Flüchtling wegen Anschlagsplänen vor Gericht

Ravensburg  Ein syrischer Flüchtling soll an einem Plan für einen Terroranschlag in Dänemark mitgewirkt haben. Vor Gericht gibt der junge Mann Hilfe bei den Vorbereitungen zu - am Angriff selbst wollte er aber nicht teilnehmen.

Von Kathrin Drinkuth, dpa

Der Angeklagt Dieab K. (Mitte) zwischen seinem Dolmetscher und Rechtsanwalt im Gerichtssaal des Landgerichtes Ravensburg. Foto: dpa

Mehr als 17.000 Zündhölzer, 17 Batterien, sechs Walkie-Talkies, eine Feuerwerkspackung und zwei Küchenmesser: Mit diesem Gepäck ist ein syrischer Flüchtling im November auf der Insel Fehmarn von der Polizei aufgegriffen worden. Zuvor hatte der 21-Jährige vergeblich versucht, nach Dänemark einzureisen. Wollte er in Kopenhagen einen Anschlag verüben?

Darüber verhandelt seit Montag das Landgericht Ravensburg - die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, er habe sich gegenüber einer bislang unbekannten Kontaktperson der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bereit erklärt, einen Mord zu begehen. Dazu habe der 21-Jährige Gegenstände und Stoffe beschafft, die zur Herstellung von Sprengstoff benötigt würden.

"Der IS ist mein Leben"

Dass er die Materialien zu diesem Zweck gekauft habe und nach Dänemark bringen wollte, bestreitet der Flüchtling vor Gericht nicht. Sein Anwalt sagte zum Prozessauftakt, die Ware habe einer Gewalttat dienen und Gefahr für Leib und Leben Anderer darstellen sollen. „Dazu steht er.“ Der IS sei zu diesem Zeitpunkt ein Vorbild für ihn gewesen, ergänzt der 21-Jährige. „Er war mein ganzes Leben.“

Der junge Mann betont aber auch, dass die Materialien, die er nach Dänemark bringen wollte, für den Bau einer Bombe nicht ausgereicht hätten. „Das war vielleicht ein Zehntel dessen, was man gebraucht hätte.“ Und er betont: Er habe nur bei den Vorbereitungen geholfen, beim Anschlag selbst hätte er auf keinen Fall mitgemacht. Warum, will der Vorsitzende Richter wissen. „Aus Angst“, sagt der Flüchtling. „Ich will nicht sterben.“

Der einzige Weg, dem Islam zu helfen

Als er im Sommer 2015 nach Deutschland kam, habe er noch keinen Kontakt zum IS gehabt, erzählt der junge Mann weiter. In den darauf folgenden Wochen und Monaten habe er aber immer wieder über das Internet Nachrichten und Videos der Terrormiliz gesehen. Am Anfang sei das lediglich Interesse gewesen, sagt der 21-Jährige. Aber irgendwann sei er davon überzeugt gewesen, dass sei der einzige Weg, dem Islam zu helfen.“ Er kauft sich ein Flugticket in die Türkei, von dort aus will er eigentlich zurück nach Syrien reisen und sich dem IS anschließen. Als ihn sein Vater deswegen heftig kritisiert, überlegt er es sich noch einmal anders.

Doch die Ideologie des IS hat sich trotzdem schon fest in dem jungen Mann verankert. Wenn es ihm schlecht gegangen sei, habe er sich manchmal Ausschnitte von Hinrichtungen angesehen, sagt der 21-Jährige, der nach eigenen Angaben aus einem wohlhabenden Haus stammt. Er lädt sich eine Bombenanleitung auf sein Smartphone, tritt in Kontakt mit Sympathisanten der Terrormiliz und verschickt sogar Abschiedsbriefe von IS-Kämpfern nach dessen Tod an Verwandte.

Festnahme in Biberach 

Als einer seiner Kontaktleute - noch ist unklar, wer das war und wie viele weitere Beteiligte es gab - ihn bittet, Materialien für Sprengstoff zu besorgen, kauft er bereitwillig alles in Biberach ein. Warum er die Sachen aus Süddeutschland nach Dänemark brachte, fragt ihn der Richter. „Das hätte man doch alles auch dort kaufen können?“ Der 21-Jährige bleibt vage. Sein Kontakt in Kopenhagen sei von der Polizei beobachtet worden, daher habe er die Sachen nicht selbst kaufen können, sagt er.

Mitte November besorgt der Flüchtling sich ein Zugticket nach Kopenhagen und macht sich auf den Weg in den Norden. Doch er kommt nur bis an die deutsch-dänische Grenze. Weil er keine Papiere bei sich hat, weisen ihn die Behörden ab. In Puttgarden auf Fehmarn fällt der Polizei bei einer Kontrolle die ungewöhnliche Fracht des Mannes auf - er wird in den Zug Richtung Biberach gesetzt und am 20. November dort festgenommen.

Ob er seine Unterstützung für den IS bereut, ist dem Mann beim Prozessauftakt kaum anzumerken. Er tritt selbstbewusst auf, antwortet dem Richter mit lauter Stimme, seine Gesten wirken mitunter fast theatralisch - er scheint die Aufmerksamkeit vor Gericht zu genießen. Doch gleichzeitig schieben seine Hände einen Kugelschreiber ständig von einer Seite zur anderen, er wippt nervös mit den Füßen. Er habe sich inzwischen von den Ideologien der Terrormiliz distanziert, sagt der junge Mann. „Mein momentanes Gedankengut sieht ganz anders aus.“