Keine Grabsteine aus Kinderarbeit - Steinmetze klagen

Kehl (dpa/lsw)  Mit einer Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gehen Steinmetzfirmen gegen eine neue Friedhofssatzung der Stadt Kehl (Ortenaukreis) vor. Die umstrittene Regelung sieht vor, dass kein Stein aufgestellt werden darf, der mit «ausbeuterischer

Kinderarbeit» produziert worden ist. Die Firmen müssten den entsprechenden Nachweis über die gesamte Wertschöpfungskette führen. «Das können wir gar nicht leisten», erklärte der Innungsobermeister im Ortenaukreis, Egon Meffle, am Freitag auf Nachfrage. «Wir sind alle gegen Kinderarbeit - aber das ist zu viel.»

Nach Ansicht von Meffle bedeutet eine solche Vorgabe faktisch ein Verbot von Steinimporten. «Die gesamte Wertschöpfungskette - das reicht vom Steinbruch in Indien über den Hersteller der Schneidemaschinen bis zum Bronzebergwerk in Südamerika für Bronzeelemente.» Handwerksbetriebe hätten gar nicht die Möglichkeit, all das zu dokumentieren. «Da ist die große Politik gefordert.»

Zudem hält Meffle den Vorwurf der Kinderarbeit für unbegründet. «Ich war schon mehrfach bei meinen Lieferanten in Indien und habe dort nie ein Kind an einem Grabstein arbeiten sehen.» Die schweren Steine würden dort wie in Europa mit Maschinen hergestellt. «Ein Problem sind sicher die Kinder, die mit ihren Eltern in den Bergwerken leben und dort auch Steine klopfen. Aber das sind Pflastersteine und keine Grabsteine.»

Die Stadt sieht der Klage gelassen entgegen. Die Steinmetze hätten bereits einen ähnlich gelagerten Prozess vor dem bayerischen Verwaltungsgerichtshof verloren. Zudem gebe es seit dem 30. Juni einen neuer Paragrafen im Bestattungsgesetz Baden-Württemberg, der die Kommunen ausdrücklich ermächtigt, entsprechende Regelungen zu treffen.