Atommüll per Schiff - Neckarwestheim hofft auf Sieg vor Gericht

Berlin/Neckarwestheim  Im Streit um den geplanten Transport von Atommüll auf dem Neckar hofft die Gemeinde Neckarwestheim auf einen juristischen Erfolg.

Von dpa

Zwischenlager Neckarwestheim
Das Zwischenlager Neckarwestheim. Foto: Jan-Philipp Strobel/Archiv

„Mit großer Spannung erwarten wir die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin über unseren Eilantrag“, sagte Bürgermeister Jochen Winkler (parteilos) am Dienstag. Das Gericht hatte sein Urteil für den Nachmittag angekündigt.

Mit dem Eilantrag will Neckarwestheim verhindern, dass Brennelemente vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim zeitnah per Schiff zum Zwischenlager Neckarwestheim gebracht werden. Die Kommune fordert nach einem Studium der Unterlagen Nachbesserungen bei der Sicherheit. „Wenn wir schon die Kröte schlucken müssen, soll wenigstens alles sicher sein“, sagte Winkler der Deutschen Presse-Agentur.

Sollte das Gericht den Antrag ablehnen, stünde dem ersten Transport hoch radioaktiver Abfälle auf einem deutschen Fluss juristisch nichts mehr im Weg. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) hatte dem Energieversorger EnBW Mitte Mai die Beförderung von 15 Behältern mit insgesamt 342 Brennelementen per Schiff genehmigt.

Atomkraftgegner protestieren gegen die etwa 50 Kilometer weite Verfrachtung auf dem Neckar. Sie haben bereits zu Kundgebungen in Gundelsheim und Heilbronn aufgerufen, sollten die Transporte starten.

 

Castor-Behälter

Castoren sind spezielle Behälter für radioaktive Abfälle und abgebrannte Brennstäbe aus Atomkraftwerken. In diesen Behältern kann der Atommüll gelagert oder transportiert werden. Castor steht für „Cask for storage and transport of radioactive material“ (Behälter für Lagerung und Transport von radioaktivem Material).

Für den Transport auf dem Neckar soll ein bestimmter Castor-Typ verwendet werden. Die Behälter bestehen aus Kugelgraphitguss und haben laut EnBW eine Länge von etwa vier Metern und einen Durchmesser von zweieinhalb Metern. Das tonnenschwere Metall und die aufwendige Abdichtung der Behälter sorgt den Angaben zufolge dafür, dass die von den Brennelementen ausgehende Strahlung keine Gefahr für die Umgebung darstellt.

Ein Castor kann maximal 24 Brennstäbe aufnehmen. Ohne diese Brennelemente wiegt er rund 96 Tonnen; voll beladen rund 107 Tonnen.