Ministerium sieht in Infraschall kein Problem bei Windrädern

Stuttgart (dpa/lsw)  Schaden Windräder der Gesundheit? In der Diskussion um Windkraft spielt das Thema Infraschall eine zunehmende Rolle. Die Gegner befürchten Gefahren. Das Umweltministerium gibt Entwarnung.

Von Oliver Schmale, dpa

Windrad
Diskussion um Infraschall von Windrädern. Foto: Uli Deck/Archiv

Windkraftgegner rücken das Thema Infraschall verstärkt in den Mittelpunkt, um den Bau neuer Anlagen zu verhindern. Man habe den Eindruck, dass dieses Argument derzeit in Baden-Württemberg bei nahezu jedem Verfahren von Bürgerinitiativen vorgebracht werde, sagte ein Sprecher von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Nicht nur bei den eigentlichen Genehmigungsverfahren der Anlagen, sondern bereits im Vorfeld spiele das eine Rolle, wenn es um grundsätzliche Entscheidungen durch die Kommunen gehe.

«Dabei wird leider auch nicht vor falschen und teilweise Angst machenden Aussagen haltgemacht», sagte der Sprecher. Windkraftgegner sorgen sich wegen des Infraschalls um ihre Gesundheit. Schädliche Wirkungen seien aber nicht zu befürchten, so das Ministerium. CDU und FDP warfen Minister Untersteller am Dienstag vor, beim Windenergieausbau in Baden-Württemberg gescheitert zu sein.

Schall unterhalb des Hörbereichs wird Infraschall genannt. Dabei handele es sich um Frequenzen von weniger als 20 Hertz (Hz). Er könne nicht mehr im eigentlichen Sinn «gehört» werden, er könne jedoch, ab einer gewissen Stärke, vom Menschen sehr wohl wahrgenommen werden. Infraschall sei Bestandteil der Umwelt. Andere natürliche Infraschall-Quellen seien etwa Wasserfälle oder Meeresbrandung.

Das Umweltministerium warf den Windkraftgegnern vor, mit falschen Informationen zu arbeiten. «So wird beispielsweise immer wieder auf eine vermeintliche Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu einem Mindestabstand von 2000 Metern zu bewohnten Gebäuden hingewiesen. Eine solche Empfehlung gibt es nicht», erklärte der Sprecher. Er verwies auf Messungen der Landesanstalt für Umwelt und anderen Einrichtungen. Demnach liege die Belastung in der Umgebung von Anlagen bereits im Nahbereich zwischen 150 und 300 Metern deutlich unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle und damit weit von den bekannten Schwellen zur Gesundheitsgefährdung entfernt.

Die neuesten Untersuchungen der Landesanstalt zeigten auch, dass sich beim Einschalten einer in 700 Metern Abstand befindlichen Windenergieanlage die gemessene Belastung nicht nennenswert erhöhe. «Der Infraschall wird dann im Wesentlichen vom Wind selbst erzeugt und nicht vom Betrieb der Anlage.»

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg argumentiert ähnlich wie das Umweltministerium. Im Gegensatz zur sehr fraglichen Infraschallproblematik sei die gesundheitliche Gefährdung durch hörbaren Schall, also Lärm, ohne Zweifel immens. Es sei sehr viel drängender, dieses Problem zu lösen. Zumal damit auch der allgegenwärtige Infraschall reduziert werden könnte.

Der Südwesten ist seit Jahren Schlusslicht in Sachen Windkraft. Aktuell gibt es rund 400 Anlagen. Grün-Rot ist 2011 angetreten, dies zu ändern - was sich aber auch wegen komplizierter Genehmigungsverfahren als schwierig herausstellt. Als Ziel hatte die Landesregierung ausgegeben, dass Windkraft bis zum Jahr 2020 einen Anteil von zehn Prozent der Stromerzeugung erreicht.

Um das zu erreichen, muss die Zahl der Anlagen erheblich nach oben getrieben werden. Im vergangenen Jahr wurden 94 neue Anlagen genehmigt. In den Jahren 2011 und 2012 waren es jeweils 10 und im Jahr 2013 9 Anlagen, wie das Ministerium angibt.

CDU-Energieexperte Paul Nemeth meinte, anstatt den Kritikern von Windkraftanlagen Falschaussagen vorzuwerfen, sollte Minister Untersteller zuhören und Gespräche vor Ort führen. «Die niederschmetternde Bilanz des Ausbauplans für Windkraftanlagen von Grün-Rot zeigt deutlich, dass die Regierung überfordert ist.» Auch FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kritisierte, anstatt die gesundheitlichen Klagen der Anwohner über Infraschall ernst zu nehmen, scheine die Landesregierung ein Jahr vor der Landtagswahl nun Sündenböcke für ihre verfehlte Energiewende zu suchen.