Neue Ermittlungen gegen mutmaßliche NS-Verbrecher

Ludwigsburg/Erfurt (dpa/lsw)  Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende stoßen Ermittler noch immer auf mutmaßliche Kriegsverbrecher. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen fünf ehemalige SS-Wachmänner aus dem KZ-Buchenwald. Sie sind heute bis zu 96 Jahre alt.

Statue der Justitia
Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hat weitere mutmaßliche NS-Verbrecher ausfindig gemacht. Die Staatsanwaltschaft Erfurt habe auf Grundlage ihrer Recherchen die Ermittlungen gegen fünf ehemalige SS-Wachmänner des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar aufgenommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage. Die Vorwürfe lauteten auf Beihilfe zum Mord. Die Männer seien heute zwischen 92 und 96 Jahre alt. Zuvor hatte die Tageszeitung «taz» (Donnerstag) in Berlin berichtet.

Die Beschuldigten leben in Thüringen, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und im Rheinland, wie der Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, Jens Rommel, am Mittwoch sagte. Sie sind demnach zwischen Juni 1921 und November 1925 geboren. Rommel sagte, vier der Beschuldigten seien in der «Spätphase» von Buchenwald dort eingesetzt worden, also 1944/45.

Buchenwald bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Von 1937 bis zum April 1945 waren dort und in den 139 Außenlagern fast 280 000 Menschen inhaftiert. 56 000 von ihnen starben oder wurden ermordet.

Zusammen mit den fünf Erfurter Verfahren hat die Zentrale Stelle in den vergangenen Monaten insgesamt 14 Ermittlungen an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben.

Rommel sagte, seine Behörde betreibe derzeit Vorermittlungen gegen SS-Personal aus den Konzentrationslagern Neuengamme, Bergen-Belsen, Mittelbau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Flossenbürg, Groß Rosen und Mauthausen. Zudem bedenkt die Zentrale Stelle nach Angaben Rommels eine Ausweitung der Recherchen auf weitere Massenverbrechen, etwa bei den Einsatzgruppen in der Sowjetunion oder bei «Räumungen» jüdischer Ghettos im besetzten Polen.