diesem Bereich sehe man aber aktuell eine erfreulichere Entwicklung mit rückläufigen Zahlen und einer deutlich verbesserten Aufklärungsquote. Die speziell eingerichtete Ermittlungsgruppe leiste hier eine gute Arbeit, so Grasmück.