Diözesanrat kritisiert Konsum und Militär-Einsätze

Bad Waldsee (dpa/lsw)  Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat die katholische Kirche in Baden-Württemberg die Ursachen von Terror und Flucht benannt. Der Diözesanrat appelliert an die Politik, Konflikte friedlich und nicht militärisch zu lösen.

Die Industrienationen tragen aus Sicht des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart eine historische Mitverantwortung für die weltweiten Terroranschläge und die Flüchtlingsströme. «Unsere konsumorientierte Lebensweise, das hemmungslose Vorantreiben wirtschaftlicher und finanzieller Interessen und der weltweite Waffenexport haben sich als gravierende Fehlentscheidungen herausgestellt», hieß es in einer Mitteilung am Sonntag von der Katholikenvertretung in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg). Die damit verbundenen Folgen und Demütigungen der betroffenen Menschen seien Ursache von Gewalt und Gegengewalt.

Politisches Handeln müsse fortan darauf abzielen, Konflikte friedlich zu lösen, um den Menschen neue Lebensperspektiven zu eröffnen. «Militärisch ausgetragene Konflikte der letzten Jahrzehnte haben nirgendwo nachhaltig zu Stabilität und Frieden beigetragen.»

Der Diözesanrat mahnte eine ehrliche Ursachenforschung der aktuellen Gewalt und der Fluchtbewegungen an. Allein die innerislamischen Konflikte in den Blick zu nehmen, greife zu kurz. Der Kirchenvertreter warnten auch davor, einen Zusammenhang herzustellen zwischen Flüchtlingen und Terroranschlägen. «Wir beklagen die vielen Opfer der aktuellen Kriege und ungelösten Konflikte weltweit wie in Syrien, im Irak, in Afghanistan, im Jemen, in Burundi und in vielen afrikanischen Staaten. Menschen die vor solcher Gewalt fliehen, brauchen unser Verständnis.»

Die Lebensperspektiven von unschuldigen Kindern und Jugendlichen würden in diesen Ländern zerstört. Gewalt, fehlende Anerkennung und gescheiterte Hoffnungen dürften junge Frauen und Männer nicht länger zu Verlierern werden lassen». Die Terroranschläge in Europa seien Angriffe auf Kultur, Werte, Freiheit, Respekt vor dem Leben und Gottes Schöpfung. «Solch eine feige, barbarische Gewalt ist weltweit ein Angriff auf alles, was Menschlichkeit auszeichnet.»

Noch bis zum 18. Dezember können die Vertreter der Kirchengemeinden die Diözesanräte per Briefwahl wählen. Bischof Gebhard Fürst rief die Wahlberechtigten auf, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. «Ein kompetenter Diözesanrat ist für die Diözesanleitung unverzichtbar», erklärte Fürst, der von Amts wegen Vorsitzender des Diözesanrats ist.