Kaputter Bahntunnel in Rastatt: Viele Fragen weiterhin offen

Rastatt  Neun Tage nach der Havarie in der Tunnelbaustelle unter der wichtigen Rheintalbahn bemüht sich die Deutsche Bahn um mehr Transparenz. Erstmals werden Journalisten auf die Baustelle geführt.

Von Sönke Möhl, dpa

An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt finden Arbeiten statt. Dort haben sich Bahngleise abgesenkt. Foto: dpa

Saugend, schmatzend, schluckend poltert der Beton durch einen dicken Gummischlauch in die Erde. Rund 6000 Kubikmeter sind es schon, bei 10.000 soll der beschädigte Tunnelabschnitt voll sein. Mittendrin die 18 Millionen Euro teure und 90 Meter lange Maschine, die sich als unterirdische Fabrik bereits mehrere Tausend Meter unter der badischen Stadt Rastatt durchgewühlt hat.

Vorne löste ein Schneidrat mit elf Metern Durchmesser Sand und Kies, weiter hinter wurden Betonsegmente zur Tunnelröhre zusammengefügt. Bis am Samstag vor einer Woche auf der Baustelle für die neue Rheintalbahn etwas passiert ist, das sich bei der Bahn offenbar immer noch niemand erklären kann. „Die Tunnelbohrmaschine wird komplett mit einbetoniert“, ist am Montag die traurige Bestandsaufnahme von Jürgen Kölmel.

Verkehr wurde gestoppt

Der schlanke Mann ist zuständiger Arbeitsgebietsleiter der Deutschen Bahn für den Tunnelbau in Rastatt und zeigt Journalisten, wie das Unternehmen den Schaden in den Griff bekommen will, der am 12. August entstanden war. Nur knapp fünf Meter unter den beiden Gleisen der Rheintalbahn, der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung zwischen den Niederlanden, Norddeutschland und Italien, war der Boden eingesackt. Schienen verbogen sich und hängen seitdem zum Teil in der Luft, der Verkehr wurde sofort gestoppt. Dabei sollte eine künstliche Vereisung des Bodens genau das verhindern.

Was genau etwa 40 Meter hinter dem Schneidrat der Tunnelbohrmaschine passiert ist, kann Kölmel nicht sagen. Immer wieder verweist er auf Untersuchungen, die erst angestellt werden müssten. Wo der Boden einbrach, war die Röhre bereits mit Betonringen ausgekleidet. Kann das Bohrgerät später geborgen werden? „Welchen Zustand die Maschine hat, kann man sich vorstellen“, sagt der Fachmann, guckt traurig und wehrt weitere Fragen ab.

Wann Züge wieder fahren, ist unklar

Wenn der Beton in der Röhre trocken ist - was nach Kölmels Aussage schnell geht - könne mit der Wiederherstellung der Gleise begonnen werden. Wann wieder Züge fahren sollen, sagt aber niemand. Der ursprünglich von der Bahn genannte Termin des 26. August, bis zu dem die Reparaturarbeiten beendet sein sollten und der Verkehr wieder aufgenommen werden sollte, ist jedenfalls obsolet.

Dass die Züge wieder fahren, sei erste Priorität, hatten Sprecher des Verkehrsunternehmens immer wieder betont. Kein Wunder, denn auf dem gesperrten Abschnitt zwischen Rastatt und Baden-Baden fahren normalerweise bis zu 200 Güterzüge pro Tag. Dazu in dichter Folge Regional- und Fernzüge mit Tausenden Passagieren. Der wirtschaftliche Schaden für die Bahn scheint in jeden Fall riesig.

Wie und wann der Tunnel für die Neubaustrecke der Rheintalbahn überhaupt fertiggestellt werden kann, ist eine Frage, die Bahnsprecher und -manager am liebsten noch gar nicht hören möchten. Das sei dritte Priorität, hatte der Konzernbevollmächtigte Sven Hantel bereits wenige Tage nach der Havarie gesagt.

Ein Journalist mit gelben Sicherheitsgummistiefeln, grüner Warnweste und Helm macht auf der Baustelle noch einen Anlauf. Ob es zuviel gesagt wäre, dass die Tunnelstrecke überhaupt Bestand habe, möchte er wissen. „Dazu kann ich nichts sagen“, antwortet Kölmel leicht gequält und bittet die Gruppe, ihm an einen anderen Platz zu folgen.